Gedanken bloß – just thoughts – Part III

Ich hasse eine gewisse Arroganz mancher Personen,

sich in einem klitzekleinen Bereich des Universums

vielleicht ein wenig auszukennen, aber ernsthaft

glauben in der gesamten Welt somit zu wohnen.

„Bayrisch großkopfert“ jeden anderen zu überrennen,

um sich schulterklopfend für tatsächlich nichts zu entlohnen.

Februar 2017

Ich würde in den Erdboden versinken,

würde ich weiterhin Thesen vertreten,

die in den Himmel stinken.

Aber bevor ein jener Fehler einsieht

und „falsches“ Denken revidiert,

bleibt er lieber stur und konsterniert.

Februar 2017

Ich wünschte so sehr die Menschen würden zu ihren Fehlern stehen,

hätten ein Einsehen, statt stur ihren Weg zu gehen,

würden die Sachlage überdenken,

und aufgrund überzeugender Argumente

schließlich einlenken,

sich den Themen annehmen und

selbstverständlich auch den richtigen Weg gehen.

März 2017

Statt Verantwortung zu übernehmen,

rechtfertigt sich der Erwachsene

er sei in der Analysephase!

Herr im Himmel, welch eine Phrase!

Steh für deine Meinung, rede nicht drumherum

und vor allem form keine Blase.

März 2017

Natürlich kann man immer den anderen verfluchen,

der es wagt die eigene Seele zu besuchen;

einem den Spiegel vorhält,

was natürlich unter Umständen quält.

Der beginnt sich umzusehen

und schon wird es unbequem,

imstande eine Meinung zu bilden,

einzudringen in persönliche Gefilden.

Schon wird es ungemütlich,

denn, nicht unbedingt reagiert er gütlich.

Deshalb besser die eigene Meinung überdenken.

Später muss man sich dann nicht verrenken.

März 2017

Bevor du nur postest virtuell,

gestalte doch dein Leben individuell!

Lass dies allgemein gelten:

„posts“, „likes“ und „memes“,

es dauert nicht lange und sie verwelken!

März 2017

Ein Problem,

wird es zu extrem,

entwickelt ein Ekzem.

Entzündet sich und blüht,

auch wenn ihm eigentlich keine Achtung gebührt.

Stattdessen man es im Keim erstickt

und sich an schönen Dingen erquickt.

Mai 2017

Viele sind einfach uneinsichtig,

nehmen sich selbst allzu wichtig.

Im Zusammenleben geht es aber um mehr,

In einer Partnerschaft schießt keiner quer!

Egoismus ist hier nicht gefragt,

keiner der über den anderen hinausragt.

September 2017

Gedanken bloß – just thoughts – Part II

I am in desperate tears
full of fears
no one in that damn universe
my love deserves
move on like always
still hope for the moment
when it all begins
counting days until love wins
waiting for freedom
past is gone
soul and spirit become one
the battle is won
finally finding peace
what a perfect release
forever sheltered retreat

Oktober 2017

no more expectations
here comes reality
no romatic occasions
because of lack of abililty
love comes in different ways
not everybody is ready to even know
but anyway maybe there’ll be days
when you’re all able to show

Oktober 2016

I wish for the day
not only hoping to see stars shining
but really feeling them
without denying
to end my desperate rhyming

Oktober 2016

different characters but they do get along
they don’t even question
there is no wrong
they follow their own path
accepting each other
no need for math
if just the world would learn and accept
instead of worrying and remaining in depth
we could live peaceful in harmony
whishing the whole world would agree

Februar 2017

there is that moment in life
front row pool position
that feeling you completed your mission
all others still fighting their race
but you keep calm enjoying that lovely place
completely satisfied by the moment
in deep trust it will never end

Juni 2017

I’m more of the giving person
althoug knowing to not expect the same of others
it teaches me a lesson
stop giving and others will realize it bothers
when there is nothing they get in return
they can deal with it for quite some time
but it won’t take long until their heart will burn
and it’ll all come to a rhyme
life is not worth living to act on your own
only together we will wear the crown
enjoy life to the fullest
make sure you care for each other to the deepest

August 2017

Von der Liebe … (1)

Erwachen

Was, wenn es jemanden gibt,

der dich erwachen lässt,

längst Vergessenes ausgräbt,

dich dabei hält, ganz fest?

Wirst du erste Schritte wagen,

ungeschickt auf Zehenspitzen,

Gefühle, die begraben waren

aus der Dunkelheit empor blitzen?

Beschützt in seinen Armen;

vertrauensvoll lehnst du dich an.

Das Glück, es kommt in allen Farben.

Endlich, endlich bist du dran!

Lange hast du sehnsüchtig gewartet,

hast es selbst nicht mehr geglaubt.

Ketten los, es wird gestartet,

lass‘ zurück, was grau und eingestaubt!

Neugierig beginnt die Reise.

Hoffst, dass es sich lohnt,

wenn auch zaghaft leise,

ein Herz, das bei dir wohnt.

(2013)

B e r l i n

Gedanken bloß – just thoughts – Part I

Mailand 2016

Nicht steht mir zu, über eines andern Leben zu urteilen! Für mich allein muß ich urteilen, muß ich wählen, muß ich ablehnen.– Hermann Hesse, Siddhartha

Unkommentiert liste ich einige Gedankengänge auf. Ich möchte sie nicht verloren wissen, sind sie doch ein Teil von mir …

August 2016

Liebe Menschen brennt doch für etwas,

etwas, das euch leben lässt.

Schenkt euer Herz, widmet jeden Gedanken,

kreiert und zelebriert euer eigenes Fest.

September 2016

Ich wünsche mir so sehr,

dass die Menschheit aufmerksamer wär‘.

So vieles ist uns eine Lehre,

genau hinschauen ist das Gebot,

zu erkennen des Einzelnen Not.

Aber auch zu unterscheiden,

wer nur vorgibt zu leiden;

uns nicht blenden lassen von Täuschungen aller Art,

ein tatsächlicher Balanceakt von schwierigem Grad.

Oktober 2016

Schnell abbrechen bevor Tränen dich hindern zu sprechen,

Gefühle hoch kommen die dich ersticken.

Enttäuschungen schnell ablegen,

bevor Situationen noch mehr bewegen.

Liebe nicht wirklich zu empfangen,

nur Worte, die tiefes Empfinden nicht erlangen.

Wenn Menschen sich begegnen mag vieles unterschiedlich sein,

doch statt ständig zu regnen,

sollte überwiegen der Sonnenschein.

November 2016

Ich wünsche mir Vertrauen zu finden,

sollte ich mich wirklich binden.

Möchte Verlässlichkeit erfahren,

sonst fühle ich mich hintergangen und verraten.

November 2016

Einfacher ist es zu schweigen,

doch für mich bedeutet es zu leiden.

Die Welt nicht mehr versuchen zu verbessern,

die Menschen belassen in ihren trüben Gewässern.

Zusehen wie Werte und Tugenden verblassen,

und dennoch den Menschen sich selbst überlassen.

Erkennen wo die Mängel der Gesellschaft liegen,

aber einfacher ist, man bleibt verschwiegen.

So leicht es ist zu erkennen,

die Dinge beim Namen zu nennen.

Doch ist man ehrlich und direkt,

das Antlitz des anderen somit befleckt,

hat man selbst den Ärger und liegt im Dreck!

Noch stelle ich mich dem trotzdem,

bleibe laut und unbequem.

So passiert das immer wieder;

ich weiß, jährlich erblüht der Flieder.

Dezember 2016

Nur auf den eigenen Vorteil bedacht

lassen Menschen vieles außer Acht,

die Liebe in unserem Leben

ist nicht nur unser eigenes Streben.

