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Hilflos

Heute fühle ich eine seltsame Leere,

als ob ich eine leblose Hülle wäre.

Einfach gebracht an diesen Ort,

ohne Erklärung, ohne ein Wort.

Hier gehöre ich nicht hin!

Es ergibt keinen Sinn.

Mein Leben sollte ein anderes sein,

umgeben von hellem Schein.

Immer wieder quälen mich diese Gedanken,

vor mir schließen sich sämtliche Schranken.

Fühle mich gefesselt, in Ketten gelegt.

Nichts, das sich mehr regt und bewegt.

Diese Momente scheinen aussichtslos.

Was mache ich bloß?

Wie lange kann ich es noch schaffen,

kann mich immer wieder aufs Neue aufraffen?

Wie lange noch reichen meine Kräfte?

Wann ergebe ich mich, bezwingen mich fremde Mächte?

Wann gebe ich auf

und laß dem Übel seinen Lauf?

Ich will nicht mehr in dieser Welt frieren,

möchte wieder Wärme und Liebe spüren.

Lernen auf Menschen zu zugehen,

dabei behilflich sein mich zu verstehen.

Es fordert so viel Kraft und Mut.

Leute, zieht vor mir den Hut !

Ich stelle mich der Krankheit.

Sie ist meine unbarmherzige Wirklichkeit.

Deshalb immer wieder die vielen Tränen,

mehr will ich gar nicht erwähnen…..

Passen die Fotos zu meinem Gedicht ? Nein ! Sah es in diesem fröhlich lächendeln Menschen tatsächlich so aus ? Ja, leider. Facebook hat mich gerade an die Zeit erinnert. Es war im August 2011 in Berlin. Zu dieser Zeit wurde mir erstmals bewusst, dass etwas mit mir nicht stimmte. Dieser Abend war einer der wenigen Abende an dem ich befreiter schien. Ich erinnere mich, dass meine Tochter, damals 12 Jahre alt, glaubte ich sei angeheitert, da sie mich wahrscheinlich lange nicht heiter erlebt hatte. Das ist sehr traurig und ich denke dabei an meine Mutter. Lange kämpfte sie mit Depressionen. Wie scheinbar glücklich war sie in unserem letzten gemeinsamen Urlaub in Egmond aan Zee in Holland. Ausgelassen sprang sie mit meinem Bruder und mir in den Wellen im Meer. Wie sehr ich mich über ihre Freude freute. Wenig später nahm sie sich das Leben. Damals war es noch viel schwieriger mit der Krankheit umzugehen. Ihre Aufzeichungen haben mir gezeigt, wie hilflos sie war. Als meine Therapeutin mich irgendwann aufforderte die Tagebücher meiner Mutter zu lesen, kostete mich das zwar viel Kraft, aber gab mir auch enorme Stärke. Ich konnte so sehr mit ihr mitfühlen, im Nachhinein tat sie mir leid. Sie war wahnsinnig verunsichert, konnte ihren Zustand überhaupt nicht begreifen. Sie wechselte Ärzte, Medikamente, Therapieformen und Kliniken, nichts und niemand konnte ihr helfen. Ihre Eltern überlegten damals tatsächlich, ob eine Therapie mit Stromstößen helfen würde. Ich erschrak als ich das las. (Heute muss man sich von der Vorstellung lösen, die viele noch aus der Anfangszeit der Elektrokonvulsionstherapie vor Augen haben. Die Therapie ist heute weit weniger invasiv und hat kaum Nebenwirkungen.) Es war 1980 als sie beschloß aus dem Leben zu gehen. Genauso formulierte sie es in ihrem Kalender. Wie viel besser ging es mir doch 30 Jahre später. Ich begriff, dass die anfangs so verhasste Therapie meine Chance war, auch wenn der damalige Professor der Gesellschaft für Psychoanalyse in Frankfurt am Main, welcher die Therapeutin für mich aussuchte, selbst nicht an mich glaubte. Ich habe es geschafft zu leben und heute glücklich zu leben. Es gibt immer mal wieder Tage an denen ich kämpfen muss, aber ich bin sehr aufmerksam geworden und sie machen mir keine Angst. Ich bin so viel stärker als meine Mutter es war. Aber ich kann mich glücklich schätzen, dass mich kompetente Psychiater, Psychotherapeuten und mein Hausarzt begleitet haben und es teilweise noch heute tun. Eine Therapeutin riet mir zu einem MBSR Achtsamkeitskurs. Mindfulness-Based Stress Reduction, 1970 in USA entwickelt von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zin. Dieser Kurs bestätigte mir, dass ich alles, in Bezug auf meine Krankheit, richtig gemacht hatte. Jeden der 8 Kursblöcke verließ ich in Dankbarkeit. Die Psychiaterin die ich in den schlimmen Anfangsphasen aufsuchte, entließ mich immer mit den Worten : „Frau Zimny, sie machen alles richtig!“ Ich hoffe viele leidende Menschen „machen alles richtig“ vor allem finden die richtige Hilfe und lernen mit der Diagnose Depression zu leben. Und ich hoffe auf mehr Verständnis unserer Mitmenschen. Ein schönes Lächeln kann täuschen.

