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Leben

Es gibt Tage an denen ich mich hasse, keinen Menschen in meine Nähe lasse. Kann mich selbst kaum ertragen, will eigentlich nicht klagen. Ich reiß‘ mich zusammen, steh‘ in Flammen. Eine Seele die brennt. Ein Herz das rennt. Wär doch der Tag schon vorbei, wie sehne ich die Nacht herbei. Eine Nacht die keinen Frieden bringt, die auch nur nach Atem ringt.

Es gibt Tage an denen ich mich freue, wie eine Kind, ohne Angst, ohne Reue. Das Atmen leicht, der Gang beschwingt, neugierig was der Augenblick wohl bringt. Herz und Augen weit offen. Diese Tage lassen hoffen. Keine Gefühle die erfrieren. Heute kann alles passieren! Ein lieber Mensch an meiner Seite, der mich berührt in voller Breite. Das Leben in voller Pracht. Die Liebe neu erwacht.

2 x ich – 2 times me

Wer kennt das nicht? Viele, da bin ich sicher! Depression bedeutet aber nicht einen schlechten Tag haben, sondern viele viele in Folge. Bei mir waren es Monate. Monatelang Druck auf dem Brustkorb, Atembeschwerden, unendlich vieles Weinen, Appetitlosigkeit, Durchfälle, extremer Gewichtsverlust, Schlafstörungen, permanenter „Kloß im Hals“ und so vieles mehr. Jede Nacht wachte ich zwischen 2 und 3 auf und schlief einfach nicht mehr ein. Der Biorhythmus ist so sehr gestört, dass es auf lange Sicht körperliche Folgen nach sich zieht. Das ist erschreckend. Ich hatte das Glück, als ich mich endlich tränenreich bei meinem Hausarzt „outete“, ein guter Responder auf das von ihm gewählte Medikament zu sein, so dass ich bald zumindest wieder schlief. Auch begleitete mich lange Zeit eine für mich sehr wichtige Psychiaterin und ich überlebte sogar die 2 – jährige Tiefenpsychologie und Psychoanlayse einer, von der deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse gewählten, Therapeutin. Ich sage das bewusst, denn eine Therapie ist kein Spaziergang und es kommt zu einem tiefen Fall, bevor man daraus wieder wächst und diese Zeit kann kritisch sein. Zudem war die Dame sehr speziell und ich verbrachte immerhin streng 3 Vormittage in der Woche mit ihr. Was hielt mich am Leben? Darauf gibt es eine eindeutige und klare Antwort: Meine Tochter! Sie war damals 12 Jahre alt. Meine Mutter nahm sich nach gleichem Kampf das Leben, als mein Zwillingsbruder und ich gerade einmal 14 Jahre alt waren. Ich war ihr lange böse. Wie konnte sie uns alleine lassen? Heute weiß ich, wie verzweifelt man sein kann und durch ihre Aufzeichnungen, wie hilflos sie leider war. Ich habe ihr längst verziehen. Meine wundervolle Tochter verlassen kam nicht in Frage und war mein oberstes Gebot.

Heute geht es mir gut! Ich lebe mit der Krankheit, denn heilen wird sie nicht. Es kann immer wieder Episoden geben. Eine Angststörung kam dazu, aber auch ein neuer Psychiater, der sich sehr viel Zeit nimmt, herrliche Diskussionen mit mir führt und einfach sagt: „Frau Zimny, Sie wissen doch, dass Sie nicht alle Tassen im Schrank haben“! Was soll ich sagen? Ich denke, ich habe sehr gut gelernt mit der Krankheit Depression umzugehen und sie versetzt mich nicht mehr in Angst und Schrecken.

Wellen

Voller Freude und Selbstvertrauen sich ins Unbekannte begeben, auch wenn man zeitweise den Boden unter den Füßen verliert. Was auch immer kommen mag, mit erhobenen Kopf dem mutig entgegen sehen, sicher sein, dass nichts passiert. Mag sein, dass einem so manche Schwierigkeit und manches Leid, unter Umständen brutal entgegen schwappt, eine starke Welle einen kurz zum Straucheln zwingt, man sich auch immer mal wieder beim Zweifeln ertappt, dennoch jede Herausforderung letztendlich mit Selbstbewusstsein, einfach und spielerisch gelingt.

Meine Magyar Vizsla Hündin Hazel hatte 4 Jahre nicht den Mut ins Wasser zu gehen, selbst Pfützen schienen wie dunkle schwarze Löcher, die drohen sie zu verschlucken. In Bayern an einem klaren See traute sie sich langsam, da auch die Neugier an den Fischen überwog. Diese Woche wird sie sieben Jahre alt und springt, wie hier in Italien, in jedes Wasser. Für jeden von uns ist die Zeit eine andere die wir brauchen. Sei es, um etwas zu erkennen, zu erlernen,zu entwickeln und besonders, zu verändern. Unsicherheit ist der Begleiter jeder Veränderung, aber Veränderungen in unserem Leben können eine Chance sein.