Der fast vergessene Name

Wie fange ich an? Noch kenne ich auch gar nicht meine Intention, warum ich diesen Text schreibe. Aus Anklage? Nein, das ist nicht der Grund. Eher um mit meiner Einzeldarstellung die Debatte, die der Mordfall einer jungen Frau auf ihrem Nachhausesweg in Großbritannien und in vielen anderen Teilen der Welt ausgelöst hat zu unterstreichen. Der Fall, der leider kein Einzelfall ist, zog so viel Aufmerksamkeit auf sich, vor allem wegen der Reaktion einzelner Männer und Behörden. Es geht nicht um die Frage, warum eine Frau im Dunkeln noch so spät unterwegs ist oder sich in einsamen Gegenden aufhält. Es steht auch nicht zur Diskussion was sie getragen hat. Nicht Frauen müssen ihr Verhalten ändern, sondern Männer! Laut einer von der britischen Vertretung von UN Woman veröffentlichen Studie haben 97 Prozent aller Frauen zwischen 18 und 24 Jahren schon sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum erfahren. Dass dieses Problem nicht allein ein britisches, sondern ein weltweites ist, sollte klar sein. Es gibt kein Land, in dem es keine patriarchale Gewalt gibt. Es gibt Empfehlungen, wie man sich als Frau verhalten soll, wenn es mulmig wird; z.B. eine aufrechte Haltung einnehmen, mitten auf dem Bürgersteig gehen, nicht an der Häuserwand entlang schleichen, nicht stimmlich einknicken und den Mut haben wirklich sehr laut um Hilfe zu schreien. Dennoch kann dies in einer Gesellschaft, in der alle Menschen sich gleich wohl fühlen sollten, wenn sie draußen sind, keine Lösung sein. Als meine Tochter zum Studium nach Berlin zog, hatte ich anfangs Angst, wenn sie nachts alleine in ihre WG zurückkehrt. Mittlerweile denke ich persönlich, dass es in einer Großstadt fast sicherer ist, als auf dem Dorf, da dort auch nachts noch viel mehr Bewegung ist. Und es gibt Städte, in denen U-Bahn Stationen um Mitternacht belebter sind als um 11 Uhr morgens, so ging es mir zumindest in Madrid, als ich alleine die Stadt erkundete und mich auch nachts nicht unsicher fühlte. Eine gute Initiative ist das deutschlandweite Heimwegtelefon. Das Heimwegtelefon ist ein Service bei dem man nachts anrufen kann, wenn man sich auf dem Nachhauseweg unsicher fühlt. Am Telefon wird man von einem* einer Ehrenamtlichen bis nach Hause begleitet. Erreichbar Sonntag bis Donnerstag von 18 bis 00 Uhr und Freitag bis Samstag von 18 bis 03 Uhr unter 030 12074182.

Warum kam das Thema bei mir plötzlich auf? In der Regel habe ich keine Angst. Immer war ich auch alleine tief im Wald unterwegs, ob mit dem Fahrrad oder regelmäßig zum Joggen. Zwar ist meistens mein Hund dabei, aber mit 22 kg kann der nicht viel ausrichten, sollte ich in eine brenzliche Lage kommen. Gestern aber hatte ich eine so seltsame und ungewöhnliche Begegnung im Wald, die mir Angst machte und ich eine Weile überlegen musste, warum ich so getriggert wurde, denn die Situation war nicht beängstigend, sondern einfach nur völlig fremd. In New York hätte ich mich vielleicht nicht so sehr gewundert, aber im beschaulichen Seligenstadt schon. Nach der Begegnung mit der auffälligen Person musste ich googeln, was dahinter steckt und bekomme jetzt eventuell Werbung diesbezüglich, was mich jedoch in keinster Weise betrifft. Da ich kurzsichtig bin, konnte ich anfangs nur erkennen, dass die Person von großer Statur ist und sich anders bewegt. Ich dachte an einen älteren Herrn, der eventuell mit Gewichten an den Handgelenken läuft, so wie ich das tue. Er schien fast ein wenig Roboter gleich. Da ich weiß, dass meine Hündin oft ängstlich reagiert, wenn jemand sehr groß ist und dazu dunkle Kleidung trägt, nahm ich sie näher zu mir. Je näher mir die Person auf dem Waldweg kam, desto befremdlicher wurde das Erscheinungsbild. Erst in unmittelbarer Nähe konnte ich mir ein genaues Bild machen, auch wenn ich mich scheute, die Person genau zu betrachten. Ich weiß nicht ob ich nur erstaunt schaute oder verängstigt, jedenfalls grüßte ich mit einem freundlichen „Hallo“ und bekam im Gegenzug ein kurzes Winken mit dem Vorderhuf zurück. Ja, mit einem der beiden Hufe, denn die Person war, zwar aufrecht gehend, als Pferd unterwegs! Der komplette Körper, auch Kopf und Gesicht, waren in einem schwarzen Ganzkörper Latexanzug. Auf dem Kopf trug der Mann eine lange helle Mähne, in gleicher Farbe war der Schweif hinten. Er atmete schwer. Auch Gurte und Karabiner trug er mit sich. Meine Hündin reagierte seltsamerweise gar nicht, obwohl sie mich regelmäßig anbellte, wenn ich im Faschingskostüm die Treppe herunter kam. Ich war jedenfalls total perplex und überfordert mit der Begegnung. Ich las nach, dass sich dieser Fetisch „Pony Play“ nennt und die Fans die Charaktereigenschaften des dargestellten Tieres übernehmen. Gut, wäre dies geklärt, an dieser Stelle. Trotz allem beschäftigte mich die Begegnung noch den ganzen Nachmittag und erst am Abend konnte ich mir erklären, warum diese Situation mich so nachdenklich machte.

Nach einer Begegnung mit einem maskierten Mann vor Jahren ist mir diese eine Angst geblieben. Sobald das Gesicht eines Menschen nicht zu erkennen ist, bin ich handlungsunfähig, versteinert. Und gestern wurde ich durch das harmlose Pferd im Wald daran erinnert. Und hier komme ich auf mein eigentliches Thema zurück. Aus gewaltsamen Begegnungen mit Männern bleibt eine Bandbreite von, milde ausgedrückt, unschönen Erinnerungen. Selbst wenn eine Frau körperlich relativ unverletzt bleibt, bleibt die seelische Grausamkeit ein Thema und verheilt nie vollständig. Ich möchte dies hier nicht vertiefen, aber unsere Gesellschaft sollte alles dafür tun, dass Frauen und Kinder sicherer vor Gewalt geschützt sind.

Der fast vergessene Name

Was erfolgreich Jahre schien verdrängt,

sich plötzlich schonungslos mit Gewalt aufzwängt.

Stück für Stück kommt die Erinnerung,

nackt und hilflos ohne Linderung.

Angstvolle Minuten, Stunden kehren zurück,

kaum zu ertragen dieses Unglück.

Verletzlich wie ein angeschossenes Reh,

bist du am Boden; alles tut dir weh.

Im Dunklen völlig orientierungslos,

allein gelassen, zerbrechlich und hilflos

kannst du dich kaum bewegen,

frierend auf feuchtem Laub vom Regen.

Fängst langsam an dich zu besinnen,

krampfhaft versuchend dem gerade Erlebten zu entrinnen,

Schmerzen, Gefühle schnell vergessen,

aufs pure Überleben versessen.

Dem Verbrechen keinen Namen geben,

denn ein Name bedeutet Leben.

Doch als letztes tief vergrabenes Detail,

kommt leider auch der Name wieder vorbei.

Packpferde Tour im Yukon

Abenteuerlust vs. Angststörung

Most people are afraid of the so called dangerous road.

They rather stay on the path everybody else had already and always taken .

Without thinking cruising canals on the hop on hop off boat,

there’ll never be an awakening .

Life is full of wonders ,

you’ll only experience when leaving the path,

although you might suffer terrible thunders,

you will be the one showing no wrath.

Be brave, explore the world,

show kindness, stay true,

Bury every kind of sword

and the world will love you.