Das Wort

Ich liebe sie die vielen Worte.

Sie führen mich leicht an andere Orte.

Lassen mich der Wirklichkeit entfliehen,

den trüben Aussichten entziehen.

Mit den Buchstaben spielen,

mich in jede Zeile verlieben.

Es gefällt mir das Schreiben,

hier will ich bleiben.

Im Kopf kein wildes Zanken,

keine Schlacht der Gedanken.

Ich lade dich ein,

so kannst auch du bei mir sein.

Lernst mich zu verstehen,

meine komplizierte Welt zu sehen.

Ich freue mich wenn es gelingt

und so uns beiden viel bringt.

Eigentlich sollte “ Das Wort “ mein erster Beitrag sein, aber durch unsicheres „herumprobieren“ in wordpress veschwand er. Insgesamt sollen meine Worte eine Einladung sein. Eine Einladung in meine Gedankenwelt und vielleicht ein vorsichtiges Verstehen einer psychischen Erkrankung. Depression lässt sich schwer in Worte fassen, noch schwerer ist es für Mitmenschen, selbst Familie oder Freunde die Erkrankung zu erkennen. Man hat kein Fieber oder Ausschlag, es lassen sich keine erhöhten Werte messen. Eventuell nach außen erkennbare Symptome, wie z.B. anfängliche Teilnahmslosigkeit, Interessenverlust und eine nicht erklärbare tiefe Traurigkeit werden eher schlicht als schlechte Laune empfunden. Niemand sieht die Schlaflosigkeit, den ständigen Kloß im Hals, die Übelkeit, den permanenten Druck auf den Brustkorb, unterdrückte Tränen und die Hilflosigkeit. Lange noch kann man so funktionieren. Ich selbst dachte auch immer, ich schaffe das alleine. Aus diesem Loch werde ich mich selbst befreien können. Irgendwann habe ich wieder genug Kraft den schweren Felsbrocken, der auf mir liegt, abzuwerfen. Leider nein, irgendwann folgen körperliche Symptome. Ich musste mich zum Essen zwingen und vor allem aufgrund der monatelangen Schlaflosigkeit wurde ich auch physisch schwächer.

Zum Glück ist die letzte Episode der Krankheit eine Weile her. Als es mir sehr schlecht ging, half mir das Schreiben. Das Reimen machte mich gegen die tägliche Auseinandersetzung mit den, ich nenne sie mal dunkle Gedanken, weniger empfindlich, gab mir Kraft den erbärmlichen Zustand im Wortsinn durchzustehen, ja zu überleben. Reime erweiterten mir den Denkraum. Ob eine unmittelbare Heilkraft der Wörter die Symptome mildert und das Befinden bessert, weiß ich nicht, aber ich wurde, zumindest für einen Moment von einer Last befreit. Nach jeder gefüllten Seite mit sprudelnden Worten fühlte ich mich leichter. Irgendwie muss ja auch begründet sein, dass Mütter und Väter nicht nur pusten, wenn das Kind eine Wunde hat, sondern einen Reim singen und dies wahrhaftig hilft….

