Schritt ins Licht

Freundlich und sanft fällt Licht in meinen dunklen Garten,

langsam wächst die Freude und ich kann es kaum erwarten.

Mein Leben sucht sich einen sicheren Weg,

so wie ins ungewisse Blau führt der breite Steg,

an dessen Ende es bedenkenlos gelingt zu springen,

wie ein Kind, neugierig und gespannt, was wird es bringen?

Kommt all das Bunte, die vielen Farben zurück in mein Leben?

Sind die Flügel schon kräftig genug mit Leichtigkeit zu schweben?

Ist es endlich Zeit für mein unbeschwertes Lachen,

für die wunderbare Vielfalt meiner Sinne, zu erwachen?

So lange habe ich mit mir gerungen,

Gefühle zeigen, nicht einmal das, ist mir gelungen.

All die Schätze, die im Verborgenen lagen,

es ist Zeit den Schritt ins Licht zu wagen!

(September 2014)

Die Intention meines Blogs ist hauptsächlich die Krankheit Depression anschaulicher und verständlicher zu machen, in dem ich selbst tiefe Einblicke in mein Leiden damals erlauben werde, welches sich in meinen Gedichten wiederfindet. Im Moment mag ich diese Zeilen aber nicht veröffentlichen. Sie sind schon sehr duster und erschrecken vielleicht so manchen. Heute bleibe ich lieber in der Zeit, die sich hoffnungsvoll und zuversichtlich zeigte.

Nachdem ich ca. 2 Jahre brav und tapfer 3 mal in der Woche meine strenge Therapeutin in Frankfurt am Main aufsuchte und irgendwann entschied, ich müsse doch mal wieder ins Leben gehen und mich ausprobieren, beendete ich die Besuche und demnach meine Therapie. Die Therapeutin, die auch Medizinerin war, versuchte mich mit allen Mitteln zu halten, aber meine Entscheidung war gefallen, auch wenn sie überzeugt war, ich könne mein Nest bei ihr nicht verlassen.

Es war nicht das einzige Nest, das ich verließ. Ich verließ auch meinen damaligen Mann und das gemeinsame Haus. Nach der Therapie fühlte ich mich sehr gestärkt, was im großen und ganzen auch so blieb, auch wenn es immer mal wieder Unsicherheiten und Rückschläge gab und auch heute noch gibt. Ich bezog eine alte Doppelhaushälfte. Den Umzug machte ich nach und nach mit meinem großem Geländewagen. Für die großen und schweren Sachen beauftragte ich ein Umzugsteam, eingige Möbel kaufte ich neu und ließ sie direkt dort anliefern.

Meine Hündin nahm ich mit, und dann saß ich da eines Abends nach so vielen Jahren ganz alleine. Hinter meinem Garten war nur ein kleiner Weg. Dort leuchtete sanft das Licht einer Laterne durch die Büsche auf die Wiese. Ich fühlte mich gut, befreit und bereit. Alles schien so friedlich, ich konnte aufatmen. Lange kaufte ich kein Fernsehgerät und vermisste es auch nicht. Ich nahm mir die Zeit beim Kisten auspacken alte Briefe zu lesen, meine Sammlung an Bildbänden durchzublättern, Musik zu hören, alles, und vor allem mich, neu zu sortieren. Es war eine wertvolle und sehr wohltuende Zeit. Manchmal überlegte ich was ich vermisste. Natürlich meine Tochter, die gerade ein Jahr in Kalifornien eine Highschool besuchte. Sie vermisste ich sehr. Ansonsten war es nicht viel. Der Kamin und das große Grundstück fehlten mir.

Zurückblickend bin ich heute sehr stolz auf mich. Ich besitze unheimlich viel Kraft, obwohl ich so vieles durchgemacht habe, oder gerade weil ich so viel ertragen musste von Kindheit an. Alles in allem war es ein langer Weg. In dem Haus blieb ich 3 Jahre. In der Zeit kam mein Lachen zurück, ich lernte meinen neuen Partner kennen und das Leben meint es sehr gut mit mir.

Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.

Demokrit

aus meinem Nähkästchen geplaudert…

Celebrities / Prominente

Berühmt, berüchtigt, bekannt, beliebt. Vor kurzem hat eine frühere Kollegin in facebook aufgelistet welche Berühmtheiten sie traf. Das brachte mich dazu auch darüber nachzudenken. Besonders in der Zeit von 1988 bis 2003, als der Flughafen Frankfurt mein Arbeitsplatz war, und vor allem in den Jahren als „Premium Services Representative“ bei American Airlines, hatte ich viele Begegnungen.

Meine erste besondere Begegnung hatte ich mit Mensch und Tier. Der Moment mit dem Tier war allerdings viel aufregender an dem Abend, als das berühmte Paar, auf das ich traf. 1992 bekam ich eine Einladung als Assistentin den damaligen General Manager von Singapore Airlines zu einem Geschäftsessen und anschließender Nachtshow in das Varieté-Theater Tigerpalast in Frankfurt am Main zu begleiten. Ein damals sichtlich ganz verliebtes Paar besuchte dieselbe Show und zog alle Blicke auf sich. Aber nicht das Model wurde auf die Bühne geholt, sondern ich! Braun siegte über blond ;). Ich erwähne es an dieser Stelle nur, weil bei einer anderen Begegnung blond tatsächlich ein Thema war. Ein Assistent des auftretenden Artisten kam zu mir und fagte mich, ob ich es schaffe mich sehr ruhig zu verhalten, wenn ich auf die Bühne gebeten werde, um ein erhabenes und stolzes Raubtier kennen zu lernen. Ohne nur einen Moment zu zweifeln, sagte ich sofort zu und saß später erstaunt auf dem Bühnenboden neben einem mächtigen schwarzen Panther, den ich ausgiebig streicheln durfte. Mein Herz raste vor Aufregung. Ich erinnere mich noch gut an das seidig glänzende Fell. Ein wirklich ganz besonderer Moment wurde mir geschenkt, den ich nie vergessen werde. In der Nacht war ich erst um 5 Uhr zuhause. Ich konnte nicht anders, als meinen damaligen Mann sofort wach zu rütteln, um ihm völlig überdreht nach dem Abend zu berichten, dass ich einen Panther streicheln durfte. Das berühmte Paar, nämlich Topmodel Claudia Schiffer und Magier David Copperfield, die am Nebentisch in der Bar turtelten, waren nebensächlich, wenn auch ein sehr hübsches Paar, damals.

Claudia Schiffer und David Copperfield

Komme ich als nächstes gleich auf „blond“ zurück. Und Boxen ist ein Thema. Als „Premium Services Representaive“ bei American Airlines umsorgte ich VIP-Passagiere. Ich empfing sie in der Lounge, beim First Class Check- in auf dem roten Teppich, holte sie vom Flugsteig ab, usw. An einem Morgen begleitete ich eine sehr heitere und auffällige Gruppe. Heiner Lauterbach (dt. Schauspieler), Cleo Kretschmer (dt. Schauspielerin), Ebby Thust (früherer dt. Box Promoter) und Dolly Buster (frühere tschechisch-dt. Pornodarstellerin) flogen First Class zum Boxkampf nach Las Vegas. Leider will mir nicht mehr einfallen, wer geboxt hat. War es Witali Klitschko? Kann gerne kommentiert werden. Nicht vergessen werde ich aber die infantilen Fragen von Herrn Lauterbach damals: „Warum sind Sie nicht blond?“ und „Gibt es Vodka an Bord?“ Auffällig auch der protzige Schmuck und die große Brille von Ebby Thust, das „Schlappmaul“ der Cleo Kretschmer und der gewaltige Busen von Dolly Buster. Anyway, ich brachte das illustre Grüppchen an Bord, erklärte dem Purser, um wen es sich handelt, denn, woher sollten die amerikanischen Flugbegleiter die deutschen Promis kennen. Neugierig lugten die Piloten aus ihrem Cockpit und blieben defintiv am Busen der Blondine hängen. Ich hoffe die Crew hatte damals Spaß. Ich fand den Morgen nicht so spaßig damals. Mir waren Zurückhaltung und Höflichkeit sehr viel lieber.

Der nächste Gast im Zusammenhang mit Boxen hatte diese bevorzugten Attribute und war eine sehr angenehme Bekanntschaft. Wie jeden Morgen checkte ich die Passagierliste und entdeckte den Namen Michael Buffer. Vor Jahren hatte Henry Maske den Boxsport salonfähig gemacht, so dass auch ich Kämpfe verfolgte. Und wer kennt aus dieser Zeit nicht Michael Buffer, der als bekanntester Ansager von Sportveranstaltungen, insbesondere von Boxkämpfen, weltweit galt. Buffers Markenzeichen waren ein Smoking mit schwarzer Fliege sowie der lautstark vorgetragene Schlachtruf „Let’s get ready to rumble“. Als ich die Rolltreppe vom Admirals Club, der American Airlines Lounge, hinunterfuhr, erblickte ich ihn in der Menge und begrüßte ihn als Fluggast. Er war erstaunt über meinen Empfang, freute sich aber über die Begleitung in die Lounge, sowie später durch die Sicherheitskontrollen bis zum Flugsteig. Zu guter letzt, entschied ich, da Platz war, ihm mit seinem fullfare Business Class Ticket ein Upgrade in die First Class zu geben. Zu ihm als Passagier musste ich der Crew natürlich gar nichts erklären, aber meiner Chefin gegenüber dafür umso mehr, warum er ein nicht notwendiges Upgrade bekam, zumal er ihr auch nicht bekannt war. Sein Glück also damals, dass er auf mich traf.