Irgendwann entwickelte sich in mir der Traum eine Packpferde – Tour in der Wildnis Kanadas zu machen. Wo und wann diese Idee geboren wurde, weiß ich gar nicht mehr. Aber fest stand, ich wollte meinen 50. Geburtstag so erleben. Am tatsächlichen Geburtstag war ich letztlich in Marrakesch, denn diese besondere Tour in Kanada wurde nur 2x im Jahr angeboten, so dass es erst 2 Monate später auf Reisen ging. Die Reise wurde etwas komfortabler beschrieben als sie am Ende war, aber das war nicht das Problem. Mein Problem war ein ganz anderes. Ich erinnere mich nicht, ob ich es vorher auch schon in unauffälligeren Formen erlebte, aber die Reise war der Beginn meiner Angststörung, die häufiger auf Episoden der Depression folgen kann und nicht ungewöhnlich ist. Ich hatte meinen Trip alleine geplant, jedoch wollte mein jetziger Partner mich begleiten, selbst wenn wir nicht zusammen bleiben würden. Diesen Wunsch äußerte er am Beginn unseres Kennenlernens damals, so dass es tatsächlich in den Sternen stand, ob wir ein dreiviertel Jahr später ein Paar sein würden. Zum Glück konnte ich dieses Abenteuer mit ihm teilen, er stand mir in schwierigen Momenten beiseite und wir lieben uns noch heute.

Eventuell war in meinem Kopf, dass ich nach der Reise eine Operation vor mir hatte, die mir Angst machte. Auch wollten die Ärzte nicht, dass ich die Reise antrat, letztlich ging alles gut, über alles andere denke ich heute nicht mehr nach.

Der Tag war gekommen, wir gingen an Bord eines Lufthansa Fluges nach Vancouver. Sobald die Maschine die Flughöhe erreicht hatte, fing es in meinem Kopf an zu arbeiten, bis zu welchem Zeitpunkt ich den Piloten noch zur Umkehr bewegen konnte, bevor wir nur über Wasser waren. Ich bekam Herzrasen, klatschnasse Hände, meine Beine wurden taub und ich war mir sicher ich würde den Flug nicht überleben. Dieser Zustand war mir komplett neu. Ich arbeitete ja Jahre für Fluggesellschaften, war Langstreckenflüge gewohnt und liebte das Fliegen. Was den Zustand verschlimmerte war, dass ich nicht aufstehen konnte, geschweige denn aussteigen. Ich habe lange mit mir gerungen, aber dann tatsächlich die Crew über meinen Zustand informiert. Natürlich konnten sie wenig tun, hatten aber Verständnis und sahen immer wieder nach mir. Ca. 2 Stunden kämpfte ich mit der belastenden Situation, bis sich Kopf und Körper beruhigten, ich Filme schauen konnte, um mich abzulenken und wir sicher Stunden später landeten. Es war so schlimm, dass ich sofort nach Landung meinen Arbeitgeber anrief, ich könne nicht mehr zurück, da mich keine 10 Pferde mehr in ein Flugzeug bringen, obwohl ich ja eigentlich keine Flugangst hatte.

Die Angst blieb lange hängen. Die ersten Tage verbrachten wir in Vancouver. Auch dort überraschten mich immer wieder Panikattacken, die ich weder einordnen, noch begründen oder verhindern konnte. Zum Beispiel liehen wir uns Räder und mich überforderte der Verkehr in der Stadt plötzlich so sehr, dass ich absteigen und mich auf den Bürgersteig setzen musste inmitten des Chaos. Ständig hatte ich das Gefühl ich werde ohnmächtig und sterbe einfach.

Da mir nichts besseres einfiel, kaufte ich mir zumindest Bachblüten rescue Tropfen und Kaubonbons, bevor wir den Flug nach Whitehorse antraten, der aber unauffällig verlief. Whitehorse liegt am Yukon River genau da, wo während des Klondike-Goldrausches die Goldsucher die Whitehorse-Stromschnellen zu überwinden hatten. Whitehorse ist seit 1953 die Hauptstadt des Yukon-Territorium. Mit einer Mainstreet ist die Stadt sehr übersichtlich. Im Winter ist die Stadt auch Startpunkt des Hundeschlittenrennens, dem Yukon Quest, an dem auch unsere Gastgeberin Jocelyn auf der eineinhalb Stunden entfernten Sky High Wilderness Ranch am Fish Lake erfolgreich teilnahm. Wir wurden freundlich von Gary am Flughafen in Emfang genommen und fuhren mit einem Pick up auf unbefestigten Wegen zur Ranch. Gary ist der Betriebsleiter bei Sky High. Er beaufsichtigt den Betrieb der Touren sowie die Konstruktion und das Personalmanagement. Er ist ein begeisterter Jäger und Angler und seine Liebe zur Natur hilft ihm, dem Motto treu zu bleiben, die „Wildnis“ in all den Touren lebendig zu halten.

Ab Ankunft hieß es dann für die nächsten 10 Tage kein Strom und kein fließend Wasser. Wir lernten unsere Gruppe kennen, die ich sehr schätzen lernte in unserer gemeinsamen Zeit. Ein pensionierter amerikanischer Feuerwehrmann, der selbst Pferde besaß, eine junge Französin, die die Tour unterstützte und eine junge Schweizerin. Und natürlich am wichtigsten; Ian unser Guide. Ursprünglich aus Kalifornien stammend, kam Ian 1974 im Alter von 20 Jahren in den Yukon. Er ist ein echter Yukon-Cowboy, der schon lange hier lebt. Er ist ein erfahrener Trapper, Musher und Pferdemann. Die Gegend um den Fish Lake ist sein Revier und er kennt jeden Trail, jeden Bach und jeden Berg. Auch ihn mochte ich sehr. Zwei Nächte blieben wir auf der Ranch, lernten uns und die Pferde kennen, unternahmen Tagesausritte, bevor es auf den längeren Trip mit Übernachtungen im Zelt losging. Untergebracht waren wir auf der Ranch in einfachen Zimmern, draußen auf dem Gelände waren zwei „outhouses“(WC), zum Waschen erhitzten wir uns Wasser über dem Ofen.

Auf der Ranch waren auch ca. 150 Schlittenhunde untergebracht. Jedes Mal zur Fütterungszeit wurde es laut. Ein Partner der Ranch ist nämlich Jocelyn Leblanc. Sie ist in New Brunswick aufgewachsen und kam vor mehr als 13 Jahren in den Yukon. Sie hat ca. 44 Hunde, einschließlich ihres Rennteams, und nahm 2010 am Yukon Quest teil, wo sie sowohl den „Red Lantern Award“ als auch den „Challenge of the North Award“ für das Absolvieren des Quest von Dawson City mit nur 7 Hunden gewann.

