Schritt ins Licht

Freundlich und sanft fällt Licht in meinen dunklen Garten,

langsam wächst die Freude und ich kann es kaum erwarten.

Mein Leben sucht sich einen sicheren Weg,

so wie ins ungewisse Blau führt der breite Steg,

an dessen Ende es bedenkenlos gelingt zu springen,

wie ein Kind, neugierig und gespannt, was wird es bringen?

Kommt all das Bunte, die vielen Farben zurück in mein Leben?

Sind die Flügel schon kräftig genug mit Leichtigkeit zu schweben?

Ist es endlich Zeit für mein unbeschwertes Lachen,

für die wunderbare Vielfalt meiner Sinne, zu erwachen?

So lange habe ich mit mir gerungen,

Gefühle zeigen, nicht einmal das, ist mir gelungen.

All die Schätze, die im Verborgenen lagen,

es ist Zeit den Schritt ins Licht zu wagen!

(September 2014)

Die Intention meines Blogs ist hauptsächlich die Krankheit Depression anschaulicher und verständlicher zu machen, in dem ich selbst tiefe Einblicke in mein Leiden damals erlauben werde, welches sich in meinen Gedichten wiederfindet. Im Moment mag ich diese Zeilen aber nicht veröffentlichen. Sie sind schon sehr duster und erschrecken vielleicht so manchen. Heute bleibe ich lieber in der Zeit, die sich hoffnungsvoll und zuversichtlich zeigte.

Nachdem ich ca. 2 Jahre brav und tapfer 3 mal in der Woche meine strenge Therapeutin in Frankfurt am Main aufsuchte und irgendwann entschied, ich müsse doch mal wieder ins Leben gehen und mich ausprobieren, beendete ich die Besuche und demnach meine Therapie. Die Therapeutin, die auch Medizinerin war, versuchte mich mit allen Mitteln zu halten, aber meine Entscheidung war gefallen, auch wenn sie überzeugt war, ich könne mein Nest bei ihr nicht verlassen.

Es war nicht das einzige Nest, das ich verließ. Ich verließ auch meinen damaligen Mann und das gemeinsame Haus. Nach der Therapie fühlte ich mich sehr gestärkt, was im großen und ganzen auch so blieb, auch wenn es immer mal wieder Unsicherheiten und Rückschläge gab und auch heute noch gibt. Ich bezog eine alte Doppelhaushälfte. Den Umzug machte ich nach und nach mit meinem großem Geländewagen. Für die großen und schweren Sachen beauftragte ich ein Umzugsteam, eingige Möbel kaufte ich neu und ließ sie direkt dort anliefern.

Meine Hündin nahm ich mit, und dann saß ich da eines Abends nach so vielen Jahren ganz alleine. Hinter meinem Garten war nur ein kleiner Weg. Dort leuchtete sanft das Licht einer Laterne durch die Büsche auf die Wiese. Ich fühlte mich gut, befreit und bereit. Alles schien so friedlich, ich konnte aufatmen. Lange kaufte ich kein Fernsehgerät und vermisste es auch nicht. Ich nahm mir die Zeit beim Kisten auspacken alte Briefe zu lesen, meine Sammlung an Bildbänden durchzublättern, Musik zu hören, alles, und vor allem mich, neu zu sortieren. Es war eine wertvolle und sehr wohltuende Zeit. Manchmal überlegte ich was ich vermisste. Natürlich meine Tochter, die gerade ein Jahr in Kalifornien eine Highschool besuchte. Sie vermisste ich sehr. Ansonsten war es nicht viel. Der Kamin und das große Grundstück fehlten mir.

Zurückblickend bin ich heute sehr stolz auf mich. Ich besitze unheimlich viel Kraft, obwohl ich so vieles durchgemacht habe, oder gerade weil ich so viel ertragen musste von Kindheit an. Alles in allem war es ein langer Weg. In dem Haus blieb ich 3 Jahre. In der Zeit kam mein Lachen zurück, ich lernte meinen neuen Partner kennen und das Leben meint es sehr gut mit mir.

Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.

Demokrit

Von der Liebe … (2)

Ich will dich einfach nur lieben, jeden Tag.

Deine Nähe genießen, die ich so mag.

Das Wunder geschehen lassen,

in deinen Armen wird alles andere erblassen.

Meine Augen schließen,

jeden Augenblick genießen,

Berührungen, die verwöhnen,

Glücksgefühle, die mich durchströmen.

Ganz in der Traumwelt versinken,

in sanften warmen Wellen fast ertrinken.

Ohne Angst und voller Zuversicht,

blicke ich vertrauensvoll in dein Gesicht.

Geborgen sein und fest umschlungen,

einmal nicht mit dem Gedanken an den Tod gerungen.

Diesen Moment, ich halte ihn ganz fest.

Eine Hoffnung, die mich wieder träumen lässt.

Dich rundum restlos glücklich machen,

gemeinsam ungezwungen lachen,

nie mehr von deiner Seite weichen,

dir von Herzen meine Liebe reichen.

(November 2013)

Das große Glück der Liebe besteht darin,

Ruhe in einem anderen Herzen zu finden.

Julie de Lepinasse

aus meinem Nähkästchen geplaudert…

Celebrities / Prominente

Berühmt, berüchtigt, bekannt, beliebt. Vor kurzem hat eine frühere Kollegin in facebook aufgelistet welche Berühmtheiten sie traf. Das brachte mich dazu auch darüber nachzudenken. Besonders in der Zeit von 1988 bis 2003, als der Flughafen Frankfurt mein Arbeitsplatz war, und vor allem in den Jahren als „Premium Services Representative“ bei American Airlines, hatte ich viele Begegnungen.

Meine erste besondere Begegnung hatte ich mit Mensch und Tier. Der Moment mit dem Tier war allerdings viel aufregender an dem Abend, als das berühmte Paar, auf das ich traf. 1992 bekam ich eine Einladung als Assistentin den damaligen General Manager von Singapore Airlines zu einem Geschäftsessen und anschließender Nachtshow in das Varieté-Theater Tigerpalast in Frankfurt am Main zu begleiten. Ein damals sichtlich ganz verliebtes Paar besuchte dieselbe Show und zog alle Blicke auf sich. Aber nicht das Model wurde auf die Bühne geholt, sondern ich! Braun siegte über blond ;). Ich erwähne es an dieser Stelle nur, weil bei einer anderen Begegnung blond tatsächlich ein Thema war. Ein Assistent des auftretenden Artisten kam zu mir und fagte mich, ob ich es schaffe mich sehr ruhig zu verhalten, wenn ich auf die Bühne gebeten werde, um ein erhabenes und stolzes Raubtier kennen zu lernen. Ohne nur einen Moment zu zweifeln, sagte ich sofort zu und saß später erstaunt auf dem Bühnenboden neben einem mächtigen schwarzen Panther, den ich ausgiebig streicheln durfte. Mein Herz raste vor Aufregung. Ich erinnere mich noch gut an das seidig glänzende Fell. Ein wirklich ganz besonderer Moment wurde mir geschenkt, den ich nie vergessen werde. In der Nacht war ich erst um 5 Uhr zuhause. Ich konnte nicht anders, als meinen damaligen Mann sofort wach zu rütteln, um ihm völlig überdreht nach dem Abend zu berichten, dass ich einen Panther streicheln durfte. Das berühmte Paar, nämlich Topmodel Claudia Schiffer und Magier David Copperfield, die am Nebentisch in der Bar turtelten, waren nebensächlich, wenn auch ein sehr hübsches Paar, damals.