Heile, heile Gänschen
Es ist bald wieder gut
Das Kätzchen hat ein Schwänzchen
Es ist bald wieder gut
Heile, heile Mausespeck
In hundert Jahren ist alles weg

Wir funktionieren

Wir funktionieren.

Aber eigentlich nur um Anderen den Weg zu planieren.

Zu Erfolg, Geld und Macht,

auf uns selbst geben wir dabei nicht acht.

Wir dienen der Industrie zum Zwecke,

unsere Wünsche und Träume bleiben auf der Strecke .

Dabei gilt zu entdecken,

eingeschlafenes zu erwecken,

aktiv zu gestalten,

und nicht täglich bürokratisch verwalten.

Dem Leben einen Sinn geben,

nach wahrem Glück und Erfüllung streben.

Zeit für Familie und Freunde finden,

auch wenn die Umsatzzahlen schwinden.

Sich nicht mehr für den Chef verrenken,

selbst den Kurs bestimmen und zufrieden lenken.

Meine Gedanken schreibe ich am liebsten in Bücher, unterwegs oft aber tippe ich sie ins Handy. Durch meine Notizen scrollend entdeckte ich diese Zeilen vom Sommer letzten Jahres. Meine damalige berufliche Tätigkeit war wenig erfüllend. Ich steckte voller Ideen, aber Änderungen waren nicht erwünscht, neue Konzeptideen fanden kein Interesse, die Strukturen und Hierarchien waren starr und letztlich musste ich feststellen, dass Frauen in Industriezweigen tatsächlich immer noch wenig Respekt erfahren. Auf dieses Thema werde ich aber nicht näher eingehen. Wichtig aber ist; ich hatte den Mut zur Veränderung. Ich betone auch, dass Ü50 in der Arbeitswelt nicht das Aus bedeutet. Noch heute trudeln Anfragen ein, ich hatte interessante Vorstellungsgespräche, welche mich wirklich grübeln ließen ob ich das ein oder andere Angebot annehmen möchte. Letztendlich startete ich am 1. März dieses Jahres in eine neue berufliche Zukunft, die anfangs ungewiss schien. Die ersten drei Monate gestalteten sich, aufgrund von schlechter Auftragslage bedingt durch den Ausbruch des Coronavirus, schwierig. Dies ist zum Glück jetzt anders. Wie angenehm doch Arbeit sein kann! Ich hatte das völlig vergessen in den letzten Jahren, obwohl ich immer sehr gerne gearbeitet habe. Die Zeit vergeht wie im Flug. Mein Arbeitsalltag ist flexibel, meine Tätigkeit anspruchsvoll, Eigeninitiative ist ausdrücklich erwünscht, Ideen sind willkommen. Ich freue mich über höfliches und respektvolles Miteinander. Nicht nur durch mein Wirken werde ich den Kurs mitbestimmen, sondern auch durch meine zukünftige Beteiligung am Unternehmen. Für einen Wandel ist es nie zu spät. Oftmals hindert uns der Alltag mit seinen festen Strukturen und Aufgaben daran gründlich über unsere Situation nachzudenken. Wir sind unzufrieden, finden, bzw. nehmen uns aber nicht die Zeit darüber nachzudenken wie wir etwas ändern können und ob wir es auch wollen. Oder aber Sicherheit ist uns einfach wichtiger, bzw. bequemer eventuell. Ich bin sehr froh diesen aufregenden Schritt gegangen zu sein, bzw. noch zu gehen. Denn hier ist noch lange nicht Schluß!

Nähe

Für einen Moment zwei Fremde,

umschlungen vom schützenden Wald,

Angst nimmt schnell ein Ende,

Vertrauen siegt bald.

Sicheren Tritts,  Seite an Seite

als würde man sich ewig kennen,

Harmonie in voller Breite,

ein Gefühl schwer zu benennen.

Der Augenblick so vollkommen,

durch Äste glitzern  Sonnenstrahlen.

Du hast dir mein Lächeln genommen,

verdrängst alle Qualen.

Diesen Moment für ewig halten,

möge er nie enden,

schnell auf Pause schalten

und einfach wenden.