Die Pferde dort leben von ca. Oktober an in der Wildnis und werden im Mai zur Ranch geholt. Sie sind sehr trittfest und robust. Meine Pferde zuhause waren Dressurpferde mit guter Abstammung, aber sehr empfindlich und haben in den Jahren viel Tierarztkosten verschlungen. Mir wurde die 4 jährige Stute „Cricket“ zugeteilt und ich mochte sie sofort. Zelte, Schlafsäcke, Kochgeschirr und Lebensmittel wurden verpackt und auf 4 Packpferde verteilt. An unseren Sätteln waren lediglich noch kleine Satteltaschen befestigt. In einer greifbar waren meine rescue drops verstaut, ansonsten die neue Outdoor Kamera und ein Regenponcho, den wir leider häufig brauchten. Das Reiten in der kleinen Gruppe war sehr entspannt und ruhig. Jeder war in Gedanken und ergriffen von der Weite. In den kommenden Tagen begegneten wir niemand. Wir ritten stundenlang auf unbefestigtem Terrain, Wege existierten nicht. Teilweise waren die Büsche genauso hoch wie wir auf den Pferden und schlugen uns gegen die Körper. Wir ritten durch Wasser, an Bergkämmen entlang; teilweise bis zu 8 Stunden am Tag. Auch wenn ich zuhause täglich ritt, war dies nicht zu vergleichen. Es war so anstrengend, dass ich, wenn ich abstieg, richtig zittrige Beine hatte. Wir ritten bei strömenden Regen im Wechsel mit Sonnenschein, im Großen und Ganzen war es aber nass und kühl. Die Landschaft war beeindruckend, auch wenn ich vorher schon in Nordamerika war und Weiten erfahren habe, hier im Yukon ist es noch einmal ganz anders. Wenn wir einen Rastplatz erreicht hatten, sattelten wir die Pferde ab, banden sie fest und widmeten uns den Packpferden, um Lebensmittel, Geschirr, Zelte, usw. abzuladen. Teilweise übernachteten wir bei einer Hütte, sobald man hinein schaute, war aber schnell klar, dass das Zelt die bessere Wahl war. Zumindest waren unsere Sachen ab und zu im Trockenen. Abends bereiteten wir eine einfache gemeinsame Mahlzeit über dem Feuer vor und plauderten angenehm. Jeden Morgen brauchte es einige Zeit, bis wieder alles in die Container verräumt war und auf den Packpferden verzurrt war. Meine Cricket war immer schnell gesattelt und gezäumt, leider dauerte es ihr jedoch einen Morgen alles in allem zu lange und sie legte sich gesattelt noch einmal hin und zerquetschte dabei meine neue outdoor Camera, die ihr Gewicht leider nicht aushielt. Das war Pech. Die Strecke wird vorher nicht einmal probeweise abgeritten, so dass es jedes Jahr im Frühsommer zu Überraschungen kommt, da die Biber lange Zeit haben ganze Arbeit zu leisten. Übrigens muss das Wasser immer gefiltert werden, sonst läuft man Gefahr am „beaver fever“ zu erkranken. Durch den großflächigen Umbau der Biber in der Natur, gerieten wir plötzlich in sumpfiges Gelände. Mit Entsetzen sah ich vor mir die Packpferde einsinken und in Panik geraten. Es war ein wahnsinniges Durcheinander, irgendwie schafften sie sich aber aus der Situation zu befreien. Auch das Pferd meines Partners geriet in den Sumpf und sank mit den Hinterbeinen tief ein. Es ist ein fürchterliches Gefühl auf dem Pferd dahinter zusehen zu müssen und nichts tun zu können, außer sich einen anderen Weg zu überlegen. Mein Partner sprang vom Pferd auf ca. einen m² festeren Boden und konnte sich und sein Pferd retten. Auf dem gesamten Trip verließ ich mich auf meine junge Stute und überließ ihr in Gefahrensituationen die Wahl des Weges und sie lag immer richtig, denn wir beide waren nie in einer misslichen Lage. Ein bisschen anstrengender zu handeln war sie tatsächlich nur einmal an einem See bei schwülem Wetter, da die Mücken sie ärgerten.

Die meiste Zeit ging es mir sehr gut während des Trips. Manchmal machte mir die Höhe und Weite Angst und ich beruhigte mich mit einem Griff in die Satteltasche nach meinen rescue drops. Und wenn es nur der Glaube daran war, Schlimmeres konnte ich immer abwenden. Die Tage auf den Pferden durch die Gegend zu ziehen, insgesamt wenig Worte zu verlieren, hatte etwas Meditatives und genau so hatte ich es mir auch vorgestellt. Mit meiner kleinen Stute Cricket fühlte ich eine Einheit und genoss die Zeit mit ihr. Ein Tag jedoch überforderte mich völlig, ich verlor meinen Mut, war mit meinen Kräften am Ende und wäre die Chance da gewesen, hätte ich nicht nein gesagt, hätte es ein Angebot gegeben, dass ein Helikopter mich ausfliegt. Aber mitten in der Wildnis gibt es kein Zurück, ich musste mich meinen Ängsten stellen. Wir hatten einen Tagesritt in strömendem Regen, es war nasskalt, ich fror und hatte keine Lust mehr. Das ist noch zu steuern, in emotionale Panik geriet ich aber, als wir hoch oben auf einem Bergkamm ritten. Rechts und links metertiefer Abgrund, der Boden völlig aufgeweicht. Vor mir sah ich die beladenen Packpferde auf dem schmalen Grad, die Schweife aneinander gebunden, und ich stellte mir vor, eines rutscht aus und zieht alle miteinander in die Tiefe. In mir steigerte sich die Angst, es gab jedoch keine Chance die Situation zu verlassen, ich musste mich ihr ergeben. Heute kann ich es gut akzeptieren, wenn ich eine depressive Episode habe, diese anzunehmen und auszusitzen. Ich weiß es passiert mir nichts. Aber aus einer Panikattacke auszusteigen, gelingt mir bis heute nicht. Dieses Mal zumindest gab es für meine Angst einen Grund. Es kam viel zusammen. Mein Körper war von den Strapazen geschwächt, ich war durchnässt und fror, es gab keine Aussicht auf Besserung des Wetters und den Bergkamm hatten wir auch lange noch nicht verlassen. Die nächste Rast und Nacht war an einem Fluss geplant, sicher einmalig schön, aber nicht im strömenden Regen. Schnell halfen wir uns gegenseitig die Zelte aufzubauen. Ich verkroch mich in den Schalfsack, nichts war mehr trocken, essen wollte ich auch nichts, nur weinen und mich am liebsten nach Hause in mein Bett beamen und an einem sicheren Ort aufwachen. Matt, der pensionierte Feuerwehrmann aus Ohio, schaffte es irgendwie für uns bei strömenden Regen Hühnchen mit Brokkoli zu kochen und brachte mir einen Teller ins Zelt. Ich aß ein paar Bissen und war ihm sehr dankbar. Einmal musste ich noch raus in den strömenden Regen um Pipi zu machen. Ich traf auf unseren Guide und sprach ihn auf meine Ängste an, sagte ihm, dass es mir nichts ausmacht 8 oder 10 Stunden im Sattel zu sein, aber, dass ich mittlerweise um mein Leben fürchte, aufgrund des durchweichten Bodens überall. Im Gegensatz zu mir, nahm er meine Ängste nicht sehr ernst, was vielleicht die richtige Einstellung in dem Moment war und entgegnete mir stattdessen nur: „Ach Andrea, ich war hier schon bei Eis und Schnee tagelang unterwegs. Mach dir keine Sorgen“. Natürlich auf Englisch. Gut, ca. 50 Jahre ritt er dort durch die Gegend, das war sein Leben. Was blieb mir übrig, ich musste die Situation akzeptieren und vor allem mich auch darauf einlassen. Immer noch frierend und etwas resignierend verzog ich mich wieder in mein Zelt und hatte zum Glück meinen geliebten Menschen neben mir. Die Nacht war kurz, aufgeregte Rufe weckten uns. Drei der Packpferde rissen sich in der Nacht los, wir banden sie immer mit langen Stricken an Büschen fest und waren über alle Berge. Die junge Französin, die die Tour mit begleitete sattelte schnell ihren Schecken und galoppierte los. Kurz wurde darüber diskutiert, ob ich mit Cricket folgen sollte. Manchmal fragte ich mich schon, ob die Summe für die Reise gerechtfertigt war 😉 Unser Guide bereitete sich aber auch schon vor. Durch einen Reitunfall war er ein wenig eingeschränkt, was seine Beweglichkeit anging. Also entschied ich ihn zu unterstützen und sein Pferd zu satteln. Ich weiß nicht mehr wie viel Zeit verging, jedoch tauchten die Pferde über die Bergkuppen wieder auf und alles in allem mussten wir nur etwas Zeit aufholen um das Tagesziel zu erreichen. Abgelenkt von der nächsten Aufregung war meine Angst verschwunden. Außerdem regnete es nicht mehr. Meine Stute war trittsicher. Eigentlich erinnerte sie mich mehr an eine Gemse, wie sie sich mit dieser Leichtigkeit im Gebirge bewegte. Wenn es bergauf ging, warteten wir ab, bis alle Pferde im Schritt oben waren, dann galoppierte sie hinterher. Das machte nicht nur mir, sondern scheinbar auch ihr sehr viel Spaß. Es ist schon ein seltsames Gefühl wenn man sich tagelang mitten in der Wildnis ohne Straßen, Wege oder Begegnungen bewegt. Das kann Angst machen. Später erfuhr ich, dass wir ein Satellitentelefon für den Notfall dabei hatten. Am letzten Tag wurden die Pferde etwas schneller, es ging zurück zur Ranch. Der Ofen wärmte in der Hütte, über dem Feuer heizten wir den Wassersack und wir alle konnten endlich duschen. Jetzt war sogar das Outhouse (Außen WC/Plumpsklo) ein Luxus. Jocelyn hatte gekocht und wir saßen wieder an einem Tisch und nicht mehr auf nassem Boden. Ich erinnere mich noch gut,dass außer unserer zurückkehrenden Gruppe noch eine australische Dame für eine Nacht Gast auf der Ranch war und wie sie mir nach den ruhigen 10 Tagen in der Natur, mit ihrem unwichtigen Geplapper über ihren Job auf die Nerven ging. Vielleicht war ich aber auch nur übermüdet und entkräftet. Am nächsten Tag verließen wir die Ranch um noch eine Nacht im einzigen Hotel auf der Mainstreet in Whitehorse zu übernachten. Weiße Bettwäsche und eine richtige Dusche taten gut. Am späten Nachmittag gönnten wir uns Bier und Fischburger im Klondike Rib & Salmon. Wir waren noch immer sehr ruhig und ließen die Zeit etwas Revue passieren. Am liebsten hätte ich Cricket mit nach Hause genommen, aber damit hätte ich ihr keinen Gefallen getan. Der Rückflug stellte sich für mich nicht als Problem dar. Im Anschluß wurde ich erfolgreich operiert. Die Angststörung ist mir zuhause mit immer wieder kehrenden Panikattacken geblieben und war nur medikamentös zu lösen, letzlich. Diese Reise war besonders und gerne möchte ich wieder an besondere Orte reisen und auch Abenteuer erleben. Ich hatte mir überlegt, ob ich an den Reiseanbieter ein paar Zeilen richte, denn die Reise war nicht wie beschrieben. Aber auf der anderen Seite war es schließlich unwichtig, denn der Trip bot so viel mehr. Die Tour, welche sowieso nur 2 mal im Jahr stattfand wurde eingestellt. Das macht die Teilnahme noch einmal besonders. Ich könnte noch sehr viel von Eindrücken der Reise schreiben, auch von all den vielen Tieren, die uns in freier Wildbahn begegnet sind, aber wichtig ist mir mit diesem Bericht zu betonen, dass wir so viel stärker sind, als wir es von uns selbst glauben. Wir alle können gewohnte Pfade verlassen, um noch einmal auf meine Anfangszeilen zurück zu kommen, und manchmal ist es auch notwendig um im Leben weiter zu kommen. Und für uns alle, die mit psychischen Erkrankungen kämpfen: es ist nicht das „Aus“. Wir können trotzdem herrliche Dinge erleben und erlernen mit der Erkrankung zu leben.