Der Pianist

Auf dem glänzenden Flügel tanzen grazil die flinken Hände, dies beobachtend verlassen unsere Gedanken die meist zu eng gewordenen Wände. Musiker, die ihren klassischen Instrumenten die unterschiedlichsten Töne entlocken; meistens leise auf unaufdringliche Weise; um im nächsten Moment ekstatisch die Saiten und Tasten zu rocken, schicken sie Tausende gemeinsam auf eine bewegende Reise. Ganz gelingt es nicht, völlig zu entschweben; eine Frau schreitet in auffällig rotem Kleid, in der Ferne ein Baby, das verzweifelt schreit; immer kommt es zu Ablenkungen auf unseren Wegen. Unser Leben, die Liebe, manchmal harmonisch und rund, dann wieder aufbrausend laut, schrill und bunt. Dem Einen fällt es leicht dies zu akzeptieren, ein Anderer ist verzweifelt, wird starr und droht zu erfrieren. So wie die Künstler behutsam oder rasant die Klaviatur bedienen, egal ob schwarz oder weiß, können wir uns alles Glück auf unserer Bühne verdienen, mühelos, ohne Anstrengung und übertriebenen Fleiß. Die gebotenen Möglichkeiten erkennen, annehmen und integrieren, schon lässt es sich mit Leichtigkeit durchs Leben marschieren, mit Enthusiasmus und Empathie, der Sprache der Liebe, gelingt es uns in jeder Situation zu parlieren.

Musik ist ein Vehikel für Traurigkeit – aber auch für Freude. Und wenn es gelingt, beide Extreme zusammenzubringen, entsteht Magie. – Paul McCartney

Die Sätze zu „Der Pianist“ formten sich bei einem Ludovico Einaudi Konzert in der Waldbühne in Berlin, sie blieben in meinem Kopf, auch wenn ich nach dem Konzert mit vielen Menschen und Eindrücken den Ort verließ und es noch einige Zeit dauerte, bis ich Zettel und Stift hatte, um sie aus dem Kopf zu notieren. Für mich lässt sich vieles – wie hier die leisen und lauten Töne- auf unser Leben anwenden. Mir hilft es einen Bezug herzustellen und führt zu mehr Klarheit. Letztendlich verliere ich nie das positive Denken.

Wettlauf mit der Zeit

Geht es in meinem Kopf wieder drunter und drüber, nehme ich Platz und schreibe es nieder. Versuche es in Worte zu fassen, anstatt dem Grübeln die Oberhand zu lassen. Meine Feder schreibt nicht schnell genug, doch ich beeil‘ mich, tut es doch gut. Und schwupp die wupp die Worte stehn und ich kann zu etwas anderem übergehn. Es scheint ich hätte einen Weg gefunden, fühl‘ mich einen Moment lang frei und ungebunden. Doch weiß ich, es ist nur von kurzer Dauer, ich seh‘ schon, der nächste Anflug, er liegt auf der Lauer. Ich nenne es mal Unbehagen. Gibt es dazu noch Fragen? Ich dichte meine Laune weg, sonst hätte dies doch auch gar keinen Zweck.

Vielleicht schafft ihr es ja auch manchmal, trotz eures erbärmlichen Zustandes, euren Humor nicht zu verlieren. Tatsächlich drückte es ein Professor des Institut für Psychoanalyse in Frankfurt so aus und ich werde dieses Wort im Zusammenhang mit meiner Erkrankung nie mehr vergessen. „Der erbärmlichste Zustand in dem sich ein Mensch befinden kann.“

Kopf- und Küchenchaos

Ich erinnere mich noch gut an den Tag als ich dachte ich sei tatsächlich verrückt. Wie eine Irre kämpfte ich gegen die vorherrschenden dunklen Gedanken und lenkte mich mit aller Gewalt ab. 8 Bleche Plätzchen buk ich; im Flur stapelten sich die Boxen. Gleichzeitig kochte ich für meine Familie Abendessen und schrieb.

Das Chaos

Wär es nicht ernst, ich würde lachen. Die Küche ein Chaos! Mein Gott all die Sachen! So sieht es in mir aus: Ein heilloses Durcheinander, das ganze Haus! Und nur, um den Gedanken zu entfliehen, es duften die Plätzchen im Ofen so schön. Auf dem Herd stehen Schwein und Rind. Es freuen sich Mann und Kind. Doch nur ich weiß allein: dies alles zum Schein! Ich kämpfe und kämpfe nur um zu SEIN!