Wechselhaft

Farben, Lichter, Aspekte,

es gibt nichts,

das der Herbst nicht in mir weckte.

Schien die Sonne vor kurzem noch monatelang, wird mir von jetzt auf gleich bang.

Plötzlich pfeift der Wind mir um die Ohren, schon beginnen alte Gedanken zu bohren.

Dicke Wolken scheinen zu erdrücken,

die Sonne kämpft sich durch wenige Lücken.

In jeder Zeit das Positive sehen,

aufrecht durch alle Stürme gehen,

egal was kommt zu akzeptieren,

tapfer und mutig jeder Situation entgegen marschieren !

Jede Witterung durchleben,

darin erklärt sich der Menschheit Bestreben.

Wir können so viel erreichen,

jeder ist verantwortlich im Stellen der Weichen .

Auch mit diesen Zeilen machte ich mir damals selbst Mut. Tatsächlich ist es so, ist man an Depression erkrankt, bleibt die Angst, dass auch wenn die Krankheit gerade schlummert, man erneut ins tiefe Dunkel sinkt. Bisher hatte ich in meinem Leben, angefangen im Alter von 26 Jahren, 4 depressive Episoden. Außer Therapien und medikamentöser Unterstützung, gibt es auch Ansätze und Wege diese Phasen ein wenig selbst zu steuern. Dabei ist es wichtig achtsamer zu sein, sich selbst mehr zu beobachten. Als ich nach langer Therapie plötzlich wieder anfing zu „schlittern“ (hier passen tatsächlich viele Verben den Zustand zu beschreiben z.B. auch wackeln, rutschen, purzeln, straucheln… und und und), suchte ich aufgrund meiner Unsicherheit kurzfristig erneut eine Psychotherapeutin auf. Die wenigen Gespräche mit ihr waren sehr prägend. Ich war nur 2 oder 3 mal bei ihr, aber es reichte aus, meine Schritte wortwörtlich wieder zu stabilisieren; in jeder Hinsicht. Daher kann ich nur befürworten nicht zu warten, sondern rechtzeitig das Gespräch suchen. Wenn ich mich im Sport verschlechtere, irgendwie der Wurm drin ist, suche ich doch auch die Unterstützung eines Trainers. Also ist es nicht verwerflich, mir in meinem Leben bei Bedarf einen Coach zu suchen. Die Therapeutin damals fand mich ok, wie ich bin und gab mir einen entscheidenden Hinweis mit auf den Weg. Hier merke ich kurz an, dass anhand meiner Erzählungen der Tiefenpsychologie und Psychoanalyse, der zig Stunden, die ich dreimal in der Woche über fast zwei Jahre, die ich hinter mir hatte, die jetzige Therapeutin mir vorschlug ihre Kollegin bei der ich war, bei der Ärztekammer, anhand ethischer Richtlinien, die sie verletzt sah, anzuzeigen.Ich erwähne dies, um deutlich zu machen; eine Therapie ist kein Spaziergang. Dieser Prozess kostet enorm viel Kraft aber das ist ein anderes Thema und vielleicht nehme ich es irgendwann mal auf. Heute kann ich nur augenzwinkernd sagen, dass ich selbst diese Tortur damals überlebt habe 😉 Jetzt zurück zu der entscheidenden Aussage. Die Therapeutin nahm mir die Angst vor einem Rückschlag, indem sie mir erklärte, dass eine depressive Phase in 5-6 Wochen durch gestanden sei, sollte ich wieder straucheln. Ich weiß nicht einmal ob es tatsächlich so ist, ich habe es nie hinterfragt, aber seitdem kann ich viel leichter akzeptieren, sollte es mir wieder schlecht gehen. Die Akzeptanz hilft sehr. Ich sitze es einfach aus! Sehr anschaulich zeichnete sie mir auf, unter welchen Voraussetzungen eine neue depressive Episode wieder möglich ist. Sie malte mir 3 Töpfe; 1 Topf ist genetisch-biologisch fast randvoll, der zweite Topf ist ebenfalls durch meine Lebensgeschichte, die Belastungen und meiner Erfahrung mit der Welt als Kind gut gefüllt. Es passt fast nichts mehr rein. Sollten akute neue Belastungen Stress auslösen, so bringt dieser dritte Topf das Fass zum überlaufen. Mein oberstes Gebot bedeutet also dies in jedem Fall versuchen zu verhindern. Deshalb ist es wichtig auf mich zu achten. In der Vergangenheit habe ich auf viele und vieles geachtet, aber nicht auf mich. Ich muss mich beobachten. Dazu gehört meinem Körper Aufmerksamkeit zu schenken. Auf Schlaf, Appetit, Schmerzen und Erschöpfung zu achten. Mein Verhalten in Bezug auf sozialen Rückzug zu durchleuchten. Gedankliche Prozesse mir vor Augen zu führen und natürlich auch mir meiner Gefühle bewusst zu sein.