Das Leben ist nicht einfach mein Kind; aber fass‘ dir ein Herz, es kann herrlich sein!

Tandemflug vom Nebelhorn

Ich möchte so gerne fliegen lernen,

selbst wenn es weit oben kälter ist,

es würde sicher mein Herz erwärmen .

Dem Alltag entschweben und mich für einen Moment über alles erheben.

Von oben auf euch herunter blicken,

nicht eingreifen können,

aber dennoch wohlwollende Gedanken schicken.

Mich bewusst abgrenzen und dankbar den Irrsinn schwänzen.

Ich wünschte die Menschen würden von Zeit zu Zeit inne halten,

aufhören, Zeit und so vieles mehr, nur zu verwalten,

sondern spielerisch von vorne beginnen,

diesmal bewusst achtsam und mit allen Sinnen.

Noch heute bin ich sehr glücklich darüber mir einen großen Wunsch erfüllt zu haben. Zu meinem 50. Geburtstag, damals.

An diesem Tag bin ich wirklich dem Alltag entflohen. Ich hatte einen Tandemgleitschirmflug vom Nebelhorn bei der Flugschule Oase in Obermaiselstein im Allgäu gebucht. Und das tollste, meine Tochter entschied mich zu begleiten. Zu Abenteuern ist sie sofort bereit. Das Nebelhorn bietet eine herrliche Aussicht über 400 Gipfel. Bei gutem und klarem Wetter kann man die Gipfel bis in Südtirol sehen. Ein unvergessliches Erlebnis mit beeindruckender Bergkulisse mitten in den Allgäuer Hochalpen war mir garantiert. Es gibt zwei Startplätze, einen auf 1930m , den höheren am Gipfel auf 2220m.

Ganz früh, wir waren nicht einmal aufgestanden, rief uns schon einer der beiden Piloten der Flugschule an, dass der Flug in den späteren Vormittag verschoben wird, in der Hoffnung, es klart auf. Einige Gleitschirmflieger saßen oben fest, da nur bei absolut klarem Wetter geflogen werden darf. Also konnten wir den Morgen gemütlich angehen, obwohl, besonders ich, doch voller Vorfreude und Aufregung war. Gegen 10 Uhr trafen wir, nachdem wir im Hauptbüro noch hohe schwere Bergstiefel ausgeliehen hatten, am Parkplatz ein. Mein Pilot erwartete uns, der meiner Tochter war noch oben am Berg. Er entschied, auch wenn der Gipfel im Nebel war, trotzdem mit der Bahn zumindest auf 1930m hoch zu fahren. Mit zwei großen Rucksäcken voll Ausrüstung stiegen wir ein. Oben angekommen sah es noch nicht sehr vielversprechend aus. Jetzt mussten wir uns einig werden, wer den Anfang macht. Meine Tochter und ich mussten nicht streiten, denn der Pilot entschied schnell es ist der Tag der Mutter! Außerdem entschloss er sich das Wagnis einzugehen und trotz unklarer Sicht, mit der zweiten Bahn ganz auf den Gipfel zu fahren. Ich war nicht ganz glücklich damit meine Tochter auf 1930m alleine zu lassen, aber ihr Pilot war auch schon auf dem Weg nach oben sie zu treffen.

Ich erinnere mich gut daran, dass es gar nicht so leicht war mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken und den starren Stiefeln dem flinken Tandempiloten hinterher stolpernd, den Berg bis zur einer Kuppe ein wenig hinab zu laufen und fühlte mich schon etwas unsicher. Vielleicht beeilen sich die Piloten ja absichtlich generell, denn kurz schoss mir schon durch den Kopf was ich eigentlich da oben mache und ob der gewählte Weg nach unten der richtige sei. Ich hatte keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn jetzt hieß es den Schirm richtig auszubreiten und alles zu verschnallen. Ein Erinnerungsfoto wurde noch geschossen und der Mann meines Vertrauens erklärte mir rasch, dass ich nur einfach schnell den Berg mit voller Kraft nach vorne runter rennen soll. Mehr nicht.