Michael Buffer

Ich bleibe beim Sport. Hier traf ich auf den ehemaligen deutschen Tennisspieler und Olympiasieger Boris Becker, die sehr sympathische amerikanisch-tschechische ehemalige Tennisspielerin Martina Navratilova. Für American Airlines betreute ich außerdem den US-amerikanischen Profigolfer der PGA TOUR und der Champions Tour „Boom Boom Freddy“ Fred Couples, der mir als sehr arrogant in Erinnerung blieb. Er war mir überhaupt nur bekannt, da mein damaliger Mann ausgiebig Golf im Fernsehen verfolgte und der Name oft fiel. Ebenfalls begegnete ich der sehr hübschen ehemaligen argentinischen Tennisspielerin Gabriele Sabatini. Mein Zwillingsbruder verehrte „Sabi“ als junger Mann. Ganz besonders ins Herz schloss ich den eher unbekannten Sportler Winthrop Graham. Der ehemalige jamaikanische Leichtathlet gewann zwei olympische Silbermedaillen im 400 m Hürdenlauf. Er flog damals auch öfter mit American Airlines. Beim ersten Wiedersehen vor der Lounge kam er freudestrahlend auf mich zu und rief „Andrea, so good to see you“ . In meinem Kopf ratterte es, wer er gleich wieder war, so viele Menschen und Namen sah ich täglich. Der Name des jungen Mannes prägte sich aber dann leicht ein, denn er war ein ganz liebreizender Mensch, der mir bei einem späteren Besuch in Frankfurt einen lila farbenen Mizuno Trainingsanzug mitbrachte, den ich lange in meinem Kleiderschrank aufhob. Überhaupt kann ich mich von so manchem Geschenk eines Passagiers bis heute nicht trennen.

Sehr oft betreute ich auch den ehemaligen Leichtathleten Michael Johnson. Ein imposanter Mann mit vier Olympiasiegen und acht Weltmeistertiteln über die Strecken 200 Meter und 400 Meter. Auch er war ein sehr angenehmer und ruhiger First Class Gast. Deshalb war es mir unangenehm ihn bei einem Wiedersehen um ein Autogramm für den Sohn einer Kollegin zu bitten. Er gab es mir aber bereitwillig. Als ich die gekritzelte Unterschrift der Mitarbeiterin gab, sagte sie, die Unterschrift sähe aber nicht nach „Jordan“ aus. Sie hatte Michael Johnson mit dem Basketballspieler Michael Jordan verwechselt, den traf ich allerdings nicht. So viel dazu ….

Michael Johnson

Mit großem Respekt begleitete ich den deutschen Politiker Hans-Dietrich Genscher, sowie Lech Walesa, den polnischen Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsident. Sein Kampf gegen den Kommunismus machte ihn weltbekannt. Die US-Senatorin von Texas 1993 – 2013 Kay Bailey Hutchison nahm sich die Zeit mir ein paar Zeilen nach ihrer Rückkehr in die USA zu senden. Über Danksagungen von Passagieren habe ich mich immer besonders gefreut und habe einen großen Stapel bis heute in meinem Sekretär im Wohnzimmer.

Bevor ich zu meinen beiden Highlights komme, zuvor ein weiteres unvergessliches Erlebnis. Meine Aufgabe war es, den Sultan Bruneis, Herrn Hassanal Bolkiah samt Gefolge aus dem, der American Airlines Lounge mit einer Brücke verbundenen gegenüberliegenden Hotel Sheraton, in Empfang zu nehmen. Insgesamt waren 18 Familienmitglieder und Kindermädchen je nach Stellung in First, Business und Economy Class verteilt. Der Sultan fragte unmittelbar nachdem ich mich vorstellte nach einem männlichen Kollegen, gab aber tatsächlich „klein bei“, als ich ihm höflich aber bestimmt sagte, entweder er nimmt mit mir vorlieb oder aber niemanden. Wie eine Entenfamilie liefen wir über die Brücke; der Sultan neben mir, dahinter die Prinzen, Ehefrauen mit Kindern und das Schlusslicht bildeten die Nannies aus Sri Lanka. Ich erinnere mich gut an die Blicke seiner Söhne hinter mir; die Situation war ihnen sichtlich fremd. Ich platzierte die Großfamilie in der Lounge und begann mit Hilfe des Sultans den Check-in aller 18 Personen. Es wurde zur echten Herausforderung als ich merkte, dass ein Flugschein fehlte, denn die vollständigen Namen ähnelten sich doch sehr und waren ähnlich lang wie der des Oberhauptes selbst: Kebawah Duli Yang Maha Mulia Paduka Seri Baginda Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu’izzaddin Waddaulah Ibni Almarhum Sultan Omar Ali Saifuddien Sa’adul Khairi Waddien. Auch drängte die Zeit, denn die Familie musste rechtzeitig am Flugsteig sein, denn wir hatten ja ein vorgegebenes Zeitfenster (Slot) für den Abflug. Am Ende wussten wir wessen Ticket fehlte. Es war schnell neu ausgestellt und der Sultan zahlte über 8.000 DM in bar. Auch darüber war ich beeindruckt, ist es aber eigentlich kein Wunder bei einem Vermögen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Ein aufregender Vormittag mit dem Ergebnis die Familie danach erneut betreuen zu dürfen.

Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee Brunei

Jetzt aber zu meinen beiden beliebtesten Herren aus der sagenhaften Zeit bei American Airlines. Ich beginne mit dem überschwänglichen Schauspieler Burton Leon Milo „Burt“ Reynolds, dem Bandit aus „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Für mich damals mit Ende 20 ein „echter Celebrity“. Ich durfte ihn auf der Straße im Ankunftsbereich Terminal 1 in Empfang nehmen; aber bitte so unauffällig wie möglich, auf gar keinen Fall war ein großes Schild mit seinem Namen erwünscht. Die einzige Information die ich hatte war, dass er in einem schwarzen Mercedes mit Stuttgarter Kennzeichen ankommen wird. Ich bin kurzsichtig. Das erschwerte die richtige Limousine ausfindig zu machen. Und wie gebe ich mich zu erkennen in meinem Kostümchen auf der Straße? Ich war sehr aufgeregt. Das durfte nicht schief gehen. Endlich sah ich den Wagen anrollen und winkte vorsichtig. Ein charmanter breit grinsender Burt Reynolds stieg aus, kam auf mich zu, drückte sich an mich und gab mir einen fetten Kuss auf die Wange. Das Eis war gebrochen und plaudernd erledigte ich alle Formularitäten und brachte ihn sicher auf seinen Platz im Flugzeug. Er nannte mich „Sweetheart“. Das süße Herz hatte er!

Burt Reynolds

Meine Nummer 1: Götz George ! Vor mehr als 5 Jahren leider verstorben. Ich habe ihn als Mann voller Güte mit strahlend blauen Augen kennen gelernt und mein einziges Autogramm ist von ihm. Als ich ihn von einem ankommenden Flug abholte, ihn in die Lounge begleitete und später zum Flugsteig, staunte ich permanent über die leuchtenden Augen, die angenehme Stimme mit der er fortwährend erzählte, die herzliche Art und vieles mehr. Immer wieder betonte er, wie dankbar er sei, dass ich ihn lotse. Ein so großartiger Schauspieler. Ich erinnere mich gut, als die Jungs in der Oberstufe einen Parka (tatsächlich war es eine M-65-Feldjacke der US-Streitkräfte) ähnlich dem, welchen er als „Schimanski“ im Tatort, trugen. Der Mann, den ich vor mir sah hatte nichts mit dem andauernd „Scheiße“ sagenden „Ruhrpott-Rambo“ aus Duisburg zu tun. Noch beeindruckender als in seinen unzähligen verschiedenen Film- und Theaterrollen, wirkte er als bescheidener Fluggast auf mich.

Götz George

In den 15 Jahren gab es so viele Begegnungen; aus Kollegen und Kolleginnen wurden Freunde. Ein Vielflieger von damals ist bis heute einer der von mir meist geschätzten wertvollsten Menschen. Mein Freund Frank, den ich nie missen möchte.