Claudia Schiffer und David Copperfield

Komme ich als nächstes gleich auf „blond“ zurück. Und Boxen ist ein Thema. Als „Premium Services Representaive“ bei American Airlines umsorgte ich VIP-Passagiere. Ich empfing sie in der Lounge, beim First Class Check- in auf dem roten Teppich, holte sie vom Flugsteig ab, usw. An einem Morgen begleitete ich eine sehr heitere und auffällige Gruppe. Heiner Lauterbach (dt. Schauspieler), Cleo Kretschmer (dt. Schauspielerin), Ebby Thust (früherer dt. Box Promoter) und Dolly Buster (frühere tschechisch-dt. Pornodarstellerin) flogen First Class zum Boxkampf nach Las Vegas. Leider will mir nicht mehr einfallen, wer geboxt hat. War es Witali Klitschko? Kann gerne kommentiert werden. Nicht vergessen werde ich aber die infantilen Fragen von Herrn Lauterbach damals: „Warum sind Sie nicht blond?“ und „Gibt es Vodka an Bord?“ Auffällig auch der protzige Schmuck und die große Brille von Ebby Thust, das „Schlappmaul“ der Cleo Kretschmer und der gewaltige Busen von Dolly Buster. Anyway, ich brachte das illustre Grüppchen an Bord, erklärte dem Purser, um wen es sich handelt, denn, woher sollten die amerikanischen Flugbegleiter die deutschen Promis kennen. Neugierig lugten die Piloten aus ihrem Cockpit und blieben defintiv am Busen der Blondine hängen. Ich hoffe die Crew hatte damals Spaß. Ich fand den Morgen nicht so spaßig damals. Mir waren Zurückhaltung und Höflichkeit sehr viel lieber.

Der nächste Gast im Zusammenhang mit Boxen hatte diese bevorzugten Attribute und war eine sehr angenehme Bekanntschaft. Wie jeden Morgen checkte ich die Passagierliste und entdeckte den Namen Michael Buffer. Vor Jahren hatte Henry Maske den Boxsport salonfähig gemacht, so dass auch ich Kämpfe verfolgte. Und wer kennt aus dieser Zeit nicht Michael Buffer, der als bekanntester Ansager von Sportveranstaltungen, insbesondere von Boxkämpfen, weltweit galt. Buffers Markenzeichen waren ein Smoking mit schwarzer Fliege sowie der lautstark vorgetragene Schlachtruf „Let’s get ready to rumble“. Als ich die Rolltreppe vom Admirals Club, der American Airlines Lounge, hinunterfuhr, erblickte ich ihn in der Menge und begrüßte ihn als Fluggast. Er war erstaunt über meinen Empfang, freute sich aber über die Begleitung in die Lounge, sowie später durch die Sicherheitskontrollen bis zum Flugsteig. Zu guter letzt, entschied ich, da Platz war, ihm mit seinem fullfare Business Class Ticket ein Upgrade in die First Class zu geben. Zu ihm als Passagier musste ich der Crew natürlich gar nichts erklären, aber meiner Chefin gegenüber dafür umso mehr, warum er ein nicht notwendiges Upgrade bekam, zumal er ihr auch nicht bekannt war. Sein Glück also damals, dass er auf mich traf.

Michael Buffer

Ich bleibe beim Sport. Hier traf ich auf den ehemaligen deutschen Tennisspieler und Olympiasieger Boris Becker, die sehr sympathische amerikanisch-tschechische ehemalige Tennisspielerin Martina Navratilova. Für American Airlines betreute ich außerdem den US-amerikanischen Profigolfer der PGA TOUR und der Champions Tour „Boom Boom Freddy“ Fred Couples, der mir als sehr arrogant in Erinnerung blieb. Er war mir überhaupt nur bekannt, da mein damaliger Mann ausgiebig Golf im Fernsehen verfolgte und der Name oft fiel. Ebenfalls begegnete ich der sehr hübschen ehemaligen argentinischen Tennisspielerin Gabriele Sabatini. Mein Zwillingsbruder verehrte „Sabi“ als junger Mann. Ganz besonders ins Herz schloss ich den eher unbekannten Sportler Winthrop Graham. Der ehemalige jamaikanische Leichtathlet gewann zwei olympische Silbermedaillen im 400 m Hürdenlauf. Er flog damals auch öfter mit American Airlines. Beim ersten Wiedersehen vor der Lounge kam er freudestrahlend auf mich zu und rief „Andrea, so good to see you“ . In meinem Kopf ratterte es, wer er gleich wieder war, so viele Menschen und Namen sah ich täglich. Der Name des jungen Mannes prägte sich aber dann leicht ein, denn er war ein ganz liebreizender Mensch, der mir bei einem späteren Besuch in Frankfurt einen lila farbenen Mizuno Trainingsanzug mitbrachte, den ich lange in meinem Kleiderschrank aufhob. Überhaupt kann ich mich von so manchem Geschenk eines Passagiers bis heute nicht trennen.

Sehr oft betreute ich auch den ehemaligen Leichtathleten Michael Johnson. Ein imposanter Mann mit vier Olympiasiegen und acht Weltmeistertiteln über die Strecken 200 Meter und 400 Meter. Auch er war ein sehr angenehmer und ruhiger First Class Gast. Deshalb war es mir unangenehm ihn bei einem Wiedersehen um ein Autogramm für den Sohn einer Kollegin zu bitten. Er gab es mir aber bereitwillig. Als ich die gekritzelte Unterschrift der Mitarbeiterin gab, sagte sie, die Unterschrift sähe aber nicht nach „Jordan“ aus. Sie hatte Michael Johnson mit dem Basketballspieler Michael Jordan verwechselt, den traf ich allerdings nicht. So viel dazu ….

Michael Johnson

Mit großem Respekt begleitete ich den deutschen Politiker Hans-Dietrich Genscher, sowie Lech Walesa, den polnischen Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsident. Sein Kampf gegen den Kommunismus machte ihn weltbekannt. Die US-Senatorin von Texas 1993 – 2013 Kay Bailey Hutchison nahm sich die Zeit mir ein paar Zeilen nach ihrer Rückkehr in die USA zu senden. Über Danksagungen von Passagieren habe ich mich immer besonders gefreut und habe einen großen Stapel bis heute in meinem Sekretär im Wohnzimmer.

Bevor ich zu meinen beiden Highlights komme, zuvor ein weiteres unvergessliches Erlebnis. Meine Aufgabe war es, den Sultan Bruneis, Herrn Hassanal Bolkiah samt Gefolge aus dem, der American Airlines Lounge mit einer Brücke verbundenen gegenüberliegenden Hotel Sheraton, in Empfang zu nehmen. Insgesamt waren 18 Familienmitglieder und Kindermädchen je nach Stellung in First, Business und Economy Class verteilt. Der Sultan fragte unmittelbar nachdem ich mich vorstellte nach einem männlichen Kollegen, gab aber tatsächlich „klein bei“, als ich ihm höflich aber bestimmt sagte, entweder er nimmt mit mir vorlieb oder aber niemanden. Wie eine Entenfamilie liefen wir über die Brücke; der Sultan neben mir, dahinter die Prinzen, Ehefrauen mit Kindern und das Schlusslicht bildeten die Nannies aus Sri Lanka. Ich erinnere mich gut an die Blicke seiner Söhne hinter mir; die Situation war ihnen sichtlich fremd. Ich platzierte die Großfamilie in der Lounge und begann mit Hilfe des Sultans den Check-in aller 18 Personen. Es wurde zur echten Herausforderung als ich merkte, dass ein Flugschein fehlte, denn die vollständigen Namen ähnelten sich doch sehr und waren ähnlich lang wie der des Oberhauptes selbst: Kebawah Duli Yang Maha Mulia Paduka Seri Baginda Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu’izzaddin Waddaulah Ibni Almarhum Sultan Omar Ali Saifuddien Sa’adul Khairi Waddien. Auch drängte die Zeit, denn die Familie musste rechtzeitig am Flugsteig sein, denn wir hatten ja ein vorgegebenes Zeitfenster (Slot) für den Abflug. Am Ende wussten wir wessen Ticket fehlte. Es war schnell neu ausgestellt und der Sultan zahlte über 8.000 DM in bar. Auch darüber war ich beeindruckt, ist es aber eigentlich kein Wunder bei einem Vermögen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Ein aufregender Vormittag mit dem Ergebnis die Familie danach erneut betreuen zu dürfen.

Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee Brunei

Jetzt aber zu meinen beiden beliebtesten Herren aus der sagenhaften Zeit bei American Airlines. Ich beginne mit dem überschwänglichen Schauspieler Burton Leon Milo „Burt“ Reynolds, dem Bandit aus „Ein ausgekochtes Schlitzohr“. Für mich damals mit Ende 20 ein „echter Celebrity“. Ich durfte ihn auf der Straße im Ankunftsbereich Terminal 1 in Empfang nehmen; aber bitte so unauffällig wie möglich, auf gar keinen Fall war ein großes Schild mit seinem Namen erwünscht. Die einzige Information die ich hatte war, dass er in einem schwarzen Mercedes mit Stuttgarter Kennzeichen ankommen wird. Ich bin kurzsichtig. Das erschwerte die richtige Limousine ausfindig zu machen. Und wie gebe ich mich zu erkennen in meinem Kostümchen auf der Straße? Ich war sehr aufgeregt. Das durfte nicht schief gehen. Endlich sah ich den Wagen anrollen und winkte vorsichtig. Ein charmanter breit grinsender Burt Reynolds stieg aus, kam auf mich zu, drückte sich an mich und gab mir einen fetten Kuss auf die Wange. Das Eis war gebrochen und plaudernd erledigte ich alle Formularitäten und brachte ihn sicher auf seinen Platz im Flugzeug. Er nannte mich „Sweetheart“. Das süße Herz hatte er!

Burt Reynolds

Meine Nummer 1: Götz George ! Vor mehr als 5 Jahren leider verstorben. Ich habe ihn als Mann voller Güte mit strahlend blauen Augen kennen gelernt und mein einziges Autogramm ist von ihm. Als ich ihn von einem ankommenden Flug abholte, ihn in die Lounge begleitete und später zum Flugsteig, staunte ich permanent über die leuchtenden Augen, die angenehme Stimme mit der er fortwährend erzählte, die herzliche Art und vieles mehr. Immer wieder betonte er, wie dankbar er sei, dass ich ihn lotse. Ein so großartiger Schauspieler. Ich erinnere mich gut, als die Jungs in der Oberstufe einen Parka (tatsächlich war es eine M-65-Feldjacke der US-Streitkräfte) ähnlich dem, welchen er als „Schimanski“ im Tatort, trugen. Der Mann, den ich vor mir sah hatte nichts mit dem andauernd „Scheiße“ sagenden „Ruhrpott-Rambo“ aus Duisburg zu tun. Noch beeindruckender als in seinen unzähligen verschiedenen Film- und Theaterrollen, wirkte er als bescheidener Fluggast auf mich.

Götz George

In den 15 Jahren gab es so viele Begegnungen; aus Kollegen und Kolleginnen wurden Freunde. Ein Vielflieger von damals ist bis heute einer der von mir meist geschätzten wertvollsten Menschen. Mein Freund Frank, den ich nie missen möchte.

Natürlich gab es auch Tage an denen ich nicht mit Souveränität glänzte. Eine peinliche Anekdote gebe ich noch zum Besten. Die größten Shareholder von American Airlines waren zu Gast. Es wurde entschieden sie mit den Batterie betriebenen Autos an den Flugsteig zu bringen. Den Wagen vor mir fuhr die Admirals Club Managerin, neben ihr die Stationsleiterin mit einigen Gästen. Ich folgte mit den restlichen Aktionären an Bord im zweiten Wagen. Die erste Sicherheitsglastür galt es zu passieren. Erst wenn unsere Flughafenausweise kontrolliert waren, öffnete sich die zweiteilige Glastür zur Durchfahrt. Dummerweise ging ich davon aus, dass die Kontrolleure doch wissen müssen, dass ich zu dem Gespann dazu gehöre und werden mich ebenso passieren lassen. Leider nein, die Türen schlossen sich, es war für mich zu spät zu bremsen und ich rammte mein Wägelchen gegen die Absperrung. Meine Passagiere lachten zum Glück, das Sicherheitsglas hielt dem „Rumms“ stand. Nie vergessen werde ich aber die ruckartigen Umdrehungen meiner beider Vorgesetzten und ihr tötenden Blicke. Dennoch … Danke für eine wundervolle lehrreiche Zeit American Airlines!

American Airlines

Abschließend eine letzte flüchtige Begegnung. 2013 besuchte ich den Sportpresseball in der Alten Oper in Frankfurt. Mein Foto am Anfang des Beitrags stammt von diesem Abend. Auf einem der langen Gänge, in dem Moment ganz leer, traf ich auf den ehemaligen deutschen Fußballspieler, -trainer und -funktionär Franz Beckenbauer. Wir beide waren auf der Suche nach den Toiletten und beschließen sie gemeinsam zu suchen. Natürlich trennten unsere Wege sich dann. Tatsächlich verließen wir aber gleichzeitig die Alte Oper in der Nacht und Herr Beckenbauer lächelte mir noch einmal zu.

Ich bin ein Teil aller Menschen denen ich je begegnet bin.

Alfred Tennyson

Franz Beckenbauer

Gedanken bloß – just thoughts – Part IV

Unser tägliches Zusammenleben

führt immer wieder an Grenzen,

ist doch Harmonie unser eigentliches Bestreben,

würden wir diese Momente gerne schwänzen.

Permanentes aneinander reiben,

keiner kann den anderen leiden,

treibt uns auf die Spitze,

meistens kleinlich, lächerlich;

helfen würden wahrscheinlich einfach Witze.

Tatsächlich aber resultiert daraus oft Schweigen,

Konflikte bleiben unausgesprochen und verborgen,

beschämend, dass wir uns dem verneigen,

statt zu kämpfen für den gemeinsamen Morgen.

Oktober 2017

So viele Bekanntschaften machen wir im Leben.

Manche Menschen uns nur kurz begeistern,

andere begleiten uns stetig auf vielen Wegen

und sind die, welche uns helfen das Leben zu meistern.

In deren Schoss wir gerne fallen,

unsere Erlebnisse teilen.

Alles Negative wird hier abprallen.

Es sind die Freunde, bei denen wir verweilen,

volles Vertrauen finden,

enge Gefährten, Momente, die für immer binden.

Oktober 2017

So gerne habe ich das Haus voll Gäste,

jeder mit eigener Geschichte,

von mir aus wird jeder Tag zum Feste.

Am Tisch bringt jeder Einzelne sich ein,

so wie die Zutaten der zubereiteten Gerichte.