Gesagt, getan, wir rannten los und hoben sofort ab. Der Aufwind war so stark – ich war überrascht – aber der Schirm zog uns erst einmal kräftig hoch. Es war verrückt, ich hing einfach in der Luft, ließ die Beine baumeln und flog über die Gipfel. Unter uns konnte ich Bergsteiger beim Erklimmen eines Gipfels entdecken und wir waren noch so viel höher. Es war ein ganz besonderes Gefühl, wie als wäre ich ein Wattebausch, der im Himmel so herumbummelt und sich wünscht der Wind würde ihn immer weiter tragen. Aber an die Gurte haben sich meine Hände doch sehr geklammert, wie ich später auf den Fotos erkennen konnte. Tatsächlich muss ich einen sehr guten Tag mit hervorragender Thermik erwischt haben und außerdem einen netten Piloten, der selbst mit viel Spaß begeistert bei der Sache war. Wir waren 45 Minuten in der Luft, aber die Zeit verging wie im Flug 😉

Der Mann in meinem Rücken fragte nach einiger Zeit, ob wir mal dynamischer fliegen wollen. Ich wusste nicht, was es genau bedeuten konnte, aber stimmte sofort zu. Ich kannte ihn zwar nicht, aber spürte, ich kann vertrauen, denn er ist ein erfahrener Pilot. Im Nu war das sanfte Gleiten vorbei und der Schirm raste links herum und rechts herum, kreiste und trudelte, ähnlich so manchen Fahrgeschäften auf der Kirmis, durch die Luft. Hui, ging das ab! Aus Angst vor eventueller Übelkeit bat ich dann aber recht schnell wieder eine gemäßigtere Fahrt aufzunehmen. Der Ausflug hoch in der Luft, hätte noch ewig dauern können, aber so langsam mussten wir an die Landung denken. Ich bekam kurz die Anweisung eigentlich nichts weiter zu tun, als ein wenig in die Hocke zu gehen und mir vorzustellen von einem Schreibtisch zu hüpfen. Ich sah nach unten auf die Kuhweide und hoffte nur, nicht ausgerechnet in einem Kuhfladen zu landen. Doch schon waren wir gelandet. Zack, wir standen perfekt! Aus meinem Tandempilot brach in wunderbarem Dialekt begeistert der Satz: „Ja, leck mich am Arsch! Was für eine pefekte Landung!“ hervor, wir lachten, packten zusammen und verabschiedeten uns. Dieses besondere Erlebnis – mein Ausflug – hoch in der Luft, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Noch besser, wenn man diese wertvollen Augenblicke teilen kann und am liebsten mit meiner Tochter, die auch nach tollem Flugerlebnis sicher landete.

Und übrigens, ich habe Höhenangst … eigentlich! Aber auch die war verflogen. Wer den „Irrsinn einmal schwänzen will“, hoch in der Luft ist ein hervorragender Ort dafür. Hebt mal ab!

Kleine Fluchten

Komm, gönnen wir uns kleine Fluchten,

suchen uns die schönsten Buchten,

einfach ungezügelt durchbrennen,

dem Glück entgegen rennen.

Egal, geschützt unter mächtigen Palmen,

oder einsam auf friedlichen Almen.

Der Seele den Frieden geben,

das Leben endlich erleben.

Zu den weit entfernten Fidschi-Inseln,

wo Süßwasserfische um uns tingeln,

uns mit ihrer farbenfrohen Vielfalt zeigen,

die Welt ist ein großer bunter Reigen.

Zu den mächtigen Wasserfällen von Iguazú,

pack‘ den Koffer, es fehlst nur du!

Es gibt so vieles für uns zu entdecken,

lass uns Geist und Seele erwecken.

„Kleine Fluchten“ schrieb ich im Dezember 2013. Ich selbst finde, dass ich viel aussagekräftigere Gedichte verfasst habe, diese Zeilen sind einfach nur irgendwie nett, dieses jedoch habe ich mal bei einem Wettbewerb eingereicht und es wurde tatsächlich veröffentlicht und in einem Gedichtband abgedruckt.

Ich liebe das Reisen und so sehr vermisse ich es im Moment. Seit Jahren hatte ich immer mindestens zwei Ziele schon festgelegt und hangelte mich so durch das Jahr. Fahre in die Welt hinaus; sie ist fantastischer als jeder Traum!

Nach dem Abitur lehnte es mein Vater ab mich finanziell zu unterstützen, sollte ich studieren wollen. Jahrelang habe ich darunter gelitten, dass mir das Studium nicht ermöglicht wurde, ich traute mich aber auch nicht, mich dagegen aufzulehnen. Ich hatte überhaupt keinen Plan was ich stattdessen machen sollte, alle meine Freunde studierten. Da ich Jura studieren wollte bestand mein Vater auf eine Lehre als Anwaltsgehilfin. Für mich hatte damals das eine nichts mit dem anderen zu tun, dennoch stellte ich mich in einer Anwaltskanzlei vor und beschloss aber schnell diesen Weg nicht zu gehen. Mein Geschenk nach dem Abitur und zum 18. Geburtstag im Mai 1984 war damals, ab jetzt gibt es kein Taschengeld mehr. Es waren sowieso nur 10 DM/Woche, die jeden Freitag abend mit dem Eintritt ins „Funkadelic“ in Frankfurt am Main schon futsch waren.

Ich jobbte dann 3x in der Woche in einer Kneipe und entschloss mich zu einer IHK geprüften Sprachausbildung in Frankfurt. Mein Ziel war nur Flughafen….und weg! Es war ein privates Institut für Industrie und Wirtschaft mit einer monatlichen Gebühr von 410 DM. Dieses musste ich komplett alleine finanzieren; auch da wollte mich mein Vater nicht unterstützen, also konnte ich nicht sofort starten. Die Zugfahrt mit 100 DM im Monat kam auch noch hinzu. Fast ein Jahr arbeitete ich ungelernt Vollzeit in einer Jeansboutique auf der Frankfurter Zeil, um mir die anfallenden Ausbildungsgebühren anzusparen. Es waren lange Tage im Einzelhandel und vorbei war erst einmal die unbeschwerte Zeit. Auf meine Freunde im Studium war ich neidisch.

Irgendwann war es soweit, ich hatte genug Geld zusammen, um das Fremdspracheninstitut in Frankfurt zu besuchen und zwei Jahre später als 3-sprachige Wirtschaftskorrespondentin erfolgreich zu verlassen. Sofort bewarb ich mich bei der FAG, heute Fraport und konnte erste Reisen antreten. Die Stadt London machte den Anfang und ich liebe diese lebendige und multikulturelle Stadt noch heute! Was für ein Potpourri an verschiedenen Menschen! Wie aufregend und spannend für eine junge Frau von 22 Jahren. Es war damals so einfach. Philippine Airlines flog über London Gatwick nach Manila und ich konnte einfach bei der Zwischenlandung aussteigen. Ein Zimmer hatte ich im Stadtteil Bayswater bei einer Familie aus Pakistan. Ein paar Jahre später nahm ich mal meinen damaligen Mann mit. Es war für ihn unvorstellbar wie ich dort wohnen konnte. Das Frühstück wurde in diesem typischen Londoner Haus im Keller eingenommen. Er ekelte sich damals so sehr vor dem dicken Teppich im dunklen Keller, dass er keinen Bissen runter bekam. Ich konnte es gar nicht nachvollziehen. Der Ort war für mich perfekt 🙂