Natürlich gab es auch Tage an denen ich nicht mit Souveränität glänzte. Eine peinliche Anekdote gebe ich noch zum Besten. Die größten Shareholder von American Airlines waren zu Gast. Es wurde entschieden sie mit den Batterie betriebenen Autos an den Flugsteig zu bringen. Den Wagen vor mir fuhr die Admirals Club Managerin, neben ihr die Stationsleiterin mit einigen Gästen. Ich folgte mit den restlichen Aktionären an Bord im zweiten Wagen. Die erste Sicherheitsglastür galt es zu passieren. Erst wenn unsere Flughafenausweise kontrolliert waren, öffnete sich die zweiteilige Glastür zur Durchfahrt. Dummerweise ging ich davon aus, dass die Kontrolleure doch wissen müssen, dass ich zu dem Gespann dazu gehöre und werden mich ebenso passieren lassen. Leider nein, die Türen schlossen sich, es war für mich zu spät zu bremsen und ich rammte mein Wägelchen gegen die Absperrung. Meine Passagiere lachten zum Glück, das Sicherheitsglas hielt dem „Rumms“ stand. Nie vergessen werde ich aber die ruckartigen Umdrehungen meiner beider Vorgesetzten und ihr tötenden Blicke. Dennoch … Danke für eine wundervolle lehrreiche Zeit American Airlines!

American Airlines

Abschließend eine letzte flüchtige Begegnung. 2013 besuchte ich den Sportpresseball in der Alten Oper in Frankfurt. Mein Foto am Anfang des Beitrags stammt von diesem Abend. Auf einem der langen Gänge, in dem Moment ganz leer, traf ich auf den ehemaligen deutschen Fußballspieler, -trainer und -funktionär Franz Beckenbauer. Wir beide waren auf der Suche nach den Toiletten und beschließen sie gemeinsam zu suchen. Natürlich trennten unsere Wege sich dann. Tatsächlich verließen wir aber gleichzeitig die Alte Oper in der Nacht und Herr Beckenbauer lächelte mir noch einmal zu.

Ich bin ein Teil aller Menschen denen ich je begegnet bin.

Alfred Tennyson

Franz Beckenbauer

Der fast vergessene Name

Wie fange ich an? Noch kenne ich auch gar nicht meine Intention, warum ich diesen Text schreibe. Aus Anklage? Nein, das ist nicht der Grund. Eher um mit meiner Einzeldarstellung die Debatte, die der Mordfall einer jungen Frau auf ihrem Nachhausesweg in Großbritannien und in vielen anderen Teilen der Welt ausgelöst hat zu unterstreichen. Der Fall, der leider kein Einzelfall ist, zog so viel Aufmerksamkeit auf sich, vor allem wegen der Reaktion einzelner Männer und Behörden. Es geht nicht um die Frage, warum eine Frau im Dunkeln noch so spät unterwegs ist oder sich in einsamen Gegenden aufhält. Es steht auch nicht zur Diskussion was sie getragen hat. Nicht Frauen müssen ihr Verhalten ändern, sondern Männer! Laut einer von der britischen Vertretung von UN Woman veröffentlichen Studie haben 97 Prozent aller Frauen zwischen 18 und 24 Jahren schon sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum erfahren. Dass dieses Problem nicht allein ein britisches, sondern ein weltweites ist, sollte klar sein. Es gibt kein Land, in dem es keine patriarchale Gewalt gibt. Es gibt Empfehlungen, wie man sich als Frau verhalten soll, wenn es mulmig wird; z.B. eine aufrechte Haltung einnehmen, mitten auf dem Bürgersteig gehen, nicht an der Häuserwand entlang schleichen, nicht stimmlich einknicken und den Mut haben wirklich sehr laut um Hilfe zu schreien. Dennoch kann dies in einer Gesellschaft, in der alle Menschen sich gleich wohl fühlen sollten, wenn sie draußen sind, keine Lösung sein. Als meine Tochter zum Studium nach Berlin zog, hatte ich anfangs Angst, wenn sie nachts alleine in ihre WG zurückkehrt. Mittlerweile denke ich persönlich, dass es in einer Großstadt fast sicherer ist, als auf dem Dorf, da dort auch nachts noch viel mehr Bewegung ist. Und es gibt Städte, in denen U-Bahn Stationen um Mitternacht belebter sind als um 11 Uhr morgens, so ging es mir zumindest in Madrid, als ich alleine die Stadt erkundete und mich auch nachts nicht unsicher fühlte. Eine gute Initiative ist das deutschlandweite Heimwegtelefon. Das Heimwegtelefon ist ein Service bei dem man nachts anrufen kann, wenn man sich auf dem Nachhauseweg unsicher fühlt. Am Telefon wird man von einem* einer Ehrenamtlichen bis nach Hause begleitet. Erreichbar Sonntag bis Donnerstag von 18 bis 00 Uhr und Freitag bis Samstag von 18 bis 03 Uhr unter 030 12074182.

Warum kam das Thema bei mir plötzlich auf? In der Regel habe ich keine Angst. Immer war ich auch alleine tief im Wald unterwegs, ob mit dem Fahrrad oder regelmäßig zum Joggen. Zwar ist meistens mein Hund dabei, aber mit 22 kg kann der nicht viel ausrichten, sollte ich in eine brenzliche Lage kommen. Gestern aber hatte ich eine so seltsame und ungewöhnliche Begegnung im Wald, die mir Angst machte und ich eine Weile überlegen musste, warum ich so getriggert wurde, denn die Situation war nicht beängstigend, sondern einfach nur völlig fremd. In New York hätte ich mich vielleicht nicht so sehr gewundert, aber im beschaulichen Seligenstadt schon. Nach der Begegnung mit der auffälligen Person musste ich googeln, was dahinter steckt und bekomme jetzt eventuell Werbung diesbezüglich, was mich jedoch in keinster Weise betrifft. Da ich kurzsichtig bin, konnte ich anfangs nur erkennen, dass die Person von großer Statur ist und sich anders bewegt. Ich dachte an einen älteren Herrn, der eventuell mit Gewichten an den Handgelenken läuft, so wie ich das tue. Er schien fast ein wenig Roboter gleich. Da ich weiß, dass meine Hündin oft ängstlich reagiert, wenn jemand sehr groß ist und dazu dunkle Kleidung trägt, nahm ich sie näher zu mir. Je näher mir die Person auf dem Waldweg kam, desto befremdlicher wurde das Erscheinungsbild. Erst in unmittelbarer Nähe konnte ich mir ein genaues Bild machen, auch wenn ich mich scheute, die Person genau zu betrachten. Ich weiß nicht ob ich nur erstaunt schaute oder verängstigt, jedenfalls grüßte ich mit einem freundlichen „Hallo“ und bekam im Gegenzug ein kurzes Winken mit dem Vorderhuf zurück. Ja, mit einem der beiden Hufe, denn die Person war, zwar aufrecht gehend, als Pferd unterwegs! Der komplette Körper, auch Kopf und Gesicht, waren in einem schwarzen Ganzkörper Latexanzug. Auf dem Kopf trug der Mann eine lange helle Mähne, in gleicher Farbe war der Schweif hinten. Er atmete schwer. Auch Gurte und Karabiner trug er mit sich. Meine Hündin reagierte seltsamerweise gar nicht, obwohl sie mich regelmäßig anbellte, wenn ich im Faschingskostüm die Treppe herunter kam. Ich war jedenfalls total perplex und überfordert mit der Begegnung. Ich las nach, dass sich dieser Fetisch „Pony Play“ nennt und die Fans die Charaktereigenschaften des dargestellten Tieres übernehmen. Gut, wäre dies geklärt, an dieser Stelle. Trotz allem beschäftigte mich die Begegnung noch den ganzen Nachmittag und erst am Abend konnte ich mir erklären, warum diese Situation mich so nachdenklich machte.

Nach einer Begegnung mit einem maskierten Mann vor Jahren ist mir diese eine Angst geblieben. Sobald das Gesicht eines Menschen nicht zu erkennen ist, bin ich handlungsunfähig, versteinert. Und gestern wurde ich durch das harmlose Pferd im Wald daran erinnert. Und hier komme ich auf mein eigentliches Thema zurück. Aus gewaltsamen Begegnungen mit Männern bleibt eine Bandbreite von, milde ausgedrückt, unschönen Erinnerungen. Selbst wenn eine Frau körperlich relativ unverletzt bleibt, bleibt die seelische Grausamkeit ein Thema und verheilt nie vollständig. Ich möchte dies hier nicht vertiefen, aber unsere Gesellschaft sollte alles dafür tun, dass Frauen und Kinder sicherer vor Gewalt geschützt sind.

Der fast vergessene Name

Was erfolgreich Jahre schien verdrängt,

sich plötzlich schonungslos mit Gewalt aufzwängt.

Stück für Stück kommt die Erinnerung,

nackt und hilflos ohne Linderung.

Angstvolle Minuten, Stunden kehren zurück,

kaum zu ertragen dieses Unglück.

Verletzlich wie ein angeschossenes Reh,

bist du am Boden; alles tut dir weh.

Im Dunklen völlig orientierungslos,

allein gelassen, zerbrechlich und hilflos

kannst du dich kaum bewegen,

frierend auf feuchtem Laub vom Regen.

Fängst langsam an dich zu besinnen,

krampfhaft versuchend dem gerade Erlebten zu entrinnen,

Schmerzen, Gefühle schnell vergessen,

aufs pure Überleben versessen.