Munteres Geplapper formt sich zur harmonischen Melodie,

unsere Stimmen wie eine Vielzahl der musikalischen Instrumente,

jeder übernimmt irgendwann die Regie.

Sinnbildlich tragen alle bei zum Gelingen der Nudeln „al dente“.

Übertragen wir dies auf die Kulturen,

sehen unsere Unterschiede gelassen und positiv,

freuen wir uns über all die bunten Spuren

und erinnern uns später gerne,

wer welche hinterließ.

Oktober 2017

Wenn ich mein Kind respektiere,

seine Meinung akzeptiere,

achtsam und bewusst differenziere;

steht an oberster Stelle sein Wohlergehen;

alles dafür tun ist mein Bestreben!

Mich in allen Fragen, wenn gewollt, einbringen,

kein vermeintliches Glück erzwingen,

als back up immer verfügbar sein,

um aufzufangen eventuelles Unwohl- und Alleinsein.

Dabei konsequent meine Meinung, Stil und Werte vertreten;

eine Mutter muss stets variieren und geschickt koordinieren.

Das mag anstrengend klingen,

aber ist es nicht das höchste Glück,

sollte so die Beziehung Eltern-Kind gelingen?

November 2017

Manchmal weißt du nicht wie dir geschieht.

Du bist ganz oben, ohne dass es überhaupt jemand sieht.

Bist du allerdings tief am Boden,

gibt es genug, die auch die letzten Hölzer roden.

Sometimes you are on top without knowing,

others do not realize.

But once you are struggling,

people do not look twice,

instead, they are destroying,

giving no advice.

November 2017

Es ist eine verkehrte Welt,

was richtig und wichtig ist,

zeigt sich seltsamerweise als nichtig.

Immer wird irgendetwas in den Vordergrund gestellt,

dem klugen Betrachter zeigt sich dies mehr als fremd in dieser Welt.

Ein anderer lässt sich schnell verleiten

und mühelos alles aus seinen Händen gleiten.

November 2017

Das Leben ist ein so großes Abenteuer,

und ist es dir auch oft nicht geheuer,

vertraue und mach das Beste daraus,

in dir selbst bist du immer zuhaus´.

Dezember 2017

Natürlich kann man in allem nach einem

tieferen Sinn suchen.

Die Frage: Muss es sein?!

Manche Dinge kann man dabei belassen …

Dezember 2017

Wege die jeder Einzelne von uns geht

sind immer besonders.

Oft wissen wir nicht, wohin sie führen.

Unsere Weitsicht und Planung sind individuell und anders,

manch einer verläuft sich,

für den anderen öffnen sich Türen.

Januar 2018

Gedanken bloß – just thoughts – Part III

Ich hasse eine gewisse Arroganz mancher Personen,

sich in einem klitzekleinen Bereich des Universums

vielleicht ein wenig auszukennen, aber ernsthaft

glauben in der gesamten Welt somit zu wohnen.

„Bayrisch großkopfert“ jeden anderen zu überrennen,

um sich schulterklopfend für tatsächlich nichts zu entlohnen.

Februar 2017

Ich würde in den Erdboden versinken,

würde ich weiterhin Thesen vertreten,

die in den Himmel stinken.

Aber bevor ein jener Fehler einsieht

und „falsches“ Denken revidiert,

bleibt er lieber stur und konsterniert.

Februar 2017

Ich wünschte so sehr die Menschen würden zu ihren Fehlern stehen,

hätten ein Einsehen, statt stur ihren Weg zu gehen,

würden die Sachlage überdenken,

und aufgrund überzeugender Argumente

schließlich einlenken,

sich den Themen annehmen und

selbstverständlich auch den richtigen Weg gehen.

März 2017

Statt Verantwortung zu übernehmen,

rechtfertigt sich der Erwachsene

er sei in der Analysephase!

Herr im Himmel, welch eine Phrase!

Steh für deine Meinung, rede nicht drumherum

und vor allem form keine Blase.

März 2017

Natürlich kann man immer den anderen verfluchen,

der es wagt die eigene Seele zu besuchen;

einem den Spiegel vorhält,

was natürlich unter Umständen quält.

Der beginnt sich umzusehen

und schon wird es unbequem,

imstande eine Meinung zu bilden,

einzudringen in persönliche Gefilden.

Schon wird es ungemütlich,

denn, nicht unbedingt reagiert er gütlich.

Deshalb besser die eigene Meinung überdenken.

Später muss man sich dann nicht verrenken.

März 2017

Bevor du nur postest virtuell,

gestalte doch dein Leben individuell!

Lass dies allgemein gelten:

„posts“, „likes“ und „memes“,

es dauert nicht lange und sie verwelken!

März 2017

Ein Problem,

wird es zu extrem,

entwickelt ein Ekzem.

Entzündet sich und blüht,

auch wenn ihm eigentlich keine Achtung gebührt.

Stattdessen man es im Keim erstickt

und sich an schönen Dingen erquickt.

Mai 2017

Viele sind einfach uneinsichtig,

nehmen sich selbst allzu wichtig.

Im Zusammenleben geht es aber um mehr,

In einer Partnerschaft schießt keiner quer!

Egoismus ist hier nicht gefragt,

keiner der über den anderen hinausragt.

September 2017

Gedanken bloß – just thoughts – Part II

I am in desperate tears
full of fears
no one in that damn universe
my love deserves
move on like always
still hope for the moment
when it all begins
counting days until love wins
waiting for freedom
past is gone
soul and spirit become one
the battle is won
finally finding peace
what a perfect release
forever sheltered retreat

Oktober 2017

no more expectations
here comes reality
no romatic occasions
because of lack of abililty
love comes in different ways
not everybody is ready to even know
but anyway maybe there’ll be days
when you’re all able to show

Oktober 2016

I wish for the day
not only hoping to see stars shining
but really feeling them
without denying
to end my desperate rhyming

Oktober 2016

different characters but they do get along
they don’t even question
there is no wrong
they follow their own path
accepting each other
no need for math
if just the world would learn and accept
instead of worrying and remaining in depth
we could live peaceful in harmony
whishing the whole world would agree

Februar 2017

there is that moment in life
front row pool position
that feeling you completed your mission
all others still fighting their race
but you keep calm enjoying that lovely place
completely satisfied by the moment
in deep trust it will never end

Juni 2017

I’m more of the giving person
althoug knowing to not expect the same of others
it teaches me a lesson
stop giving and others will realize it bothers
when there is nothing they get in return
they can deal with it for quite some time
but it won’t take long until their heart will burn
and it’ll all come to a rhyme
life is not worth living to act on your own
only together we will wear the crown
enjoy life to the fullest
make sure you care for each other to the deepest

August 2017

Von der Liebe … (1)

Erwachen

Was, wenn es jemanden gibt,

der dich erwachen lässt,

längst Vergessenes ausgräbt,

dich dabei hält, ganz fest?

Wirst du erste Schritte wagen,

ungeschickt auf Zehenspitzen,

Gefühle, die begraben waren

aus der Dunkelheit empor blitzen?

Beschützt in seinen Armen;

vertrauensvoll lehnst du dich an.

Das Glück, es kommt in allen Farben.

Endlich, endlich bist du dran!

Lange hast du sehnsüchtig gewartet,

hast es selbst nicht mehr geglaubt.

Ketten los, es wird gestartet,

lass‘ zurück, was grau und eingestaubt!

Neugierig beginnt die Reise.

Hoffst, dass es sich lohnt,

wenn auch zaghaft leise,

ein Herz, das bei dir wohnt.