Sobald eine Kollegin und ich alt genug waren, um ein Auto anzumieten, flogen wir standby nach San Fancisco. Wir müssen ca. 25 Jahre alt gewesen sein. Unwissend dachten wir damals ein Zimmer für die erste Nacht downtown ist sicher. Die Gegend war übel. Nachts schreckten wir aus dem Schlaf hoch, da vermummte Männer Autoscheiben mit Baseball Schlägern einschlugen. Das kannte ich nur aus der Serie „Straßen von San Francisco“. Tagsüber empfand ich die ersten Straßen aus dem Block als ein Spießrutenlauf inzwischen gefährlicher Menschen. Aber es ging immer alles gut. Ich erinnere mich nur, dass wir gegen den ekligen Geruch des Mietwagens versuchten anzukämpfen, jedoch erfolglos. In nur 10 Tagen fuhren wir den Pacific Highway von San Francisco nach San Diego mit natürlich einigen Zwischenstopps und waren begeistert. Kalifornien ist noch immer mein begehrtes Reiseziel. Später, als ich für American Airlines tätig war, reiste ich sehr häufig dorthin. Durch meine Stippvisite als Assistant Manager bei Singapore Airlines, lernte ich Singapore und Bali kennen. Das war 1992. Als Angestellte konnte ich nicht nur günstig fliegen, sondern auch übernachten und Autos anmieten. Das war natürlich großartig. In Singapore ließ mich der Hotelmanager eines 5-Sterne Hotels 3 Tage umsonst wohnen, sogar. Das waren noch Zeiten (seufz). Von da ging es ins paradiesische Bali. Zu Bali fällt mir eine lustige Blamage in einer Diskothek ein. Schon am Eingang bekam man eine Nummer für ein späteres Spiel. Als die Nummern irgendwann in der Nacht aufgerufen wurden, hatte die gezogene Nummer eigentlich mein damaliger Mann, der weigerte sich jedoch, also stellte ich mich der Herausforderung. Es ging darum einen Ballon auf zu blasen und dann auf den Knien durch einen Parcours zu manövrieren. Aufgeregt und erleichtert, dass ich überhaupt geschafft hatte ihn aufzublasen und zu verknoten, legte ich los und vergaß die Welt, bzw. das Publikum um mich. Irgendwann klopfte jemand auf meine Schulter und sagte: „Sweetheart, game over.“ während ich noch eifrig unterwegs war. Jeder, wirklich jeder andere war schlauer als ich und blies den Ballon nur wenig auf, was es natürlich viel viel leichter machte. Meiner flog ja richtig ! 🙂

Als ich zu Continental Airlines wechselte, war ich zu Schulungszwecken wieder häufig in London und flog in 1 1/2 Jahren 6x nach New York. Das war 1993. Ich kaufte dort echte Roller Blades und fand mich natürlich extrem cool damit im Central Park unterwegs zu sein. Heute fährt mit diesen Retro-Rollschuhen meine Tochter am Tempelhofer Feld ihre Bahnen und meine Sorge ist es, dass es irgendwann einfach zu einem Materialbruch kommt und sie stürzen könnte. Über Newark New Jersey konnten wir mit ganz kleinen Propeller Flugzeugen damals an die Golfküste Floridas nach Sarasota, Tampa, Naples oder Fort Myers fliegen. Die Strände sind mit karibischen Stränden zu vergleichen und ich liebe die vielen Brücken dort. Pfaue schlendern durch die Straßen, Manatees sind dort zuhause und Pelikane natürlich. „Anna Maria Island“ mag ich am liebsten. In Miami fing damals der Schönheits-OP-Boom an, was sehr befremdlich für mich war und auch heute noch ist.

Als ich letzlich bei American Airlines reisen durfte, zog es mich immer wieder nach Kalifornien, mit Abstechern nach Nevada. Mein Traumwohnort bleibt der nicht bezahlbare Ort Agoura Hills. Über die Santa Monica Mountains ist man schnell am Pazifik. Arizona fand ich spannend; als ich aber aus dem Flugzeug das karge Land mit den hohen Kakteen sah, wusste ich, es wird nicht so spannend wie in meiner Vorstellung, nur viel zu heiß. Da ich immer mehr Tickets als wirklich Urlaub hatte, flog ich manchmal kurzfristig in freien Tagen einfach mal z.B. nach San Antonio Texas. Ich genoss dieses Leben und die Reisemöglichkeit sehr.

Auch später behielt ich es immer bei. Die weiteste Reise ging an die North Shore Oahu Hawaii, die aufregendste war eine Tour zu Pferd durch die Wildnis Kanadas. Besonders war auch Marrakesh und auch die Wüstenaufenthalte in den arabischen Emiraten habe ich genossen.

Meine Tochter war standby vom Babyalter an schon auf vielen Reisen nach Kalifornien dabei und natürlich bei allen Familienreisen in ferne Länder. Auch sie zieht es in die Ferne und so traurig es mitunter war, sie lange zu vermissen, bin ich doch froh, dass sie an der Welt so interessiert ist. „Viel wandern macht bewandert.“ – Peter Sirius. Ein Jahr besuchte sie eine Highschool in Napa Valley, nach dem Abitur reiste sie mit einem umgebauten Auto mehrere Monate durch Neuseeland. Gemeinsam machten wir mehrere Mutter – Tochter Kurztripps in den letzten Jahren. Wir hatten tolle Aufenthalte in London, Barcelona, Mailand, Amsterdam und Edinburgh und es sollen noch viele dazu kommen!

Jetzt habe ich mich völlig verloren und könnte noch etliche Reisen aufzählen. In den Jahren als ich sehr an Depression litt, half das Reisen mir enorm. Es war immer eine Flucht. Manche Jahre war ich zwei mal in USA und zweimal in den arabischen Emiraten, dazu noch im Skiurlaub und mehrere Kurztrips waren auch noch auf dem Programm. Es fehlt mir. Es gibt noch so viel zu entdecken. Andere Länder, unterschiedliche Kulturen sind eine Bereicherung und ich kann es kaum erwarten wieder in ein Flugzeug zu steigen. Irgendwann hatte ich mal geschaut, was der weit entfernteste Punkt von meinem Wohnort ist und landete bei den Fiji Inseln. Von den Wasserfällen von Iguazú erreichte mich einmal der begeisterte Anruf eines meiner liebsten Freunde. Und es gibt noch so viel mehr auf meiner bucket list.

“Wenn dich einmal das Reisefieber packt, gibt es kein bekanntes Heilmittel, und ich bin gerne bis zum Ende meines Lebens daran erkrankt.” – Michael Palin

Vertauschte Mäntel, verpatztes Jobinterview

Heute erzähle ich einfach eine Geschichte….

2014 beendete ich nach mehr als zwei Jahren eine tiefenpsychologische Therapie und im Anschluß eine Psychoanalayse. Als ich damals meiner Therapeutin zugewiesen wurde fragte ich sie zu Beginn wann denn der Zeitpunkt sei, dass wir uns wieder trennen werden. Sie antwortete, dass ich es merken werde, wenn es soweit ist. Nun irgendwann war für mich der Zeitpunkt gekommen mich von ihr zu verabschieden. Sie war damit gar nicht einverstanden, dass ich „mein Nest“ bei ihr verlasse; ich im Gegenteil fand es nötig doch mit dem Erlernten ins Leben zu gehen und zu üben. Ich warf von jetzt auf gleich alles über den Haufen. Wer meint das geht nicht, irrt. Ich trennte mich von allem: meinem Mann, meinem Haus, meinem Job, meinem Pferd. Von meiner geliebten Tochter natürlich nicht, aber da sie für ein Jahr eine Highschool in Kalifornien besuchte, waren wir mehrere tausend Kilometer entfernt.

Jetzt ging ich erst einmal auf Jobsuche. 1 1/2 Stunden Telefoninterview und später 4 stündiges Assessment Center bei einem weltweiten Anbieter von Finanzdienstleistungen lernte ich z.B. kennen, kurz machte ich die Erfahrung in einem 5 Sterne Hotel zu arbeiten. Das war immer ein Wunsch, ich stellte es mir spannend vor und wollte es von meiner bucket list streichen. Die Arbeit fiel mir auch sehr leicht. Für mich machte es kaum einen Unterschied; früher buchte ich Passagiere auf Boeing 747, jetzt Hotelgäste in Zimmer und an Tische im Restaurant. Aber letztendlich unterschieden sich Vorstellung und Realität und ich beendete das Hotelleben.

