Tandemflug vom Nebelhorn

Ich möchte so gerne fliegen lernen,

selbst wenn es weit oben kälter ist,

es würde sicher mein Herz erwärmen .

Dem Alltag entschweben und mich für einen Moment über alles erheben.

Von oben auf euch herunter blicken,

nicht eingreifen können,

aber dennoch wohlwollende Gedanken schicken.

Mich bewusst abgrenzen und dankbar den Irrsinn schwänzen.

Ich wünschte die Menschen würden von Zeit zu Zeit inne halten,

aufhören, Zeit und so vieles mehr, nur zu verwalten,

sondern spielerisch von vorne beginnen,

diesmal bewusst achtsam und mit allen Sinnen.

Noch heute bin ich sehr glücklich darüber mir einen großen Wunsch erfüllt zu haben. Zu meinem 50. Geburtstag, damals.

An diesem Tag bin ich wirklich dem Alltag entflohen. Ich hatte einen Tandemgleitschirmflug vom Nebelhorn bei der Flugschule Oase in Obermaiselstein im Allgäu gebucht. Und das tollste, meine Tochter entschied mich zu begleiten. Zu Abenteuern ist sie sofort bereit. Das Nebelhorn bietet eine herrliche Aussicht über 400 Gipfel. Bei gutem und klarem Wetter kann man die Gipfel bis in Südtirol sehen. Ein unvergessliches Erlebnis mit beeindruckender Bergkulisse mitten in den Allgäuer Hochalpen war mir garantiert. Es gibt zwei Startplätze, einen auf 1930m , den höheren am Gipfel auf 2220m.

Ganz früh, wir waren nicht einmal aufgestanden, rief uns schon einer der beiden Piloten der Flugschule an, dass der Flug in den späteren Vormittag verschoben wird, in der Hoffnung, es klart auf. Einige Gleitschirmflieger saßen oben fest, da nur bei absolut klarem Wetter geflogen werden darf. Also konnten wir den Morgen gemütlich angehen, obwohl, besonders ich, doch voller Vorfreude und Aufregung war. Gegen 10 Uhr trafen wir, nachdem wir im Hauptbüro noch hohe schwere Bergstiefel ausgeliehen hatten, am Parkplatz ein. Mein Pilot erwartete uns, der meiner Tochter war noch oben am Berg. Er entschied, auch wenn der Gipfel im Nebel war, trotzdem mit der Bahn zumindest auf 1930m hoch zu fahren. Mit zwei großen Rucksäcken voll Ausrüstung stiegen wir ein. Oben angekommen sah es noch nicht sehr vielversprechend aus. Jetzt mussten wir uns einig werden, wer den Anfang macht. Meine Tochter und ich mussten nicht streiten, denn der Pilot entschied schnell es ist der Tag der Mutter! Außerdem entschloss er sich das Wagnis einzugehen und trotz unklarer Sicht, mit der zweiten Bahn ganz auf den Gipfel zu fahren. Ich war nicht ganz glücklich damit meine Tochter auf 1930m alleine zu lassen, aber ihr Pilot war auch schon auf dem Weg nach oben sie zu treffen.

Ich erinnere mich gut daran, dass es gar nicht so leicht war mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken und den starren Stiefeln dem flinken Tandempiloten hinterher stolpernd, den Berg bis zur einer Kuppe ein wenig hinab zu laufen und fühlte mich schon etwas unsicher. Vielleicht beeilen sich die Piloten ja absichtlich generell, denn kurz schoss mir schon durch den Kopf was ich eigentlich da oben mache und ob der gewählte Weg nach unten der richtige sei. Ich hatte keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn jetzt hieß es den Schirm richtig auszubreiten und alles zu verschnallen. Ein Erinnerungsfoto wurde noch geschossen und der Mann meines Vertrauens erklärte mir rasch, dass ich nur einfach schnell den Berg mit voller Kraft nach vorne runter rennen soll. Mehr nicht.

Gesagt, getan, wir rannten los und hoben sofort ab. Der Aufwind war so stark – ich war überrascht – aber der Schirm zog uns erst einmal kräftig hoch. Es war verrückt, ich hing einfach in der Luft, ließ die Beine baumeln und flog über die Gipfel. Unter uns konnte ich Bergsteiger beim Erklimmen eines Gipfels entdecken und wir waren noch so viel höher. Es war ein ganz besonderes Gefühl, wie als wäre ich ein Wattebausch, der im Himmel so herumbummelt und sich wünscht der Wind würde ihn immer weiter tragen. Aber an die Gurte haben sich meine Hände doch sehr geklammert, wie ich später auf den Fotos erkennen konnte. Tatsächlich muss ich einen sehr guten Tag mit hervorragender Thermik erwischt haben und außerdem einen netten Piloten, der selbst mit viel Spaß begeistert bei der Sache war. Wir waren 45 Minuten in der Luft, aber die Zeit verging wie im Flug 😉

Der Mann in meinem Rücken fragte nach einiger Zeit, ob wir mal dynamischer fliegen wollen. Ich wusste nicht, was es genau bedeuten konnte, aber stimmte sofort zu. Ich kannte ihn zwar nicht, aber spürte, ich kann vertrauen, denn er ist ein erfahrener Pilot. Im Nu war das sanfte Gleiten vorbei und der Schirm raste links herum und rechts herum, kreiste und trudelte, ähnlich so manchen Fahrgeschäften auf der Kirmis, durch die Luft. Hui, ging das ab! Aus Angst vor eventueller Übelkeit bat ich dann aber recht schnell wieder eine gemäßigtere Fahrt aufzunehmen. Der Ausflug hoch in der Luft, hätte noch ewig dauern können, aber so langsam mussten wir an die Landung denken. Ich bekam kurz die Anweisung eigentlich nichts weiter zu tun, als ein wenig in die Hocke zu gehen und mir vorzustellen von einem Schreibtisch zu hüpfen. Ich sah nach unten auf die Kuhweide und hoffte nur, nicht ausgerechnet in einem Kuhfladen zu landen. Doch schon waren wir gelandet. Zack, wir standen perfekt! Aus meinem Tandempilot brach in wunderbarem Dialekt begeistert der Satz: „Ja, leck mich am Arsch! Was für eine pefekte Landung!“ hervor, wir lachten, packten zusammen und verabschiedeten uns. Dieses besondere Erlebnis – mein Ausflug – hoch in der Luft, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Noch besser, wenn man diese wertvollen Augenblicke teilen kann und am liebsten mit meiner Tochter, die auch nach tollem Flugerlebnis sicher landete.

Und übrigens, ich habe Höhenangst … eigentlich! Aber auch die war verflogen. Wer den „Irrsinn einmal schwänzen will“, hoch in der Luft ist ein hervorragender Ort dafür. Hebt mal ab!

Autor: annaunschlagbar

Well, I guess it's not in the 10 commandments that old women cant climb up trees.

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