(2013)

B e r l i n

Gedanken bloß – just thoughts – Part I

Mailand 2016

Nicht steht mir zu, über eines andern Leben zu urteilen! Für mich allein muß ich urteilen, muß ich wählen, muß ich ablehnen.– Hermann Hesse, Siddhartha

Unkommentiert liste ich einige Gedankengänge auf. Ich möchte sie nicht verloren wissen, sind sie doch ein Teil von mir …

August 2016

Liebe Menschen brennt doch für etwas,

etwas, das euch leben lässt.

Schenkt euer Herz, widmet jeden Gedanken,

kreiert und zelebriert euer eigenes Fest.

September 2016

Ich wünsche mir so sehr,

dass die Menschheit aufmerksamer wär‘.

So vieles ist uns eine Lehre,

genau hinschauen ist das Gebot,

zu erkennen des Einzelnen Not.

Aber auch zu unterscheiden,

wer nur vorgibt zu leiden;

uns nicht blenden lassen von Täuschungen aller Art,

ein tatsächlicher Balanceakt von schwierigem Grad.

Oktober 2016

Schnell abbrechen bevor Tränen dich hindern zu sprechen,

Gefühle hoch kommen die dich ersticken.

Enttäuschungen schnell ablegen,

bevor Situationen noch mehr bewegen.

Liebe nicht wirklich zu empfangen,

nur Worte, die tiefes Empfinden nicht erlangen.

Wenn Menschen sich begegnen mag vieles unterschiedlich sein,

doch statt ständig zu regnen,

sollte überwiegen der Sonnenschein.

November 2016

Ich wünsche mir Vertrauen zu finden,

sollte ich mich wirklich binden.

Möchte Verlässlichkeit erfahren,

sonst fühle ich mich hintergangen und verraten.

November 2016

Einfacher ist es zu schweigen,

doch für mich bedeutet es zu leiden.

Die Welt nicht mehr versuchen zu verbessern,

die Menschen belassen in ihren trüben Gewässern.

Zusehen wie Werte und Tugenden verblassen,

und dennoch den Menschen sich selbst überlassen.

Erkennen wo die Mängel der Gesellschaft liegen,

aber einfacher ist, man bleibt verschwiegen.

So leicht es ist zu erkennen,

die Dinge beim Namen zu nennen.

Doch ist man ehrlich und direkt,

das Antlitz des anderen somit befleckt,

hat man selbst den Ärger und liegt im Dreck!

Noch stelle ich mich dem trotzdem,

bleibe laut und unbequem.

So passiert das immer wieder;

ich weiß, jährlich erblüht der Flieder.

Dezember 2016

Nur auf den eigenen Vorteil bedacht

lassen Menschen vieles außer Acht,

die Liebe in unserem Leben

ist nicht nur unser eigenes Streben.

Der fast vergessene Name

Wie fange ich an? Noch kenne ich auch gar nicht meine Intention, warum ich diesen Text schreibe. Aus Anklage? Nein, das ist nicht der Grund. Eher um mit meiner Einzeldarstellung die Debatte, die der Mordfall einer jungen Frau auf ihrem Nachhausesweg in Großbritannien und in vielen anderen Teilen der Welt ausgelöst hat zu unterstreichen. Der Fall, der leider kein Einzelfall ist, zog so viel Aufmerksamkeit auf sich, vor allem wegen der Reaktion einzelner Männer und Behörden. Es geht nicht um die Frage, warum eine Frau im Dunkeln noch so spät unterwegs ist oder sich in einsamen Gegenden aufhält. Es steht auch nicht zur Diskussion was sie getragen hat. Nicht Frauen müssen ihr Verhalten ändern, sondern Männer! Laut einer von der britischen Vertretung von UN Woman veröffentlichen Studie haben 97 Prozent aller Frauen zwischen 18 und 24 Jahren schon sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum erfahren. Dass dieses Problem nicht allein ein britisches, sondern ein weltweites ist, sollte klar sein. Es gibt kein Land, in dem es keine patriarchale Gewalt gibt. Es gibt Empfehlungen, wie man sich als Frau verhalten soll, wenn es mulmig wird; z.B. eine aufrechte Haltung einnehmen, mitten auf dem Bürgersteig gehen, nicht an der Häuserwand entlang schleichen, nicht stimmlich einknicken und den Mut haben wirklich sehr laut um Hilfe zu schreien. Dennoch kann dies in einer Gesellschaft, in der alle Menschen sich gleich wohl fühlen sollten, wenn sie draußen sind, keine Lösung sein. Als meine Tochter zum Studium nach Berlin zog, hatte ich anfangs Angst, wenn sie nachts alleine in ihre WG zurückkehrt. Mittlerweile denke ich persönlich, dass es in einer Großstadt fast sicherer ist, als auf dem Dorf, da dort auch nachts noch viel mehr Bewegung ist. Und es gibt Städte, in denen U-Bahn Stationen um Mitternacht belebter sind als um 11 Uhr morgens, so ging es mir zumindest in Madrid, als ich alleine die Stadt erkundete und mich auch nachts nicht unsicher fühlte. Eine gute Initiative ist das deutschlandweite Heimwegtelefon. Das Heimwegtelefon ist ein Service bei dem man nachts anrufen kann, wenn man sich auf dem Nachhauseweg unsicher fühlt. Am Telefon wird man von einem* einer Ehrenamtlichen bis nach Hause begleitet. Erreichbar Sonntag bis Donnerstag von 18 bis 00 Uhr und Freitag bis Samstag von 18 bis 03 Uhr unter 030 12074182.

Warum kam das Thema bei mir plötzlich auf? In der Regel habe ich keine Angst. Immer war ich auch alleine tief im Wald unterwegs, ob mit dem Fahrrad oder regelmäßig zum Joggen. Zwar ist meistens mein Hund dabei, aber mit 22 kg kann der nicht viel ausrichten, sollte ich in eine brenzliche Lage kommen. Gestern aber hatte ich eine so seltsame und ungewöhnliche Begegnung im Wald, die mir Angst machte und ich eine Weile überlegen musste, warum ich so getriggert wurde, denn die Situation war nicht beängstigend, sondern einfach nur völlig fremd. In New York hätte ich mich vielleicht nicht so sehr gewundert, aber im beschaulichen Seligenstadt schon. Nach der Begegnung mit der auffälligen Person musste ich googeln, was dahinter steckt und bekomme jetzt eventuell Werbung diesbezüglich, was mich jedoch in keinster Weise betrifft. Da ich kurzsichtig bin, konnte ich anfangs nur erkennen, dass die Person von großer Statur ist und sich anders bewegt. Ich dachte an einen älteren Herrn, der eventuell mit Gewichten an den Handgelenken läuft, so wie ich das tue. Er schien fast ein wenig Roboter gleich. Da ich weiß, dass meine Hündin oft ängstlich reagiert, wenn jemand sehr groß ist und dazu dunkle Kleidung trägt, nahm ich sie näher zu mir. Je näher mir die Person auf dem Waldweg kam, desto befremdlicher wurde das Erscheinungsbild. Erst in unmittelbarer Nähe konnte ich mir ein genaues Bild machen, auch wenn ich mich scheute, die Person genau zu betrachten. Ich weiß nicht ob ich nur erstaunt schaute oder verängstigt, jedenfalls grüßte ich mit einem freundlichen „Hallo“ und bekam im Gegenzug ein kurzes Winken mit dem Vorderhuf zurück. Ja, mit einem der beiden Hufe, denn die Person war, zwar aufrecht gehend, als Pferd unterwegs! Der komplette Körper, auch Kopf und Gesicht, waren in einem schwarzen Ganzkörper Latexanzug. Auf dem Kopf trug der Mann eine lange helle Mähne, in gleicher Farbe war der Schweif hinten. Er atmete schwer. Auch Gurte und Karabiner trug er mit sich. Meine Hündin reagierte seltsamerweise gar nicht, obwohl sie mich regelmäßig anbellte, wenn ich im Faschingskostüm die Treppe herunter kam. Ich war jedenfalls total perplex und überfordert mit der Begegnung. Ich las nach, dass sich dieser Fetisch „Pony Play“ nennt und die Fans die Charaktereigenschaften des dargestellten Tieres übernehmen. Gut, wäre dies geklärt, an dieser Stelle. Trotz allem beschäftigte mich die Begegnung noch den ganzen Nachmittag und erst am Abend konnte ich mir erklären, warum diese Situation mich so nachdenklich machte.