Flughafen Frankfurt, FAG, heute Fraport 1989

Da ich 15 Jahre am Flughafen Frankfurt für große internationale Fluggesellschaften tätig war, lebe ich Dienstleistung. Ich liebe Menschen und fühle mich ausgesprochen wohl unter ihnen. Zufällig entdeckte ich eine Stellenausschreibung und bewarb mich in einem der bedeutendsten Businessclubs in Europa mit dem Ziel Mitgliedern das Leben auf angenehmste Weise leichter machen können, denn darin war ich gut. Ich hatte viel Erfahrung in früherer Tätigkeit als Premium Services Agent bei einer großen amerikanischen Airline machen dürfen. Täglich betreute ich First- und Business Class Kunden in der Lounge und am Gate. Dies war sicher der Grund, dass ich zum Interview eingeladen wurde. Noch heute ist mir dieses Vorstellungsgespräch in bester Erinnerung. Die Einladung war früh morgens an einem Aschermittwoch. Jetzt feiere ich sehr sehr gerne Fasching wie wir in Hessen sagen und zog von mittags um 14 Uhr bis Mitternacht durch Straßen und Kneipen. Vorbereitet hatte ich mich überhaupt nicht. Ich zog mein schickes Boss Kostüm an und meinen schwarzen Boss Blazermantel, den ich so liebte. Am Empfang des potentiellen neuen Arbeitgebers gab ich den Mantel ab und wurde in einen der Konferenzräume geleitet. Ich erinnere mich als sei es gestern gewesen, wie mir der Geschäftsführer und die Personalleiterin gegenüber saßen. Sie hatten ein Konzept für ihr Interview, welches sie aber nicht verfolgen konnten. Ich plapperte ohne Punkt und Komma, erzählte zig Anekdoten aus meiner aufregenden Zeit mit Celebrities aus aller Welt am Flughafen. Sie fanden mich extrem unterhaltsam und hingen an meinen Lippen. Es war ein sehr angenehmes Gespräch, aber irgendwie auch seltsam, denn sie verloren mehr und mehr den Faden. Vielleicht fanden sie aber auch nur meine Geschichten sehr interessant und hörten gerne zu. Mein Mund war vom vielen Reden trocken, ich verabschiedete mich höflich, nahm am Empfang meinen Mantel entgegen und fuhr nach Hause. Zuhause angekommen zog ich mich um, den Mantel hängte ich in den Garderobenschrank. Ich muss, glaube ich , nicht erwähnen, dass ich eine Absage bekam. Das Frühjahr kam, der Mantel hing vergessen im Schrank. Der Sommer verging, es wurde Herbst und ich freute mich auf den schicken Mantel eines Abends. Ich griff in den Schrank und zog mir mein Boss Prachtstück in Gr. 34 über. Was war das? Wieso ist da ein Gürtel? Wieso versinke ich in dem Mantel ? Es war ein Boss Mantel, ja! Aber ein völlig anderes Modell und auch in einer anderen Größe. Ich war totunglücklich und zweifelte an mir, dass ich meinen eigenen Mantel nicht mehr erkannte. Irgendwann fiel mir ein, dass ich nach dem Vorstellungsgespräch im Frühjahr den Mantel nur über meinen Arm legte und gar nicht betrachtete. Das Interview war ein halbes Jahr her. Ich konnte jetzt schlecht nach meinem Mantel fragen. Und überhaupt; vielleicht haben sie mich nicht eingestellt, weil sie dachten ich hätte den Mantel geklaut. Solche Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich habe mich damals schon nicht brilliert, jetzt schämte ich mich noch dazu. Komisch aber auch, er muss ja der anderen Person zu klein gewesen sein. Warum hat mich niemand kontaktiert? Dennoch entschied ich den Mantel zu behalten, er wanderte allerdings in den Keller. Ich holte ihn jetzt nach 6 Jahren hervor und siehe da: In den letzten 6 Jahren hat sich mein Körper von einem krankhaft bedingten eckigen Gerippe zu einer normalen Figur entwickelt und der Mantel passt. Welche Geschichte der Mantel wohl hat? Meine dazu kennt ihr jetzt!

Eine Welt im Schwanken

Ich sehe sie deutlich vor mir, die Gefahr;

noch nie war sie so nah.

Völlig beherrscht von düsteren Gedanken,

gerät meine Welt heftig ins Schwanken.

Gewaltig nimmt es mich ein, das ungute Gefühl.

Mein Kopf ein einziges irres Gewühl.

Mein Körper ein ewiges Gezitter,

immer stärker werden die Gewitter.

Hab doch endlich Erbarmen

und fang mich auf mit schützenden Armen.

Laß mich meinen Frieden finden,

diese Hürde endlich überwinden.

Jetzt kommt das Jahresende.

Ich frag mich, bringt es die Wende?

Schon als Kind nur gehasst,

die aufgesetzten Gesichter haben mir noch nie gepasst.

Obwohl; darin war ich bis jetzt ganz gut,

es zweifelt niemand an meinem Mut.

Wer erkennt schon die Wahrheit,

niemand sieht mit solcher Klarheit.

Da ist ein Mensch hilflos und allein,

mag er nach außen auch noch so fröhlich sein….

In dieser eigenartigen Zeit habe ich meine Zeilen von Dezember 2011 gewählt. Ich bin voller Sorge und denke oft daran, wie es gerade diesen Herbst und Winter depressiven und einsamen Menschen geht. Wie lange noch siegt das Lächeln und bleibt der Mut? Voller Hoffnung gehen wir doch oft ins neue Jahr, gelingt uns dies auch dieses Jahr ? Mir geht es sehr gut und trotzdem liegt mit der Corona Pandemie, den Folgen und Maßnahmen eine Schwere auf mir. Ich bin sicher vielen von uns drückt es auf die Stimmung. Wir sind sehr viel alleine, sehen unsere Freunde nicht, eine vorweihnachtliche Ruhe und Sanftheit will nicht so richtig aufkommen. Gesellige Treffen in lockerer Atmosphäre fallen aus. Überall herrscht nur ein Thema vor. Mit Schrecken denke ich an einsame Menschen. Wir können verurteilen, wenn z.B. ein verzweifelter Mensch jeden Abend seine Kneipe aufsucht, um den Alltagssorgen zu entfliehen. Aber was macht derjenige jetzt? In der dunklen Zeit alleine zuhause sitzen. Ich denke dabei an meinen Vater, der, nachdem sich unsere Mutter das Leben nahm, sich immer mehr abschottete, immer einsamer wurde und den Trost im Alkohol suchte. Mein Bruder und ich konnten da nicht viel ausrichten, leider. Mit dem täglichen Weg in die Gaststätte blieb zumindest diese eine Routine und er hatte Gesellschaft und konnte sich ausstauschen. Und diese Routine ist so wichtig. Es hilft ungemein einen Rhythmus zu haben, sich anzuziehen und aus dem Haus zu gehen. Meine rüstige (Ex-) Schwiegermutter wohnt in einem Dorf im Odenwald und traf sich mit Freunden regelmäßig im Cafe in Erbach . Auch das fällt aus. Wie viele Menschen sitzen alleine zuhause ohne Ansprache. Wenn ich in sozialen Netzwerken von Bekannten lesen darf,“macht es euch am Kamin gemütlich, kocht euch etwas Gutes, usw.“, denke ich an all die Menschen , die eben nicht so gut situiert sind – und die sind weit in der Überzahl- und auf engstem Raum mit existentiellen Sorgen leben müssen. Unser Gesundheitssystem ist überlastet. Unsere Seelsorge ist es auch! Achten wir alle unsere Mitmenschen in dieser schwierigen Zeit. Nicht allein nur ältere und vorerkrankte Mitbürger brauchen jetzt unsere Aufmerksamkeit. Achten wir auch auf die vielen einsamen, psychisch kranken, in ihrer Exisenz bedrohten und verzweifelten Menschen, genauso auch auf unsere verängstigten Kinder, denn all diese Menschen werden gerade noch weiter an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt. In der Politik und in den Medien haben sie kein Sprachrohr, da fehlt es sehr an Mitgefühl. Arbeiten wir in dieser Hinsicht an einer besseren Zukunft für uns alle.