Es war ein Lernprozess mir anzutrainieren, inne zu halten und mich in Situationen z.B. zu fragen möchte ich das, ist es mein Wunsch, geht es mir gut damit. Auch für mich herauszufinden womit geht es mir gut, was tut mir gut. Heute weiß ich es besser, trotzdem ertappe ich mich natürlich auch dabei in alte Muster zurück zu fallen. Aber ich erkenne es zumindest jetzt und kann es ändern. Die Therapeutin empfahl mir damals auch den MBSR Achtsamkeitskurs zu machen. Trainieren tue ich nicht mehr, manchmal hole ich mir noch einmal die Unterlagen hervor, zweimal machte ich auch ein „refresher“ Wochenende. Das Achtsamkeitstraining hilft sich kennen zu lernen und zu reflektieren. Zum Beispiel über das ganz persönliche Stresserleben nachzudenken, indem ich mir beantworte 1. Ich gerate in Stress, wenn… 2. Ich setze mich unter Stress, indem… 3. Wenn ich im Stress bin, dann… Genauso kann ich achtsame Kommunikation üben und so meinen Anteil an einem Gefühl übernehmen und meinem Gegenüber mehr Spielraum geben. Im Verlauf eines Gesprächs ist es ein Unterschied, ob ich sage:“ Du bist rücksichtslos“ oder „Ich fühle mich übergangen.“ Ich Botschaften gelten als sehr kommunikationsförderlich. Sprich über dich selber, deine Gefühle und Gedanken. Konzentriere dich auf dein Erleben und entfalte es. Teile dem anderen so viel wie möglich mit, was dich bewegt. Eine positive Übung ist auch in 60 Sekunden zwanzig Dinge aufzuschreiben, für die man aufrichtig dankbar ist. Los! Es ist überraschend für wie vieles wir dankbar sein können. Die Hauptziele die sich für mich in diesen Kursen herauskristallisierten waren konsequenter und spielerischer mit meinen Wünschen umzugehen, nach für mich unangenehmen kränkenden Situationen mir Zeit zu nehmen und nicht gleich zu explodieren und weiterhin mein Bewusstsein im Allgemeinen, aber auch für meine Erkrankung behalten, schulen und natürlich damit umgehen. Hier merke ich gerade an Punkt zwei müsste ich mal wieder rangehen. Aber auch ganz simple Dinge erleichtern ein Leben mit Depression. Sehr hilfreich ist ein Tagesrhythmus einzuhalten. Für mich ist auch ein halbwegs aufgeräumtes Haus wichtig. Egal ist mir heute auch wie jemand über mich denkt. Mich muss auch nicht jeder mögen. Es muss für mich richtig sein, nicht für andere. Es kann nicht immer alles passen. Auch wenn ich gelassener geworden bin, ist die eigenartige Zeit im Moment schwierig. Dazu kommt die dunkle Jahreszeit. Jetzt müssen wir Menschen mehr selbst strahlen und freundlich miteinander umgehen. Also nicht verstecken, raus in die Natur. Bewegung hilft und ein agiler freundlicher Hund. Wenn es so einfach wäre 😉

Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel der Besorgnis über deinen Kopf fliegen, aber du kannst verhindern, dass sie sich auf deinem Kopf ein Nest bauen. M-Luther
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Hilflos

Heute fühle ich eine seltsame Leere,

als ob ich eine leblose Hülle wäre.

Einfach gebracht an diesen Ort,

ohne Erklärung, ohne ein Wort.

Hier gehöre ich nicht hin!

Es ergibt keinen Sinn.

Mein Leben sollte ein anderes sein,

umgeben von hellem Schein.

Immer wieder quälen mich diese Gedanken,

vor mir schließen sich sämtliche Schranken.

Fühle mich gefesselt, in Ketten gelegt.

Nichts, das sich mehr regt und bewegt.

Diese Momente scheinen aussichtslos.

Was mache ich bloß?

Wie lange kann ich es noch schaffen,

kann mich immer wieder aufs Neue aufraffen?