Dem Verbrechen keinen Namen geben,

denn ein Name bedeutet Leben.

Doch als letztes tief vergrabenes Detail,

kommt leider auch der Name wieder vorbei.

Kleine Fluchten

Komm, gönnen wir uns kleine Fluchten,

suchen uns die schönsten Buchten,

einfach ungezügelt durchbrennen,

dem Glück entgegen rennen.

Egal, geschützt unter mächtigen Palmen,

oder einsam auf friedlichen Almen.

Der Seele den Frieden geben,

das Leben endlich erleben.

Zu den weit entfernten Fidschi-Inseln,

wo Süßwasserfische um uns tingeln,

uns mit ihrer farbenfrohen Vielfalt zeigen,

die Welt ist ein großer bunter Reigen.

Zu den mächtigen Wasserfällen von Iguazú,

pack‘ den Koffer, es fehlst nur du!

Es gibt so vieles für uns zu entdecken,

lass uns Geist und Seele erwecken.

„Kleine Fluchten“ schrieb ich im Dezember 2013. Ich selbst finde, dass ich viel aussagekräftigere Gedichte verfasst habe, diese Zeilen sind einfach nur irgendwie nett, dieses jedoch habe ich mal bei einem Wettbewerb eingereicht und es wurde tatsächlich veröffentlicht und in einem Gedichtband abgedruckt.

Ich liebe das Reisen und so sehr vermisse ich es im Moment. Seit Jahren hatte ich immer mindestens zwei Ziele schon festgelegt und hangelte mich so durch das Jahr. Fahre in die Welt hinaus; sie ist fantastischer als jeder Traum!

Nach dem Abitur lehnte es mein Vater ab mich finanziell zu unterstützen, sollte ich studieren wollen. Jahrelang habe ich darunter gelitten, dass mir das Studium nicht ermöglicht wurde, ich traute mich aber auch nicht, mich dagegen aufzulehnen. Ich hatte überhaupt keinen Plan was ich stattdessen machen sollte, alle meine Freunde studierten. Da ich Jura studieren wollte bestand mein Vater auf eine Lehre als Anwaltsgehilfin. Für mich hatte damals das eine nichts mit dem anderen zu tun, dennoch stellte ich mich in einer Anwaltskanzlei vor und beschloss aber schnell diesen Weg nicht zu gehen. Mein Geschenk nach dem Abitur und zum 18. Geburtstag im Mai 1984 war damals, ab jetzt gibt es kein Taschengeld mehr. Es waren sowieso nur 10 DM/Woche, die jeden Freitag abend mit dem Eintritt ins „Funkadelic“ in Frankfurt am Main schon futsch waren.

Ich jobbte dann 3x in der Woche in einer Kneipe und entschloss mich zu einer IHK geprüften Sprachausbildung in Frankfurt. Mein Ziel war nur Flughafen….und weg! Es war ein privates Institut für Industrie und Wirtschaft mit einer monatlichen Gebühr von 410 DM. Dieses musste ich komplett alleine finanzieren; auch da wollte mich mein Vater nicht unterstützen, also konnte ich nicht sofort starten. Die Zugfahrt mit 100 DM im Monat kam auch noch hinzu. Fast ein Jahr arbeitete ich ungelernt Vollzeit in einer Jeansboutique auf der Frankfurter Zeil, um mir die anfallenden Ausbildungsgebühren anzusparen. Es waren lange Tage im Einzelhandel und vorbei war erst einmal die unbeschwerte Zeit. Auf meine Freunde im Studium war ich neidisch.

Irgendwann war es soweit, ich hatte genug Geld zusammen, um das Fremdspracheninstitut in Frankfurt zu besuchen und zwei Jahre später als 3-sprachige Wirtschaftskorrespondentin erfolgreich zu verlassen. Sofort bewarb ich mich bei der FAG, heute Fraport und konnte erste Reisen antreten. Die Stadt London machte den Anfang und ich liebe diese lebendige und multikulturelle Stadt noch heute! Was für ein Potpourri an verschiedenen Menschen! Wie aufregend und spannend für eine junge Frau von 22 Jahren. Es war damals so einfach. Philippine Airlines flog über London Gatwick nach Manila und ich konnte einfach bei der Zwischenlandung aussteigen. Ein Zimmer hatte ich im Stadtteil Bayswater bei einer Familie aus Pakistan. Ein paar Jahre später nahm ich mal meinen damaligen Mann mit. Es war für ihn unvorstellbar wie ich dort wohnen konnte. Das Frühstück wurde in diesem typischen Londoner Haus im Keller eingenommen. Er ekelte sich damals so sehr vor dem dicken Teppich im dunklen Keller, dass er keinen Bissen runter bekam. Ich konnte es gar nicht nachvollziehen. Der Ort war für mich perfekt 🙂

Sobald eine Kollegin und ich alt genug waren, um ein Auto anzumieten, flogen wir standby nach San Fancisco. Wir müssen ca. 25 Jahre alt gewesen sein. Unwissend dachten wir damals ein Zimmer für die erste Nacht downtown ist sicher. Die Gegend war übel. Nachts schreckten wir aus dem Schlaf hoch, da vermummte Männer Autoscheiben mit Baseball Schlägern einschlugen. Das kannte ich nur aus der Serie „Straßen von San Francisco“. Tagsüber empfand ich die ersten Straßen aus dem Block als ein Spießrutenlauf inzwischen gefährlicher Menschen. Aber es ging immer alles gut. Ich erinnere mich nur, dass wir gegen den ekligen Geruch des Mietwagens versuchten anzukämpfen, jedoch erfolglos. In nur 10 Tagen fuhren wir den Pacific Highway von San Francisco nach San Diego mit natürlich einigen Zwischenstopps und waren begeistert. Kalifornien ist noch immer mein begehrtes Reiseziel. Später, als ich für American Airlines tätig war, reiste ich sehr häufig dorthin. Durch meine Stippvisite als Assistant Manager bei Singapore Airlines, lernte ich Singapore und Bali kennen. Das war 1992. Als Angestellte konnte ich nicht nur günstig fliegen, sondern auch übernachten und Autos anmieten. Das war natürlich großartig. In Singapore ließ mich der Hotelmanager eines 5-Sterne Hotels 3 Tage umsonst wohnen, sogar. Das waren noch Zeiten (seufz). Von da ging es ins paradiesische Bali. Zu Bali fällt mir eine lustige Blamage in einer Diskothek ein. Schon am Eingang bekam man eine Nummer für ein späteres Spiel. Als die Nummern irgendwann in der Nacht aufgerufen wurden, hatte die gezogene Nummer eigentlich mein damaliger Mann, der weigerte sich jedoch, also stellte ich mich der Herausforderung. Es ging darum einen Ballon auf zu blasen und dann auf den Knien durch einen Parcours zu manövrieren. Aufgeregt und erleichtert, dass ich überhaupt geschafft hatte ihn aufzublasen und zu verknoten, legte ich los und vergaß die Welt, bzw. das Publikum um mich. Irgendwann klopfte jemand auf meine Schulter und sagte: „Sweetheart, game over.“ während ich noch eifrig unterwegs war. Jeder, wirklich jeder andere war schlauer als ich und blies den Ballon nur wenig auf, was es natürlich viel viel leichter machte. Meiner flog ja richtig ! 🙂

Als ich zu Continental Airlines wechselte, war ich zu Schulungszwecken wieder häufig in London und flog in 1 1/2 Jahren 6x nach New York. Das war 1993. Ich kaufte dort echte Roller Blades und fand mich natürlich extrem cool damit im Central Park unterwegs zu sein. Heute fährt mit diesen Retro-Rollschuhen meine Tochter am Tempelhofer Feld ihre Bahnen und meine Sorge ist es, dass es irgendwann einfach zu einem Materialbruch kommt und sie stürzen könnte. Über Newark New Jersey konnten wir mit ganz kleinen Propeller Flugzeugen damals an die Golfküste Floridas nach Sarasota, Tampa, Naples oder Fort Myers fliegen. Die Strände sind mit karibischen Stränden zu vergleichen und ich liebe die vielen Brücken dort. Pfaue schlendern durch die Straßen, Manatees sind dort zuhause und Pelikane natürlich. „Anna Maria Island“ mag ich am liebsten. In Miami fing damals der Schönheits-OP-Boom an, was sehr befremdlich für mich war und auch heute noch ist.

Als ich letzlich bei American Airlines reisen durfte, zog es mich immer wieder nach Kalifornien, mit Abstechern nach Nevada. Mein Traumwohnort bleibt der nicht bezahlbare Ort Agoura Hills. Über die Santa Monica Mountains ist man schnell am Pazifik. Arizona fand ich spannend; als ich aber aus dem Flugzeug das karge Land mit den hohen Kakteen sah, wusste ich, es wird nicht so spannend wie in meiner Vorstellung, nur viel zu heiß. Da ich immer mehr Tickets als wirklich Urlaub hatte, flog ich manchmal kurzfristig in freien Tagen einfach mal z.B. nach San Antonio Texas. Ich genoss dieses Leben und die Reisemöglichkeit sehr.