Nach einer Begegnung mit einem maskierten Mann vor Jahren ist mir diese eine Angst geblieben. Sobald das Gesicht eines Menschen nicht zu erkennen ist, bin ich handlungsunfähig, versteinert. Und gestern wurde ich durch das harmlose Pferd im Wald daran erinnert. Und hier komme ich auf mein eigentliches Thema zurück. Aus gewaltsamen Begegnungen mit Männern bleibt eine Bandbreite von, milde ausgedrückt, unschönen Erinnerungen. Selbst wenn eine Frau körperlich relativ unverletzt bleibt, bleibt die seelische Grausamkeit ein Thema und verheilt nie vollständig. Ich möchte dies hier nicht vertiefen, aber unsere Gesellschaft sollte alles dafür tun, dass Frauen und Kinder sicherer vor Gewalt geschützt sind.

Der fast vergessene Name

Was erfolgreich Jahre schien verdrängt,

sich plötzlich schonungslos mit Gewalt aufzwängt.

Stück für Stück kommt die Erinnerung,

nackt und hilflos ohne Linderung.

Angstvolle Minuten, Stunden kehren zurück,

kaum zu ertragen dieses Unglück.

Verletzlich wie ein angeschossenes Reh,

bist du am Boden; alles tut dir weh.

Im Dunklen völlig orientierungslos,

allein gelassen, zerbrechlich und hilflos

kannst du dich kaum bewegen,

frierend auf feuchtem Laub vom Regen.

Fängst langsam an dich zu besinnen,

krampfhaft versuchend dem gerade Erlebten zu entrinnen,

Schmerzen, Gefühle schnell vergessen,

aufs pure Überleben versessen.

Dem Verbrechen keinen Namen geben,

denn ein Name bedeutet Leben.

Doch als letztes tief vergrabenes Detail,

kommt leider auch der Name wieder vorbei.

Packpferde Tour im Yukon

Abenteuerlust vs. Angststörung

Most people are afraid of the so called dangerous road.

They rather stay on the path everybody else had already and always taken .

Without thinking cruising canals on the hop on hop off boat,

there’ll never be an awakening .

Life is full of wonders ,

you’ll only experience when leaving the path,

although you might suffer terrible thunders,

you will be the one showing no wrath.

Be brave, explore the world,

show kindness, stay true,

Bury every kind of sword

and the world will love you.

Irgendwann entwickelte sich in mir der Traum eine Packpferde – Tour in der Wildnis Kanadas zu machen. Wo und wann diese Idee geboren wurde, weiß ich gar nicht mehr. Aber fest stand, ich wollte meinen 50. Geburtstag so erleben. Am tatsächlichen Geburtstag war ich letztlich in Marrakesch, denn diese besondere Tour in Kanada wurde nur 2x im Jahr angeboten, so dass es erst 2 Monate später auf Reisen ging. Die Reise wurde etwas komfortabler beschrieben als sie am Ende war, aber das war nicht das Problem. Mein Problem war ein ganz anderes. Ich erinnere mich nicht, ob ich es vorher auch schon in unauffälligeren Formen erlebte, aber die Reise war der Beginn meiner Angststörung, die häufiger auf Episoden der Depression folgen kann und nicht ungewöhnlich ist. Ich hatte meinen Trip alleine geplant, jedoch wollte mein jetziger Partner mich begleiten, selbst wenn wir nicht zusammen bleiben würden. Diesen Wunsch äußerte er am Beginn unseres Kennenlernens damals, so dass es tatsächlich in den Sternen stand, ob wir ein dreiviertel Jahr später ein Paar sein würden. Zum Glück konnte ich dieses Abenteuer mit ihm teilen, er stand mir in schwierigen Momenten beiseite und wir lieben uns noch heute.

Eventuell war in meinem Kopf, dass ich nach der Reise eine Operation vor mir hatte, die mir Angst machte. Auch wollten die Ärzte nicht, dass ich die Reise antrat, letztlich ging alles gut, über alles andere denke ich heute nicht mehr nach.

Der Tag war gekommen, wir gingen an Bord eines Lufthansa Fluges nach Vancouver. Sobald die Maschine die Flughöhe erreicht hatte, fing es in meinem Kopf an zu arbeiten, bis zu welchem Zeitpunkt ich den Piloten noch zur Umkehr bewegen konnte, bevor wir nur über Wasser waren. Ich bekam Herzrasen, klatschnasse Hände, meine Beine wurden taub und ich war mir sicher ich würde den Flug nicht überleben. Dieser Zustand war mir komplett neu. Ich arbeitete ja Jahre für Fluggesellschaften, war Langstreckenflüge gewohnt und liebte das Fliegen. Was den Zustand verschlimmerte war, dass ich nicht aufstehen konnte, geschweige denn aussteigen. Ich habe lange mit mir gerungen, aber dann tatsächlich die Crew über meinen Zustand informiert. Natürlich konnten sie wenig tun, hatten aber Verständnis und sahen immer wieder nach mir. Ca. 2 Stunden kämpfte ich mit der belastenden Situation, bis sich Kopf und Körper beruhigten, ich Filme schauen konnte, um mich abzulenken und wir sicher Stunden später landeten. Es war so schlimm, dass ich sofort nach Landung meinen Arbeitgeber anrief, ich könne nicht mehr zurück, da mich keine 10 Pferde mehr in ein Flugzeug bringen, obwohl ich ja eigentlich keine Flugangst hatte.

Die Angst blieb lange hängen. Die ersten Tage verbrachten wir in Vancouver. Auch dort überraschten mich immer wieder Panikattacken, die ich weder einordnen, noch begründen oder verhindern konnte. Zum Beispiel liehen wir uns Räder und mich überforderte der Verkehr in der Stadt plötzlich so sehr, dass ich absteigen und mich auf den Bürgersteig setzen musste inmitten des Chaos. Ständig hatte ich das Gefühl ich werde ohnmächtig und sterbe einfach.

Da mir nichts besseres einfiel, kaufte ich mir zumindest Bachblüten rescue Tropfen und Kaubonbons, bevor wir den Flug nach Whitehorse antraten, der aber unauffällig verlief. Whitehorse liegt am Yukon River genau da, wo während des Klondike-Goldrausches die Goldsucher die Whitehorse-Stromschnellen zu überwinden hatten. Whitehorse ist seit 1953 die Hauptstadt des Yukon-Territorium. Mit einer Mainstreet ist die Stadt sehr übersichtlich. Im Winter ist die Stadt auch Startpunkt des Hundeschlittenrennens, dem Yukon Quest, an dem auch unsere Gastgeberin Jocelyn auf der eineinhalb Stunden entfernten Sky High Wilderness Ranch am Fish Lake erfolgreich teilnahm. Wir wurden freundlich von Gary am Flughafen in Emfang genommen und fuhren mit einem Pick up auf unbefestigten Wegen zur Ranch. Gary ist der Betriebsleiter bei Sky High. Er beaufsichtigt den Betrieb der Touren sowie die Konstruktion und das Personalmanagement. Er ist ein begeisterter Jäger und Angler und seine Liebe zur Natur hilft ihm, dem Motto treu zu bleiben, die „Wildnis“ in all den Touren lebendig zu halten.