Ich fühle mich sicher geborgen

wünschte es würde bleiben,

freue mich auf jeden  Morgen,

Glück soll uns kleiden!

Zwischen dem Foto und den Zeilen ist kein Zusammenhang zu erkennen, aber ich erkläre es gerne. Ich bin so viel gerannt! Ich sammelte regelrecht Kilometer. Als es mir psychisch sehr schlecht ging, las ich, dass zwei- oder dreimal in der Woche für 30 Minuten laufen, sich unter Umständen günstig auf die Psyche auswirken kann. Ich fing an mit ca. 2 km, irgendwann wurden es über 20 und in meinen Höchstzeiten mehr als 50 km in der Woche. Anfangs war ich alleine unterwegs, doch dann schloss ich mich einer Gruppe an. Wenn man Seite an Seite mehrmals in der Woche zusammen unterwegs ist, lernt man sich gut kennen. Aus anfangs Fremden wurden Freunde. Die Zeilen „Nähe“ widmete ich meiner einzigartigen Laufgruppe. Zweimal pro Woche liefen wir bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. Am Wochenende lief ich zusätzlich mit meinem Lieblingslaufpartner. Wir waren ein tolles Team!

Ich begann an 10 km Wettkämpfen teilzunehmen. Auf dem Foto beendete ich glücklich meine erste Teilnahme. Mit jedem Wettkampf wurde ich schneller. Ich trainierte für Halbmarathon, nahm an Laufserien teil und lief im Winter Cross Country im Spessart. Jeder Lauf gab mir Vertrauen in meinen Körper zurück und verhalf mir zu mehr Selbstvertrauen. Die psychische und mentale Stärke, die ich durchs Laufen gewann war für meine Genesung insgesamt sehr wichtig. Besonders auch für die lange Zeit der Therapie damals 3 x in der Woche. Ich erinnere mich gut als von jetzt auf gleich bei einem Trainingslauf mein linkes Knie heftig zu schmerzen begann. Obwohl bei sehr guten Sportmedizinern in Behandlung bedeutete es das Aus. Ich war totunglücklich, war es doch mein Sport!. Eine Freundin reagierte auf meine „Laufsucht“ mit den Worten: Wovor läufst du denn eigentlich weg? Ich bin mir unsicher, ob man das daraus ableiten kann. Generell sicher nicht. Heute, als glücklicher Mensch allerdings, kann ich bestätigen, dass ich die „Rennerei“ nicht mehr brauche. Ich bin viel ruhiger und zufriedener jetzt. Es war eine wundervolle Zeit in einem wunderbaren Team. Darüber bin ich sehr dankbar. Einen vergleichbaren Sport für mich habe ich seitdem nicht gefunden, würde ich am Wasser wohnen, wäre es sicher das Segeln. Was nicht ist kann ja noch werden.

Leben

Es gibt Tage an denen ich mich hasse, keinen Menschen in meine Nähe lasse. Kann mich selbst kaum ertragen, will eigentlich nicht klagen. Ich reiß‘ mich zusammen, steh‘ in Flammen. Eine Seele die brennt. Ein Herz das rennt. Wär doch der Tag schon vorbei, wie sehne ich die Nacht herbei. Eine Nacht die keinen Frieden bringt, die auch nur nach Atem ringt.

Es gibt Tage an denen ich mich freue, wie eine Kind, ohne Angst, ohne Reue. Das Atmen leicht, der Gang beschwingt, neugierig was der Augenblick wohl bringt. Herz und Augen weit offen. Diese Tage lassen hoffen. Keine Gefühle die erfrieren. Heute kann alles passieren! Ein lieber Mensch an meiner Seite, der mich berührt in voller Breite. Das Leben in voller Pracht. Die Liebe neu erwacht.