Auch später behielt ich es immer bei. Die weiteste Reise ging an die North Shore Oahu Hawaii, die aufregendste war eine Tour zu Pferd durch die Wildnis Kanadas. Besonders war auch Marrakesh und auch die Wüstenaufenthalte in den arabischen Emiraten habe ich genossen.

Meine Tochter war standby vom Babyalter an schon auf vielen Reisen nach Kalifornien dabei und natürlich bei allen Familienreisen in ferne Länder. Auch sie zieht es in die Ferne und so traurig es mitunter war, sie lange zu vermissen, bin ich doch froh, dass sie an der Welt so interessiert ist. „Viel wandern macht bewandert.“ – Peter Sirius. Ein Jahr besuchte sie eine Highschool in Napa Valley, nach dem Abitur reiste sie mit einem umgebauten Auto mehrere Monate durch Neuseeland. Gemeinsam machten wir mehrere Mutter – Tochter Kurztripps in den letzten Jahren. Wir hatten tolle Aufenthalte in London, Barcelona, Mailand, Amsterdam und Edinburgh und es sollen noch viele dazu kommen!

Jetzt habe ich mich völlig verloren und könnte noch etliche Reisen aufzählen. In den Jahren als ich sehr an Depression litt, half das Reisen mir enorm. Es war immer eine Flucht. Manche Jahre war ich zwei mal in USA und zweimal in den arabischen Emiraten, dazu noch im Skiurlaub und mehrere Kurztrips waren auch noch auf dem Programm. Es fehlt mir. Es gibt noch so viel zu entdecken. Andere Länder, unterschiedliche Kulturen sind eine Bereicherung und ich kann es kaum erwarten wieder in ein Flugzeug zu steigen. Irgendwann hatte ich mal geschaut, was der weit entfernteste Punkt von meinem Wohnort ist und landete bei den Fiji Inseln. Von den Wasserfällen von Iguazú erreichte mich einmal der begeisterte Anruf eines meiner liebsten Freunde. Und es gibt noch so viel mehr auf meiner bucket list.

“Wenn dich einmal das Reisefieber packt, gibt es kein bekanntes Heilmittel, und ich bin gerne bis zum Ende meines Lebens daran erkrankt.” – Michael Palin

Vertauschte Mäntel, verpatztes Jobinterview

Heute erzähle ich einfach eine Geschichte….

2014 beendete ich nach mehr als zwei Jahren eine tiefenpsychologische Therapie und im Anschluß eine Psychoanalayse. Als ich damals meiner Therapeutin zugewiesen wurde fragte ich sie zu Beginn wann denn der Zeitpunkt sei, dass wir uns wieder trennen werden. Sie antwortete, dass ich es merken werde, wenn es soweit ist. Nun irgendwann war für mich der Zeitpunkt gekommen mich von ihr zu verabschieden. Sie war damit gar nicht einverstanden, dass ich „mein Nest“ bei ihr verlasse; ich im Gegenteil fand es nötig doch mit dem Erlernten ins Leben zu gehen und zu üben. Ich warf von jetzt auf gleich alles über den Haufen. Wer meint das geht nicht, irrt. Ich trennte mich von allem: meinem Mann, meinem Haus, meinem Job, meinem Pferd. Von meiner geliebten Tochter natürlich nicht, aber da sie für ein Jahr eine Highschool in Kalifornien besuchte, waren wir mehrere tausend Kilometer entfernt.

Jetzt ging ich erst einmal auf Jobsuche. 1 1/2 Stunden Telefoninterview und später 4 stündiges Assessment Center bei einem weltweiten Anbieter von Finanzdienstleistungen lernte ich z.B. kennen, kurz machte ich die Erfahrung in einem 5 Sterne Hotel zu arbeiten. Das war immer ein Wunsch, ich stellte es mir spannend vor und wollte es von meiner bucket list streichen. Die Arbeit fiel mir auch sehr leicht. Für mich machte es kaum einen Unterschied; früher buchte ich Passagiere auf Boeing 747, jetzt Hotelgäste in Zimmer und an Tische im Restaurant. Aber letztendlich unterschieden sich Vorstellung und Realität und ich beendete das Hotelleben.

Flughafen Frankfurt, FAG, heute Fraport 1989

Da ich 15 Jahre am Flughafen Frankfurt für große internationale Fluggesellschaften tätig war, lebe ich Dienstleistung. Ich liebe Menschen und fühle mich ausgesprochen wohl unter ihnen. Zufällig entdeckte ich eine Stellenausschreibung und bewarb mich in einem der bedeutendsten Businessclubs in Europa mit dem Ziel Mitgliedern das Leben auf angenehmste Weise leichter machen können, denn darin war ich gut. Ich hatte viel Erfahrung in früherer Tätigkeit als Premium Services Agent bei einer großen amerikanischen Airline machen dürfen. Täglich betreute ich First- und Business Class Kunden in der Lounge und am Gate. Dies war sicher der Grund, dass ich zum Interview eingeladen wurde. Noch heute ist mir dieses Vorstellungsgespräch in bester Erinnerung. Die Einladung war früh morgens an einem Aschermittwoch. Jetzt feiere ich sehr sehr gerne Fasching wie wir in Hessen sagen und zog von mittags um 14 Uhr bis Mitternacht durch Straßen und Kneipen. Vorbereitet hatte ich mich überhaupt nicht. Ich zog mein schickes Boss Kostüm an und meinen schwarzen Boss Blazermantel, den ich so liebte. Am Empfang des potentiellen neuen Arbeitgebers gab ich den Mantel ab und wurde in einen der Konferenzräume geleitet. Ich erinnere mich als sei es gestern gewesen, wie mir der Geschäftsführer und die Personalleiterin gegenüber saßen. Sie hatten ein Konzept für ihr Interview, welches sie aber nicht verfolgen konnten. Ich plapperte ohne Punkt und Komma, erzählte zig Anekdoten aus meiner aufregenden Zeit mit Celebrities aus aller Welt am Flughafen. Sie fanden mich extrem unterhaltsam und hingen an meinen Lippen. Es war ein sehr angenehmes Gespräch, aber irgendwie auch seltsam, denn sie verloren mehr und mehr den Faden. Vielleicht fanden sie aber auch nur meine Geschichten sehr interessant und hörten gerne zu. Mein Mund war vom vielen Reden trocken, ich verabschiedete mich höflich, nahm am Empfang meinen Mantel entgegen und fuhr nach Hause. Zuhause angekommen zog ich mich um, den Mantel hängte ich in den Garderobenschrank. Ich muss, glaube ich , nicht erwähnen, dass ich eine Absage bekam. Das Frühjahr kam, der Mantel hing vergessen im Schrank. Der Sommer verging, es wurde Herbst und ich freute mich auf den schicken Mantel eines Abends. Ich griff in den Schrank und zog mir mein Boss Prachtstück in Gr. 34 über. Was war das? Wieso ist da ein Gürtel? Wieso versinke ich in dem Mantel ? Es war ein Boss Mantel, ja! Aber ein völlig anderes Modell und auch in einer anderen Größe. Ich war totunglücklich und zweifelte an mir, dass ich meinen eigenen Mantel nicht mehr erkannte. Irgendwann fiel mir ein, dass ich nach dem Vorstellungsgespräch im Frühjahr den Mantel nur über meinen Arm legte und gar nicht betrachtete. Das Interview war ein halbes Jahr her. Ich konnte jetzt schlecht nach meinem Mantel fragen. Und überhaupt; vielleicht haben sie mich nicht eingestellt, weil sie dachten ich hätte den Mantel geklaut. Solche Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich habe mich damals schon nicht brilliert, jetzt schämte ich mich noch dazu. Komisch aber auch, er muss ja der anderen Person zu klein gewesen sein. Warum hat mich niemand kontaktiert? Dennoch entschied ich den Mantel zu behalten, er wanderte allerdings in den Keller. Ich holte ihn jetzt nach 6 Jahren hervor und siehe da: In den letzten 6 Jahren hat sich mein Körper von einem krankhaft bedingten eckigen Gerippe zu einer normalen Figur entwickelt und der Mantel passt. Welche Geschichte der Mantel wohl hat? Meine dazu kennt ihr jetzt!

Eine Welt im Schwanken

Ich sehe sie deutlich vor mir, die Gefahr;

noch nie war sie so nah.

Völlig beherrscht von düsteren Gedanken,

gerät meine Welt heftig ins Schwanken.

Gewaltig nimmt es mich ein, das ungute Gefühl.

Mein Kopf ein einziges irres Gewühl.

Mein Körper ein ewiges Gezitter,

immer stärker werden die Gewitter.

Hab doch endlich Erbarmen

und fang mich auf mit schützenden Armen.

Laß mich meinen Frieden finden,

diese Hürde endlich überwinden.

Jetzt kommt das Jahresende.

Ich frag mich, bringt es die Wende?