Ab Ankunft hieß es dann für die nächsten 10 Tage kein Strom und kein fließend Wasser. Wir lernten unsere Gruppe kennen, die ich sehr schätzen lernte in unserer gemeinsamen Zeit. Ein pensionierter amerikanischer Feuerwehrmann, der selbst Pferde besaß, eine junge Französin, die die Tour unterstützte und eine junge Schweizerin. Und natürlich am wichtigsten; Ian unser Guide. Ursprünglich aus Kalifornien stammend, kam Ian 1974 im Alter von 20 Jahren in den Yukon. Er ist ein echter Yukon-Cowboy, der schon lange hier lebt. Er ist ein erfahrener Trapper, Musher und Pferdemann. Die Gegend um den Fish Lake ist sein Revier und er kennt jeden Trail, jeden Bach und jeden Berg. Auch ihn mochte ich sehr. Zwei Nächte blieben wir auf der Ranch, lernten uns und die Pferde kennen, unternahmen Tagesausritte, bevor es auf den längeren Trip mit Übernachtungen im Zelt losging. Untergebracht waren wir auf der Ranch in einfachen Zimmern, draußen auf dem Gelände waren zwei „outhouses“(WC), zum Waschen erhitzten wir uns Wasser über dem Ofen.

Auf der Ranch waren auch ca. 150 Schlittenhunde untergebracht. Jedes Mal zur Fütterungszeit wurde es laut. Ein Partner der Ranch ist nämlich Jocelyn Leblanc. Sie ist in New Brunswick aufgewachsen und kam vor mehr als 13 Jahren in den Yukon. Sie hat ca. 44 Hunde, einschließlich ihres Rennteams, und nahm 2010 am Yukon Quest teil, wo sie sowohl den „Red Lantern Award“ als auch den „Challenge of the North Award“ für das Absolvieren des Quest von Dawson City mit nur 7 Hunden gewann.

Die Pferde dort leben von ca. Oktober an in der Wildnis und werden im Mai zur Ranch geholt. Sie sind sehr trittfest und robust. Meine Pferde zuhause waren Dressurpferde mit guter Abstammung, aber sehr empfindlich und haben in den Jahren viel Tierarztkosten verschlungen. Mir wurde die 4 jährige Stute „Cricket“ zugeteilt und ich mochte sie sofort. Zelte, Schlafsäcke, Kochgeschirr und Lebensmittel wurden verpackt und auf 4 Packpferde verteilt. An unseren Sätteln waren lediglich noch kleine Satteltaschen befestigt. In einer greifbar waren meine rescue drops verstaut, ansonsten die neue Outdoor Kamera und ein Regenponcho, den wir leider häufig brauchten. Das Reiten in der kleinen Gruppe war sehr entspannt und ruhig. Jeder war in Gedanken und ergriffen von der Weite. In den kommenden Tagen begegneten wir niemand. Wir ritten stundenlang auf unbefestigtem Terrain, Wege existierten nicht. Teilweise waren die Büsche genauso hoch wie wir auf den Pferden und schlugen uns gegen die Körper. Wir ritten durch Wasser, an Bergkämmen entlang; teilweise bis zu 8 Stunden am Tag. Auch wenn ich zuhause täglich ritt, war dies nicht zu vergleichen. Es war so anstrengend, dass ich, wenn ich abstieg, richtig zittrige Beine hatte. Wir ritten bei strömenden Regen im Wechsel mit Sonnenschein, im Großen und Ganzen war es aber nass und kühl. Die Landschaft war beeindruckend, auch wenn ich vorher schon in Nordamerika war und Weiten erfahren habe, hier im Yukon ist es noch einmal ganz anders. Wenn wir einen Rastplatz erreicht hatten, sattelten wir die Pferde ab, banden sie fest und widmeten uns den Packpferden, um Lebensmittel, Geschirr, Zelte, usw. abzuladen. Teilweise übernachteten wir bei einer Hütte, sobald man hinein schaute, war aber schnell klar, dass das Zelt die bessere Wahl war. Zumindest waren unsere Sachen ab und zu im Trockenen. Abends bereiteten wir eine einfache gemeinsame Mahlzeit über dem Feuer vor und plauderten angenehm. Jeden Morgen brauchte es einige Zeit, bis wieder alles in die Container verräumt war und auf den Packpferden verzurrt war. Meine Cricket war immer schnell gesattelt und gezäumt, leider dauerte es ihr jedoch einen Morgen alles in allem zu lange und sie legte sich gesattelt noch einmal hin und zerquetschte dabei meine neue outdoor Camera, die ihr Gewicht leider nicht aushielt. Das war Pech. Die Strecke wird vorher nicht einmal probeweise abgeritten, so dass es jedes Jahr im Frühsommer zu Überraschungen kommt, da die Biber lange Zeit haben ganze Arbeit zu leisten. Übrigens muss das Wasser immer gefiltert werden, sonst läuft man Gefahr am „beaver fever“ zu erkranken. Durch den großflächigen Umbau der Biber in der Natur, gerieten wir plötzlich in sumpfiges Gelände. Mit Entsetzen sah ich vor mir die Packpferde einsinken und in Panik geraten. Es war ein wahnsinniges Durcheinander, irgendwie schafften sie sich aber aus der Situation zu befreien. Auch das Pferd meines Partners geriet in den Sumpf und sank mit den Hinterbeinen tief ein. Es ist ein fürchterliches Gefühl auf dem Pferd dahinter zusehen zu müssen und nichts tun zu können, außer sich einen anderen Weg zu überlegen. Mein Partner sprang vom Pferd auf ca. einen m² festeren Boden und konnte sich und sein Pferd retten. Auf dem gesamten Trip verließ ich mich auf meine junge Stute und überließ ihr in Gefahrensituationen die Wahl des Weges und sie lag immer richtig, denn wir beide waren nie in einer misslichen Lage. Ein bisschen anstrengender zu handeln war sie tatsächlich nur einmal an einem See bei schwülem Wetter, da die Mücken sie ärgerten.