2 x ich – 2 times me

Wer kennt das nicht? Viele, da bin ich sicher! Depression bedeutet aber nicht einen schlechten Tag haben, sondern viele viele in Folge. Bei mir waren es Monate. Monatelang Druck auf dem Brustkorb, Atembeschwerden, unendlich vieles Weinen, Appetitlosigkeit, Durchfälle, extremer Gewichtsverlust, Schlafstörungen, permanenter „Kloß im Hals“ und so vieles mehr. Jede Nacht wachte ich zwischen 2 und 3 auf und schlief einfach nicht mehr ein. Der Biorhythmus ist so sehr gestört, dass es auf lange Sicht körperliche Folgen nach sich zieht. Das ist erschreckend. Ich hatte das Glück, als ich mich endlich tränenreich bei meinem Hausarzt „outete“, ein guter Responder auf das von ihm gewählte Medikament zu sein, so dass ich bald zumindest wieder schlief. Auch begleitete mich lange Zeit eine für mich sehr wichtige Psychiaterin und ich überlebte sogar die 2 – jährige Tiefenpsychologie und Psychoanlayse einer, von der deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse gewählten, Therapeutin. Ich sage das bewusst, denn eine Therapie ist kein Spaziergang und es kommt zu einem tiefen Fall, bevor man daraus wieder wächst und diese Zeit kann kritisch sein. Zudem war die Dame sehr speziell und ich verbrachte immerhin streng 3 Vormittage in der Woche mit ihr. Was hielt mich am Leben? Darauf gibt es eine eindeutige und klare Antwort: Meine Tochter! Sie war damals 12 Jahre alt. Meine Mutter nahm sich nach gleichem Kampf das Leben, als mein Zwillingsbruder und ich gerade einmal 14 Jahre alt waren. Ich war ihr lange böse. Wie konnte sie uns alleine lassen? Heute weiß ich, wie verzweifelt man sein kann und durch ihre Aufzeichnungen, wie hilflos sie leider war. Ich habe ihr längst verziehen. Meine wundervolle Tochter verlassen kam nicht in Frage und war mein oberstes Gebot.

Heute geht es mir gut! Ich lebe mit der Krankheit, denn heilen wird sie nicht. Es kann immer wieder Episoden geben. Eine Angststörung kam dazu, aber auch ein neuer Psychiater, der sich sehr viel Zeit nimmt, herrliche Diskussionen mit mir führt und einfach sagt: „Frau Zimny, Sie wissen doch, dass Sie nicht alle Tassen im Schrank haben“! Was soll ich sagen? Ich denke, ich habe sehr gut gelernt mit der Krankheit Depression umzugehen und sie versetzt mich nicht mehr in Angst und Schrecken.

Wellen

Voller Freude und Selbstvertrauen sich ins Unbekannte begeben, auch wenn man zeitweise den Boden unter den Füßen verliert. Was auch immer kommen mag, mit erhobenen Kopf dem mutig entgegen sehen, sicher sein, dass nichts passiert. Mag sein, dass einem so manche Schwierigkeit und manches Leid, unter Umständen brutal entgegen schwappt, eine starke Welle einen kurz zum Straucheln zwingt, man sich auch immer mal wieder beim Zweifeln ertappt, dennoch jede Herausforderung letztendlich mit Selbstbewusstsein, einfach und spielerisch gelingt.

Meine Magyar Vizsla Hündin Hazel hatte 4 Jahre nicht den Mut ins Wasser zu gehen, selbst Pfützen schienen wie dunkle schwarze Löcher, die drohen sie zu verschlucken. In Bayern an einem klaren See traute sie sich langsam, da auch die Neugier an den Fischen überwog. Diese Woche wird sie sieben Jahre alt und springt, wie hier in Italien, in jedes Wasser. Für jeden von uns ist die Zeit eine andere die wir brauchen. Sei es, um etwas zu erkennen, zu erlernen,zu entwickeln und besonders, zu verändern. Unsicherheit ist der Begleiter jeder Veränderung, aber Veränderungen in unserem Leben können eine Chance sein.