Schon als Kind nur gehasst,

die aufgesetzten Gesichter haben mir noch nie gepasst.

Obwohl; darin war ich bis jetzt ganz gut,

es zweifelt niemand an meinem Mut.

Wer erkennt schon die Wahrheit,

niemand sieht mit solcher Klarheit.

Da ist ein Mensch hilflos und allein,

mag er nach außen auch noch so fröhlich sein….

In dieser eigenartigen Zeit habe ich meine Zeilen von Dezember 2011 gewählt. Ich bin voller Sorge und denke oft daran, wie es gerade diesen Herbst und Winter depressiven und einsamen Menschen geht. Wie lange noch siegt das Lächeln und bleibt der Mut? Voller Hoffnung gehen wir doch oft ins neue Jahr, gelingt uns dies auch dieses Jahr ? Mir geht es sehr gut und trotzdem liegt mit der Corona Pandemie, den Folgen und Maßnahmen eine Schwere auf mir. Ich bin sicher vielen von uns drückt es auf die Stimmung. Wir sind sehr viel alleine, sehen unsere Freunde nicht, eine vorweihnachtliche Ruhe und Sanftheit will nicht so richtig aufkommen. Gesellige Treffen in lockerer Atmosphäre fallen aus. Überall herrscht nur ein Thema vor. Mit Schrecken denke ich an einsame Menschen. Wir können verurteilen, wenn z.B. ein verzweifelter Mensch jeden Abend seine Kneipe aufsucht, um den Alltagssorgen zu entfliehen. Aber was macht derjenige jetzt? In der dunklen Zeit alleine zuhause sitzen. Ich denke dabei an meinen Vater, der, nachdem sich unsere Mutter das Leben nahm, sich immer mehr abschottete, immer einsamer wurde und den Trost im Alkohol suchte. Mein Bruder und ich konnten da nicht viel ausrichten, leider. Mit dem täglichen Weg in die Gaststätte blieb zumindest diese eine Routine und er hatte Gesellschaft und konnte sich ausstauschen. Und diese Routine ist so wichtig. Es hilft ungemein einen Rhythmus zu haben, sich anzuziehen und aus dem Haus zu gehen. Meine rüstige (Ex-) Schwiegermutter wohnt in einem Dorf im Odenwald und traf sich mit Freunden regelmäßig im Cafe in Erbach . Auch das fällt aus. Wie viele Menschen sitzen alleine zuhause ohne Ansprache. Wenn ich in sozialen Netzwerken von Bekannten lesen darf,“macht es euch am Kamin gemütlich, kocht euch etwas Gutes, usw.“, denke ich an all die Menschen , die eben nicht so gut situiert sind – und die sind weit in der Überzahl- und auf engstem Raum mit existentiellen Sorgen leben müssen. Unser Gesundheitssystem ist überlastet. Unsere Seelsorge ist es auch! Achten wir alle unsere Mitmenschen in dieser schwierigen Zeit. Nicht allein nur ältere und vorerkrankte Mitbürger brauchen jetzt unsere Aufmerksamkeit. Achten wir auch auf die vielen einsamen, psychisch kranken, in ihrer Exisenz bedrohten und verzweifelten Menschen, genauso auch auf unsere verängstigten Kinder, denn all diese Menschen werden gerade noch weiter an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt. In der Politik und in den Medien haben sie kein Sprachrohr, da fehlt es sehr an Mitgefühl. Arbeiten wir in dieser Hinsicht an einer besseren Zukunft für uns alle.

Black dog days

Das Versteck

Ach, wäre ich doch eine kleine Maus

oder besser noch eine Laus.

In jeden Winkel würde ich passen,

mich meiner Laune überlassen.

Würde es mir so richtig gemütlich machen,

mich einkuscheln in weiche Sachen.

Still abwarten bis der Nebel geht

und die Sonne wieder hoch am Himmel steht.

Aber dies ist nur ein Traum,

ich stelle mich und verlasse den Raum.

Versuche das Beste daraus zu machen;

ich werde warten auf mein Lachen!

Meistens habe ich sehr ernst und düster über meinen erbärmlichen Zustand geschrieben, manchmal aber auch etwas versöhnlicher und nicht ganz so ernst nehmend, wie in „Das Versteck“. Diese Zeilen sind jetzt neun Jahre her und doch treffen sie auch heute noch zu. Die Zeit in der ich monatelang litt ist glücklicherweise lange vorbei und doch schleichen sich immer mal wieder einzelne Tage ein, an denen ich mich verstecken möchte und einfach abwarten möchte, bis „es“ vorbei ist. Dann wache ich auf, fühle mich kaum in der Lage aufzustehen, immer den Tränen nahe und als ob ein Elefant auf meinem Brustkorb sitzt. Mein Partner ruft im Haus hoch, dass ich doch aufstehen soll. Früher wäre ich einfach liegen geblieben, heute rappele ich mich auf. Es ist nicht, dass, ich über das depressive Gefühl hinweg gehe; im Gegenteil, ich mache es mir sehr bewusst. In meinem Kopf werden mal wieder falsche Signale gesendet; Botenstoffe übermitteln falsche Nachrichten an Nervenzellen! Ich wache einfach damit auf, es gibt keinen Auslöser. Meinem Partner beschreibe ich den Zustand, als wäre dick Stretchfolie um mich gewickelt, so dass ich bewegungsunfähig bin und das Atmen mir schwer fällt. Zudem bin ich sehr ruhig in diesen Stunden. Vielleicht genießt er es in diesen Augenblicken sogar, denn sonst kann ich auch gut ein Plappermaul sein ;). Ich gehe zur Arbeit und gegen Mittag ist die dunkle Wolke um mich verschwunden. Einfach so, Glück gehabt heute! Heute kann ich es als so einfach schildern; das war es natürlich nicht und ist es bis heute nicht. Nicht umsonst war ich lange in Therapie, werde bis heute medizinisch begleitet und trainiere den Umgang mit meinem Anhängsel. Aber ich habe gelernt die Krankheit Depression zu akzeptieren. Sie wird immer mein Begleiter sein. Plump gesagt, wir haben Freundschaft geschlossen. Na ja, nicht ganz, eher, ich akzeptiere und respektiere meine Begleitung. Mal ist sie dominanter, mal weniger herrschend. Es ist und bleibt ein Balanceakt. Jeden Tag.

Dies ist die ausdrucksvollste und stimmigste Animation die Krankheit Depression zu erklären

Verlust

„Keine Weisheit, die auf Erden gelehrt werden kann, kann uns das geben, was uns ein Wort und ein Blick der Mutter gibt“ – Wilhelm Raabe.

Es gibt so viele Gründe warum ein Mensch an Depression erkranken kann. Erst durch eine intensive Therapie viele Jahre später konnte ich verstehen warum es mir passierte. Davon werde ich erzählen. Besonders auch mit dem Hintergrund zu zeigen, dass wir Menschen viel stärker sind, als wir denken. Auch wenn ich den Mut verlor, blieb trotzdem die Sehnsucht und das Wissen, dass ich irgendwann zu dem fröhlichen Menschen zurück kehren werde der ich war und bin. Meine Mutter in so jungen Jahren zu verlieren, ist die tiefe Narbe meiner Seele. Aber ich habe das Gefühl, dass ich dadurch letztendlich zu der Person geworden bin, die ich heute bin. Ich verstehe den Weg des Lebens; um heute hier zu sein, musste ich durchmachen, was ich erlebt habe.

Meine Mutter mit 40 Jahren kurz vor ihrem Tod 1980. Ich, ihre Tochter heute!

Mit Ende 30 erkrankte meine Mutter, mein Zwillingsbruder und ich waren 12 Jahre alt. Da ich Jahre später ihre Aufzeichnungen gelesen habe, weiß ich heute wie hilflos sie und damals auch mein Vater, ihre Eltern, Freunde und Ärzte und besonders natürlich wir Kinder waren. Wir konnten gar nicht begreifen was mit unserer Mutter geschehen war. Nachts konnte sie vor Herzrasen nicht schlafen, tagsüber liefen die Tränen. Meine Eltern hatten einen sehr großen Freundeskreis, sehr oft trafen sie sich mit Freunden und feierten. Meine Mutter liebte Gesellschaft, morgens betrachteten mein Bruder und ich oft neugierig die Überbleibsel nach Partynächten zuhause, wie z.B. bunte Blechdosen für Zigarillos. Sie waren stark eingebunden erst in einen Reitverein, später war es Tennis. Meine Mutter wickelte mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Lächeln jeden um den Finger. Ganz große Hilfsbereitschaft zeichnete sie aus, für uns Kinder war sie immer da. Das änderte sich plötzlich und niemand begriff damals was geschehen war. Ca. 2 Jahre kämpfte sie mit der Hilfe von Ärzten, verschiedenen Medikamenten, Akupunktur, Hypnose und Klinikaufenthalten. Nichts half. Wir erlebten sie zuhause weinend im Bett. Sie stand nicht auf, nach der Schule hofften wir vergeblich auf ein Mittagessen. Oft waren Freunde bei uns zuhause, die ihr gut zuredeten. Ich erinnere mich gut, dass meine Mutter immer sagte: „Ich will nicht verrückt werden, ich will nicht sterben“. Und ich als Kind immer nur antworten konnte: „Mami, du bist nicht verrückt und du musst nicht sterben.“ Nachdem sie einmal bereits versuchte sich das Leben zu nehmen, verschloss mein Vater ihre Medikamente, glaube ich mich zu erinnern. Wahrscheinlich gab er nur die Tagesration aus.