Die meiste Zeit ging es mir sehr gut während des Trips. Manchmal machte mir die Höhe und Weite Angst und ich beruhigte mich mit einem Griff in die Satteltasche nach meinen rescue drops. Und wenn es nur der Glaube daran war, Schlimmeres konnte ich immer abwenden. Die Tage auf den Pferden durch die Gegend zu ziehen, insgesamt wenig Worte zu verlieren, hatte etwas Meditatives und genau so hatte ich es mir auch vorgestellt. Mit meiner kleinen Stute Cricket fühlte ich eine Einheit und genoss die Zeit mit ihr. Ein Tag jedoch überforderte mich völlig, ich verlor meinen Mut, war mit meinen Kräften am Ende und wäre die Chance da gewesen, hätte ich nicht nein gesagt, hätte es ein Angebot gegeben, dass ein Helikopter mich ausfliegt. Aber mitten in der Wildnis gibt es kein Zurück, ich musste mich meinen Ängsten stellen. Wir hatten einen Tagesritt in strömendem Regen, es war nasskalt, ich fror und hatte keine Lust mehr. Das ist noch zu steuern, in emotionale Panik geriet ich aber, als wir hoch oben auf einem Bergkamm ritten. Rechts und links metertiefer Abgrund, der Boden völlig aufgeweicht. Vor mir sah ich die beladenen Packpferde auf dem schmalen Grad, die Schweife aneinander gebunden, und ich stellte mir vor, eines rutscht aus und zieht alle miteinander in die Tiefe. In mir steigerte sich die Angst, es gab jedoch keine Chance die Situation zu verlassen, ich musste mich ihr ergeben. Heute kann ich es gut akzeptieren, wenn ich eine depressive Episode habe, diese anzunehmen und auszusitzen. Ich weiß es passiert mir nichts. Aber aus einer Panikattacke auszusteigen, gelingt mir bis heute nicht. Dieses Mal zumindest gab es für meine Angst einen Grund. Es kam viel zusammen. Mein Körper war von den Strapazen geschwächt, ich war durchnässt und fror, es gab keine Aussicht auf Besserung des Wetters und den Bergkamm hatten wir auch lange noch nicht verlassen. Die nächste Rast und Nacht war an einem Fluss geplant, sicher einmalig schön, aber nicht im strömenden Regen. Schnell halfen wir uns gegenseitig die Zelte aufzubauen. Ich verkroch mich in den Schalfsack, nichts war mehr trocken, essen wollte ich auch nichts, nur weinen und mich am liebsten nach Hause in mein Bett beamen und an einem sicheren Ort aufwachen. Matt, der pensionierte Feuerwehrmann aus Ohio, schaffte es irgendwie für uns bei strömenden Regen Hühnchen mit Brokkoli zu kochen und brachte mir einen Teller ins Zelt. Ich aß ein paar Bissen und war ihm sehr dankbar. Einmal musste ich noch raus in den strömenden Regen um Pipi zu machen. Ich traf auf unseren Guide und sprach ihn auf meine Ängste an, sagte ihm, dass es mir nichts ausmacht 8 oder 10 Stunden im Sattel zu sein, aber, dass ich mittlerweise um mein Leben fürchte, aufgrund des durchweichten Bodens überall. Im Gegensatz zu mir, nahm er meine Ängste nicht sehr ernst, was vielleicht die richtige Einstellung in dem Moment war und entgegnete mir stattdessen nur: „Ach Andrea, ich war hier schon bei Eis und Schnee tagelang unterwegs. Mach dir keine Sorgen“. Natürlich auf Englisch. Gut, ca. 50 Jahre ritt er dort durch die Gegend, das war sein Leben. Was blieb mir übrig, ich musste die Situation akzeptieren und vor allem mich auch darauf einlassen. Immer noch frierend und etwas resignierend verzog ich mich wieder in mein Zelt und hatte zum Glück meinen geliebten Menschen neben mir. Die Nacht war kurz, aufgeregte Rufe weckten uns. Drei der Packpferde rissen sich in der Nacht los, wir banden sie immer mit langen Stricken an Büschen fest und waren über alle Berge. Die junge Französin, die die Tour mit begleitete sattelte schnell ihren Schecken und galoppierte los. Kurz wurde darüber diskutiert, ob ich mit Cricket folgen sollte. Manchmal fragte ich mich schon, ob die Summe für die Reise gerechtfertigt war 😉 Unser Guide bereitete sich aber auch schon vor. Durch einen Reitunfall war er ein wenig eingeschränkt, was seine Beweglichkeit anging. Also entschied ich ihn zu unterstützen und sein Pferd zu satteln. Ich weiß nicht mehr wie viel Zeit verging, jedoch tauchten die Pferde über die Bergkuppen wieder auf und alles in allem mussten wir nur etwas Zeit aufholen um das Tagesziel zu erreichen. Abgelenkt von der nächsten Aufregung war meine Angst verschwunden. Außerdem regnete es nicht mehr. Meine Stute war trittsicher. Eigentlich erinnerte sie mich mehr an eine Gemse, wie sie sich mit dieser Leichtigkeit im Gebirge bewegte. Wenn es bergauf ging, warteten wir ab, bis alle Pferde im Schritt oben waren, dann galoppierte sie hinterher. Das machte nicht nur mir, sondern scheinbar auch ihr sehr viel Spaß. Es ist schon ein seltsames Gefühl wenn man sich tagelang mitten in der Wildnis ohne Straßen, Wege oder Begegnungen bewegt. Das kann Angst machen. Später erfuhr ich, dass wir ein Satellitentelefon für den Notfall dabei hatten. Am letzten Tag wurden die Pferde etwas schneller, es ging zurück zur Ranch. Der Ofen wärmte in der Hütte, über dem Feuer heizten wir den Wassersack und wir alle konnten endlich duschen. Jetzt war sogar das Outhouse (Außen WC/Plumpsklo) ein Luxus. Jocelyn hatte gekocht und wir saßen wieder an einem Tisch und nicht mehr auf nassem Boden. Ich erinnere mich noch gut,dass außer unserer zurückkehrenden Gruppe noch eine australische Dame für eine Nacht Gast auf der Ranch war und wie sie mir nach den ruhigen 10 Tagen in der Natur, mit ihrem unwichtigen Geplapper über ihren Job auf die Nerven ging. Vielleicht war ich aber auch nur übermüdet und entkräftet. Am nächsten Tag verließen wir die Ranch um noch eine Nacht im einzigen Hotel auf der Mainstreet in Whitehorse zu übernachten. Weiße Bettwäsche und eine richtige Dusche taten gut. Am späten Nachmittag gönnten wir uns Bier und Fischburger im Klondike Rib & Salmon. Wir waren noch immer sehr ruhig und ließen die Zeit etwas Revue passieren. Am liebsten hätte ich Cricket mit nach Hause genommen, aber damit hätte ich ihr keinen Gefallen getan. Der Rückflug stellte sich für mich nicht als Problem dar. Im Anschluß wurde ich erfolgreich operiert. Die Angststörung ist mir zuhause mit immer wieder kehrenden Panikattacken geblieben und war nur medikamentös zu lösen, letzlich. Diese Reise war besonders und gerne möchte ich wieder an besondere Orte reisen und auch Abenteuer erleben. Ich hatte mir überlegt, ob ich an den Reiseanbieter ein paar Zeilen richte, denn die Reise war nicht wie beschrieben. Aber auf der anderen Seite war es schließlich unwichtig, denn der Trip bot so viel mehr. Die Tour, welche sowieso nur 2 mal im Jahr stattfand wurde eingestellt. Das macht die Teilnahme noch einmal besonders. Ich könnte noch sehr viel von Eindrücken der Reise schreiben, auch von all den vielen Tieren, die uns in freier Wildbahn begegnet sind, aber wichtig ist mir mit diesem Bericht zu betonen, dass wir so viel stärker sind, als wir es von uns selbst glauben. Wir alle können gewohnte Pfade verlassen, um noch einmal auf meine Anfangszeilen zurück zu kommen, und manchmal ist es auch notwendig um im Leben weiter zu kommen. Und für uns alle, die mit psychischen Erkrankungen kämpfen: es ist nicht das „Aus“. Wir können trotzdem herrliche Dinge erleben und erlernen mit der Erkrankung zu leben.

Das Leben ist nicht einfach mein Kind; aber fass‘ dir ein Herz, es kann herrlich sein!