Der Pianist

Auf dem glänzenden Flügel tanzen grazil die flinken Hände, dies beobachtend verlassen unsere Gedanken die meist zu eng gewordenen Wände. Musiker, die ihren klassischen Instrumenten die unterschiedlichsten Töne entlocken; meistens leise auf unaufdringliche Weise; um im nächsten Moment ekstatisch die Saiten und Tasten zu rocken, schicken sie Tausende gemeinsam auf eine bewegende Reise. Ganz gelingt es nicht, völlig zu entschweben; eine Frau schreitet in auffällig rotem Kleid, in der Ferne ein Baby, das verzweifelt schreit; immer kommt es zu Ablenkungen auf unseren Wegen. Unser Leben, die Liebe, manchmal harmonisch und rund, dann wieder aufbrausend laut, schrill und bunt. Dem Einen fällt es leicht dies zu akzeptieren, ein Anderer ist verzweifelt, wird starr und droht zu erfrieren. So wie die Künstler behutsam oder rasant die Klaviatur bedienen, egal ob schwarz oder weiß, können wir uns alles Glück auf unserer Bühne verdienen, mühelos, ohne Anstrengung und übertriebenen Fleiß. Die gebotenen Möglichkeiten erkennen, annehmen und integrieren, schon lässt es sich mit Leichtigkeit durchs Leben marschieren, mit Enthusiasmus und Empathie, der Sprache der Liebe, gelingt es uns in jeder Situation zu parlieren.

Musik ist ein Vehikel für Traurigkeit – aber auch für Freude. Und wenn es gelingt, beide Extreme zusammenzubringen, entsteht Magie. – Paul McCartney

Die Sätze zu „Der Pianist“ formten sich bei einem Ludovico Einaudi Konzert in der Waldbühne in Berlin, sie blieben in meinem Kopf, auch wenn ich nach dem Konzert mit vielen Menschen und Eindrücken den Ort verließ und es noch einige Zeit dauerte, bis ich Zettel und Stift hatte, um sie aus dem Kopf zu notieren. Für mich lässt sich vieles – wie hier die leisen und lauten Töne- auf unser Leben anwenden. Mir hilft es einen Bezug herzustellen und führt zu mehr Klarheit. Letztendlich verliere ich nie das positive Denken.

Wettlauf mit der Zeit

Geht es in meinem Kopf wieder drunter und drüber, nehme ich Platz und schreibe es nieder. Versuche es in Worte zu fassen, anstatt dem Grübeln die Oberhand zu lassen. Meine Feder schreibt nicht schnell genug, doch ich beeil‘ mich, tut es doch gut. Und schwupp die wupp die Worte stehn und ich kann zu etwas anderem übergehn. Es scheint ich hätte einen Weg gefunden, fühl‘ mich einen Moment lang frei und ungebunden. Doch weiß ich, es ist nur von kurzer Dauer, ich seh‘ schon, der nächste Anflug, er liegt auf der Lauer. Ich nenne es mal Unbehagen. Gibt es dazu noch Fragen? Ich dichte meine Laune weg, sonst hätte dies doch auch gar keinen Zweck.

Vielleicht schafft ihr es ja auch manchmal, trotz eures erbärmlichen Zustandes, euren Humor nicht zu verlieren. Tatsächlich drückte es ein Professor des Institut für Psychoanalyse in Frankfurt so aus und ich werde dieses Wort im Zusammenhang mit meiner Erkrankung nie mehr vergessen. „Der erbärmlichste Zustand in dem sich ein Mensch befinden kann.“

Kopf- und Küchenchaos

Ich erinnere mich noch gut an den Tag als ich dachte ich sei tatsächlich verrückt. Wie eine Irre kämpfte ich gegen die vorherrschenden dunklen Gedanken und lenkte mich mit aller Gewalt ab. 8 Bleche Plätzchen buk ich; im Flur stapelten sich die Boxen. Gleichzeitig kochte ich für meine Familie Abendessen und schrieb.

Das Chaos

Wär es nicht ernst, ich würde lachen. Die Küche ein Chaos! Mein Gott all die Sachen! So sieht es in mir aus: Ein heilloses Durcheinander, das ganze Haus! Und nur, um den Gedanken zu entfliehen, es duften die Plätzchen im Ofen so schön. Auf dem Herd stehen Schwein und Rind. Es freuen sich Mann und Kind. Doch nur ich weiß allein: dies alles zum Schein! Ich kämpfe und kämpfe nur um zu SEIN!