Es war an einem Sonntag. Meine Mutter war ungewöhnlich gelassen und gut gelaunt. Am frühen Abend verkündete sie noch einen Spaziergang zu machen. Mein Vater spaßte und sagte: “ du hast koch keine Medikamente dabei.“

Meine Mutter auf der Insel Formentera

Sie kehrte nie zurück. Große Suchaktionen starteten. Eineinhalb Monate war sie verschwunden. In der Zeit schickte unser Vater meinen Bruder und mich mit Bekannten in den Urlaub. Mein Bruder war in den Dolomiten, ich in Berlin. Als ich zurückkehrte und nicht mein Vater mich vom Flughafen abholte, sondern ein Freund, wusste ich, es ist etwas passiert. Zuhause in der Eingangstür verkündete mir mein Vater, meine Mutter sei tot gefunden worden, sie hatte sich im nah gelegenen See ertränkt. Mein Opa kam auf mich zu mit den Worten: „Kind, weine nicht.“ Das war alles …. Ich rannte heulend und aufgelöst die Treppen hoch zu meinem Bruder ins Zimmer, der auf dem Bett lag und nichts entgegnen konnte. Irgendwann in der Nacht kam mein Vater zu mir ans Bett, weinte und sagte er habe ihre Leiche identifizieren müssen und konnte, da sie vom Wasser nach 1 1/2 Monaten so aufgedunsen war, sie nur noch an ihrer Kette mit dem Tennischläger als Anhänger erkennen. Mit diesen grausamen Bildern im Kopf ließ er mich von da ab alleine. Meine Mutter wurde zum Tabuthema, wir durften nicht über sie sprechen. Niemand kümmerte sich um uns Kinder. Niemand. In der 8. Klasse sank ich ab, von damals der Klassenbesten zu den schriftlichen Noten 6 , 6 , 5+ in Mathematik. Das ist mir in Erinnerung geblieben. So trug ich mein ganzes Leben dieses traumatische Erlebnis mit mir. Mein Bruder und ich funktionierten einfach weiter, gingen zur Schule, zum Tennis, Guitarrenunterricht, usw. als sei nichts passiert. Es gab keine Gespräche, keinen Trost, niemand beantwortete unsere Fragen. Meine Mutter verließ uns mit den Zeilen in ihrem Kalender: Ich beschließe aus dem Leben zu gehen… Viele Jahre konnte ich nicht verstehen wie sie uns, ihre Kinder, im Stich lassen konnte. Heute kann ich nachvollziehen, wie sehr die Erkrankung an Depression den Menschen einnimmt und man einfach nicht mehr weiter weiß.

Als ich Jahre später selbst an Depression erkrankte, lernte ich in der Therapie, dass ich zum Schutz meines eigenen Überleben damals, nach dem Tod meiner Mutter, meine Gefühle eingefroren hatte. Als die Gefühle langsam wieder zurückkamen, musste ich vieles in dieser Hinsicht neu erlernen. Besonders schwierig war es für mich mit dem Gefühl der Wut umzugehen. Wut kannte ich nicht. Jetzt konnte ich sie kaum kontrollieren und benahm mich manchmal wie ein aufsässiges Kleinkind. Heute bin ich ein sehr glücklicher und dankbarer Mensch. Ich war stark und bin es noch heute. Was immer blieb ist eine Leere, welche ich an manchen Tagen spüre. Diese Leere ist nicht zu ersetzen; meine Mutter fehlt noch heute und dieses Empfinden bestärkte mich enorm, zu kämpfen um meiner Tochter so lange es geht mit meiner Liebe zur Seite zu stehen. Als ich 2011 sehr ernst an Depression erkrankte, musste sie im gleichen Alter diese Verlustangst erfahren , wie ich damals. Im Unterschied dazu erklärte ich ihr aber vieles, auch wenn sie natürlich trotzdem bangte und eine sehr schwierige Zeit durchmachte, da auch ich ihr in dieser Phase nicht die gewohnte Aufmerksamkeit schenken konnte. Ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Heute ist sie 21 Jahre alt und wir konnten manches aus der Zeit in ruhigen Gesprächen aufarbeiten, genauso aber gab es tränenreiche Diskussionen; ersetzen kann ich die gemeinsame Zeit die wir in der akuten depressiven Episode verloren, jedoch leider nicht. Und das bedauere ich heute sehr. Aber ich konnte damals nicht anders. Genauso wie meine Mutter vor Jahren nicht anders konnte, mein Vater all die Jahre nur mit Verdrängen zurecht kam und ich eher meine Großmutter über den Verlust ihrer Tochter hinwegtrösten musste, als dass sie mich wahrnahm. Irgendwann muss man verzeihen lernen.

Verlust

Es gibt eine so große Lücke in meinem Leben ,

immer wieder komme ich zu dem Punkt , dass etwas sehr bedeutungsvolles fehlt,

kein anderer Mensch kann in dieser Hinsicht etwas bewegen, geschweige mir das Fehlende geben.

Der Gedanke bleibt. Er quält.

Niemand kann die Liebe meiner Mutter ersetzen ,

die Sehnsucht nach Geborgenheit bleibt.

Leider,nach so vielen Jahren sind auch Erinnerungen nur noch Fetzen,

dennoch nichts was irgendwie befreit .

Es ist etwas essentiell Wesentliches ,

von einem auf den anderen Moment mir in der Kindheit entrissen,

funktionierte ich ewig emsig beflissen ,

heute wissend die Basis wurde mir komplett entrissen.

Es bleiben liebevolle und sehnsüchtige Gedanken ,

einem Menschen gegenüber der hilflos und in verzweifeltem Ranken,

mit einer Krankheit konfrontiert,

die unsäglich strapaziert.

Ein wichtiger Nachsatz:

bitte wenn auffällt, dass ein Familienmitglied, Freund oder Arbeitskollege, verschlossener wird, sich sozial abgrenzt, teilnahmslos ist, den Appetit verliert, schlaflos ist, vielleicht eine Sucht entwickelt und vor allem spätestens, wenn der Wunsch nach dem Tod geäußert wird, sprecht die Person deutlich an und bietet Hilfe an. Und werdet besonders hellhörig, wenn dieser Mensch plötzlich ruhig und fröhlich wirkt. Dann kann das Vorhaben sich tatsächlich das Leben zu nehmen, schon beschlossen sein.

Wechselhaft

Farben, Lichter, Aspekte,

es gibt nichts,

das der Herbst nicht in mir weckte.

Schien die Sonne vor kurzem noch monatelang, wird mir von jetzt auf gleich bang.

Plötzlich pfeift der Wind mir um die Ohren, schon beginnen alte Gedanken zu bohren.

Dicke Wolken scheinen zu erdrücken,

die Sonne kämpft sich durch wenige Lücken.

In jeder Zeit das Positive sehen,

aufrecht durch alle Stürme gehen,

egal was kommt zu akzeptieren,

tapfer und mutig jeder Situation entgegen marschieren !

Jede Witterung durchleben,

darin erklärt sich der Menschheit Bestreben.

Wir können so viel erreichen,

jeder ist verantwortlich im Stellen der Weichen .