Wie lange noch reichen meine Kräfte?

Wann ergebe ich mich, bezwingen mich fremde Mächte?

Wann gebe ich auf

und laß dem Übel seinen Lauf?

Ich will nicht mehr in dieser Welt frieren,

möchte wieder Wärme und Liebe spüren.

Lernen auf Menschen zu zugehen,

dabei behilflich sein mich zu verstehen.

Es fordert so viel Kraft und Mut.

Leute, zieht vor mir den Hut !

Ich stelle mich der Krankheit.

Sie ist meine unbarmherzige Wirklichkeit.

Deshalb immer wieder die vielen Tränen,

mehr will ich gar nicht erwähnen…..

Passen die Fotos zu meinem Gedicht ? Nein ! Sah es in diesem fröhlich lächendeln Menschen tatsächlich so aus ? Ja, leider. Facebook hat mich gerade an die Zeit erinnert. Es war im August 2011 in Berlin. Zu dieser Zeit wurde mir erstmals bewusst, dass etwas mit mir nicht stimmte. Dieser Abend war einer der wenigen Abende an dem ich befreiter schien. Ich erinnere mich, dass meine Tochter, damals 12 Jahre alt, glaubte ich sei angeheitert, da sie mich wahrscheinlich lange nicht heiter erlebt hatte. Das ist sehr traurig und ich denke dabei an meine Mutter. Lange kämpfte sie mit Depressionen. Wie scheinbar glücklich war sie in unserem letzten gemeinsamen Urlaub in Egmond aan Zee in Holland. Ausgelassen sprang sie mit meinem Bruder und mir in den Wellen im Meer. Wie sehr ich mich über ihre Freude freute. Wenig später nahm sie sich das Leben. Damals war es noch viel schwieriger mit der Krankheit umzugehen. Ihre Aufzeichungen haben mir gezeigt, wie hilflos sie war. Als meine Therapeutin mich irgendwann aufforderte die Tagebücher meiner Mutter zu lesen, kostete mich das zwar viel Kraft, aber gab mir auch enorme Stärke. Ich konnte so sehr mit ihr mitfühlen, im Nachhinein tat sie mir leid. Sie war wahnsinnig verunsichert, konnte ihren Zustand überhaupt nicht begreifen. Sie wechselte Ärzte, Medikamente, Therapieformen und Kliniken, nichts und niemand konnte ihr helfen. Ihre Eltern überlegten damals tatsächlich, ob eine Therapie mit Stromstößen helfen würde. Ich erschrak als ich das las. (Heute muss man sich von der Vorstellung lösen, die viele noch aus der Anfangszeit der Elektrokonvulsionstherapie vor Augen haben. Die Therapie ist heute weit weniger invasiv und hat kaum Nebenwirkungen.) Es war 1980 als sie beschloß aus dem Leben zu gehen. Genauso formulierte sie es in ihrem Kalender. Wie viel besser ging es mir doch 30 Jahre später. Ich begriff, dass die anfangs so verhasste Therapie meine Chance war, auch wenn der damalige Professor der Gesellschaft für Psychoanalyse in Frankfurt am Main, welcher die Therapeutin für mich aussuchte, selbst nicht an mich glaubte. Ich habe es geschafft zu leben und heute glücklich zu leben. Es gibt immer mal wieder Tage an denen ich kämpfen muss, aber ich bin sehr aufmerksam geworden und sie machen mir keine Angst. Ich bin so viel stärker als meine Mutter es war. Aber ich kann mich glücklich schätzen, dass mich kompetente Psychiater, Psychotherapeuten und mein Hausarzt begleitet haben und es teilweise noch heute tun. Eine Therapeutin riet mir zu einem MBSR Achtsamkeitskurs. Mindfulness-Based Stress Reduction, 1970 in USA entwickelt von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zin. Dieser Kurs bestätigte mir, dass ich alles, in Bezug auf meine Krankheit, richtig gemacht hatte. Jeden der 8 Kursblöcke verließ ich in Dankbarkeit. Die Psychiaterin die ich in den schlimmen Anfangsphasen aufsuchte, entließ mich immer mit den Worten : „Frau Zimny, sie machen alles richtig!“ Ich hoffe viele leidende Menschen „machen alles richtig“ vor allem finden die richtige Hilfe und lernen mit der Diagnose Depression zu leben. Und ich hoffe auf mehr Verständnis unserer Mitmenschen. Ein schönes Lächeln kann täuschen.