Auch mit diesen Zeilen machte ich mir damals selbst Mut. Tatsächlich ist es so, ist man an Depression erkrankt, bleibt die Angst, dass auch wenn die Krankheit gerade schlummert, man erneut ins tiefe Dunkel sinkt. Bisher hatte ich in meinem Leben, angefangen im Alter von 26 Jahren, 4 depressive Episoden. Außer Therapien und medikamentöser Unterstützung, gibt es auch Ansätze und Wege diese Phasen ein wenig selbst zu steuern. Dabei ist es wichtig achtsamer zu sein, sich selbst mehr zu beobachten. Als ich nach langer Therapie plötzlich wieder anfing zu „schlittern“ (hier passen tatsächlich viele Verben den Zustand zu beschreiben z.B. auch wackeln, rutschen, purzeln, straucheln… und und und), suchte ich aufgrund meiner Unsicherheit kurzfristig erneut eine Psychotherapeutin auf. Die wenigen Gespräche mit ihr waren sehr prägend. Ich war nur 2 oder 3 mal bei ihr, aber es reichte aus, meine Schritte wortwörtlich wieder zu stabilisieren; in jeder Hinsicht. Daher kann ich nur befürworten nicht zu warten, sondern rechtzeitig das Gespräch suchen. Wenn ich mich im Sport verschlechtere, irgendwie der Wurm drin ist, suche ich doch auch die Unterstützung eines Trainers. Also ist es nicht verwerflich, mir in meinem Leben bei Bedarf einen Coach zu suchen. Die Therapeutin damals fand mich ok, wie ich bin und gab mir einen entscheidenden Hinweis mit auf den Weg. Hier merke ich kurz an, dass anhand meiner Erzählungen der Tiefenpsychologie und Psychoanalyse, der zig Stunden, die ich dreimal in der Woche über fast zwei Jahre, die ich hinter mir hatte, die jetzige Therapeutin mir vorschlug ihre Kollegin bei der ich war, bei der Ärztekammer, anhand ethischer Richtlinien, die sie verletzt sah, anzuzeigen.Ich erwähne dies, um deutlich zu machen; eine Therapie ist kein Spaziergang. Dieser Prozess kostet enorm viel Kraft aber das ist ein anderes Thema und vielleicht nehme ich es irgendwann mal auf. Heute kann ich nur augenzwinkernd sagen, dass ich selbst diese Tortur damals überlebt habe 😉 Jetzt zurück zu der entscheidenden Aussage. Die Therapeutin nahm mir die Angst vor einem Rückschlag, indem sie mir erklärte, dass eine depressive Phase in 5-6 Wochen durch gestanden sei, sollte ich wieder straucheln. Ich weiß nicht einmal ob es tatsächlich so ist, ich habe es nie hinterfragt, aber seitdem kann ich viel leichter akzeptieren, sollte es mir wieder schlecht gehen. Die Akzeptanz hilft sehr. Ich sitze es einfach aus! Sehr anschaulich zeichnete sie mir auf, unter welchen Voraussetzungen eine neue depressive Episode wieder möglich ist. Sie malte mir 3 Töpfe; 1 Topf ist genetisch-biologisch fast randvoll, der zweite Topf ist ebenfalls durch meine Lebensgeschichte, die Belastungen und meiner Erfahrung mit der Welt als Kind gut gefüllt. Es passt fast nichts mehr rein. Sollten akute neue Belastungen Stress auslösen, so bringt dieser dritte Topf das Fass zum überlaufen. Mein oberstes Gebot bedeutet also dies in jedem Fall versuchen zu verhindern. Deshalb ist es wichtig auf mich zu achten. In der Vergangenheit habe ich auf viele und vieles geachtet, aber nicht auf mich. Ich muss mich beobachten. Dazu gehört meinem Körper Aufmerksamkeit zu schenken. Auf Schlaf, Appetit, Schmerzen und Erschöpfung zu achten. Mein Verhalten in Bezug auf sozialen Rückzug zu durchleuchten. Gedankliche Prozesse mir vor Augen zu führen und natürlich auch mir meiner Gefühle bewusst zu sein.

Es war ein Lernprozess mir anzutrainieren, inne zu halten und mich in Situationen z.B. zu fragen möchte ich das, ist es mein Wunsch, geht es mir gut damit. Auch für mich herauszufinden womit geht es mir gut, was tut mir gut. Heute weiß ich es besser, trotzdem ertappe ich mich natürlich auch dabei in alte Muster zurück zu fallen. Aber ich erkenne es zumindest jetzt und kann es ändern. Die Therapeutin empfahl mir damals auch den MBSR Achtsamkeitskurs zu machen. Trainieren tue ich nicht mehr, manchmal hole ich mir noch einmal die Unterlagen hervor, zweimal machte ich auch ein „refresher“ Wochenende. Das Achtsamkeitstraining hilft sich kennen zu lernen und zu reflektieren. Zum Beispiel über das ganz persönliche Stresserleben nachzudenken, indem ich mir beantworte 1. Ich gerate in Stress, wenn… 2. Ich setze mich unter Stress, indem… 3. Wenn ich im Stress bin, dann… Genauso kann ich achtsame Kommunikation üben und so meinen Anteil an einem Gefühl übernehmen und meinem Gegenüber mehr Spielraum geben. Im Verlauf eines Gesprächs ist es ein Unterschied, ob ich sage:“ Du bist rücksichtslos“ oder „Ich fühle mich übergangen.“ Ich Botschaften gelten als sehr kommunikationsförderlich. Sprich über dich selber, deine Gefühle und Gedanken. Konzentriere dich auf dein Erleben und entfalte es. Teile dem anderen so viel wie möglich mit, was dich bewegt. Eine positive Übung ist auch in 60 Sekunden zwanzig Dinge aufzuschreiben, für die man aufrichtig dankbar ist. Los! Es ist überraschend für wie vieles wir dankbar sein können. Die Hauptziele die sich für mich in diesen Kursen herauskristallisierten waren konsequenter und spielerischer mit meinen Wünschen umzugehen, nach für mich unangenehmen kränkenden Situationen mir Zeit zu nehmen und nicht gleich zu explodieren und weiterhin mein Bewusstsein im Allgemeinen, aber auch für meine Erkrankung behalten, schulen und natürlich damit umgehen. Hier merke ich gerade an Punkt zwei müsste ich mal wieder rangehen. Aber auch ganz simple Dinge erleichtern ein Leben mit Depression. Sehr hilfreich ist ein Tagesrhythmus einzuhalten. Für mich ist auch ein halbwegs aufgeräumtes Haus wichtig. Egal ist mir heute auch wie jemand über mich denkt. Mich muss auch nicht jeder mögen. Es muss für mich richtig sein, nicht für andere. Es kann nicht immer alles passen. Auch wenn ich gelassener geworden bin, ist die eigenartige Zeit im Moment schwierig. Dazu kommt die dunkle Jahreszeit. Jetzt müssen wir Menschen mehr selbst strahlen und freundlich miteinander umgehen. Also nicht verstecken, raus in die Natur. Bewegung hilft und ein agiler freundlicher Hund. Wenn es so einfach wäre 😉

Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel der Besorgnis über deinen Kopf fliegen, aber du kannst verhindern, dass sie sich auf deinem Kopf ein Nest bauen. M-Luther
Photo by Luis Aquino on Pexels.com

Herbst

Herbst

Der Nebel liegt sanft über den Feldern,

der Tag wartet unschuldig,

die Sonne noch gänzlich fern,

 Natur ist geduldig.

Ein langsames Erwachen,

bald in voller Pracht,

es entlockt  unser Lachen,

für jeden gemacht.

Einmal noch die Wärme spüren,

von den Strahlen zehren,

perfekte Tage, die berühren,

 niemand wird sich wehren.

Jetzt heißt es Abschied nehmen,

vor uns liegt das Triste,

Mächte die uns zähmen,

reihen sich in die Liste.

Glücklich wer geborgen,

sicher weich gebettet,

noch ist nichts verloren,

vielleicht ist man gerettet.

Es ist Herbst. Dieses Jahr empfinde ich den Start des Herbstes fast übergangslos vom Sommer. Vielleicht weil im Moment in dieser eigenartigen Zeit alles etwas „runtergefahren“ ist. Das Leben puliserte diesen Sommer nicht. Und hier finde ich den Übergang, um zu versuchen den erbärmlichen Zustand zu beschreiben, in dem sich ein Mensch befindet, ist er an Depression erkrankt. Als ich 2011 erkrankte, war es Hochsommer und ich war mit meiner Familie bei meiner besten Freundin in der Nähe von Los Angeles. Interessant war, dass ihre damals 13 Jahre alte Tochter als Einzige bemerkte, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich sprach und aß kaum. Obwohl ich bei Freunden an einem meiner liebsten Orte bei strahlendem Sonnenschein am Meer war, ging es mir schlecht. Man muss sich vorstellen es hängen andauernd dicke Wolken über einem; dichter Nebel umgibt einen permanent. Gedanken sind vernebelt, der Zustand wirkt bedrohlich und ließ mich nicht in den Schlaf finden. Über Monate angesammelter Schlafmangel raubte mir die Kaft.Von der Schwere fühlte ich mich zu Boden gedrückt. Ich aß nur mechanisch um nicht zu verhungern. Gesellschaftliche Anlässe, Ausgehen, Menschen treffen, überforderten mich. Überhaupt aus dem Bett hervor zu kriechen, kostete viel Überwindung. Wärme ist nicht zu spüren, Gefühle sind erfroren. Ich konnte mir selbst nicht erklären, was mit mir passiert war und glaubte lange, dass ich mich da alleine heraus manövrieren würde. Dem war nicht so. Im November offenbarte ich mich der Familie und suchte mir Hilfe. Das war entscheidend. Ein langer Weg über Jahre mit Therapie und Medikamenten begann. Das war meine einzige Chance. Und ich habe es geschafft! Ich möchte all denen Mut machen, die auch kämpfen. Sucht Hilfe! Man muss nicht alles alleine schaffen. Mein Bruder, einer meiner ersten Ansprechpartner damals, sagte als Arzt gleich zu Beginn: „Es gibt keinen Grund sich zu schämen. Es ist eine Erkrankung wie jede andere.“Das zu akzeptieren fiel auch mir anfangs sehr schwer. Heute lebe ich mit der Erkrankung. Und ich lebe gut 🙂