Hundefreundlicher Urlaub am Jadebusen: Erfahrungsbericht aus Niedersachsen

Gestrandet am Jadebusen ….

Ja! Ich, die es sonst in die Ferne zieht, habe einen Urlaub in Niedersachsen verbracht und es war herrlich!

Mein Partner und ich waren auf der Suche nach einem Ferienhaus an der Nordsee, welches auch Hunde erlaubt. Seit Februar haben wir zusätzlich zu unserer Vizsla Hündin „Hazel“ noch einen Junghund „August“, daher planten wir einen Hundeurlaub. Bei der Suche nach einem Urlaubsdomizil verloren wir uns und landeten nicht in Sankt Peter Ording, weiter Richtung Sylt oder auf einer der Inseln, sondern im Jadebusen. Tatsächlich haben wir außer Acht gelassen, dass uns dort keine weiten Strände erwarten. Und vorab leider ein negatives Fazit; auch wenn die Gegend als hundefreundlich beschrieben wird, sind die Abschnitte am Wasser, welche den Hundebesitzern zugeteilt sind, ganz schrecklich. Ich war nicht nur enttäuscht, sondern entsetzt, dass ich eingegrenzt durch Bauzäune wie in einem Käfig am Strand geduldet werde. Und hiermit vergesse ich das traurige Thema auch gleich wieder.

Unser Ferienhaus befand sich innerhalb Viehweiden zugehörig zu Seefelder Außendeich. Auf dem großen Foto sieht man den Blick auf die Felder. In den letzten Tagen standen die Kuhherden auch direkt angrenzend. Die nächst größeren Städte sind Brake und Nordenham. Vorab sei erwähnt, dass man wirklich abgeschieden wohnt. Alle Ziele (auch Restaurants und Supermärkte) sind ca. 25 km entfernt. Für wen das bereits jetzt nichts ist, der braucht gar nicht weiterlesen.

Vom Ferienhaus war ich begeistert, daher empfehle ich es auch sehr gerne:https://reethaus-jadebusen.de/. Anfangs fragte ich mich tatsächlich auch, wie ich hier 14 Tage verbringen soll. Ich bin auch im Urlaub sehr aktiv, will auf gar keinen Fall etwas verpassen und sitze generell nicht gerne still. Entspannen will gelernt sein, ich kann es bis heute nicht gut, aber hier im Seefelder Moor blieb mir keine andere Wahl.

Unser VW T5 war voll beladen mit E-Bikes und 2 großen Hundefahrrad- Anhängern. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass mein Partner nach seiner Schulter OP doch noch nicht weite Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen konnte. Die morgendliche Tour aus dem Seefelder Moor und die nicht enden wollende Landstraße entlang nach Schwei zum Bäcker wurde mein tägliches Highlight. Ich genoss die gesamt 14 km Strecke in Sonne und Wind; vorbei an Kühen, Pferden und Schafen. Hasen kreuzten, Fasane, Rebhühner und Rehe entdeckte ich. Da plötzlich ein Fohlen, dort Kälbchen. Besonders empfehlenswert in der „Dorf Bäckerei Ahlers“ sind die Gourmetbrötchen und das Schwarzbrot mit Nüssen und Datteln. Viele Autos begegneten mir nicht, manchmal rannte ein Hund bellend hinter mir her. Hier trifft der moderne Begriff „entschleunigend“ wirklich zu 100 Prozent zu. Kam ich zurück war der Tisch gedeckt und wir zelebrierten ein ausgiebiges Frühstück in der Sonne. Die Hunde genossen das 4000 m² Grundstück.

Natürlich fuhren wir nachmittags die Kleinstädte in der Nähe, wie Varel, Dangast und Fedderwardersiel, an, hielten uns aber nicht lange auf, da wir für die Hunde ein attraktiveres Ziel fanden. Ich möchte nicht falsch verstanden werden; ich habe vollstes Verständnis, dass z.B. Deiche für Hunde natürlich tabu sind, auch Leinenpflicht akzeptiere ich, nicht jedoch die Hundeflächen hinter Bauzäunen. Richtig weit laufen konnten wir dagegen am Weserstrand bei Oberhammelwarden (Brake). Hier konnten Hazel und August das Wasser genießen, ausgiebig rennen und lebhaft spielen. Und für alle Vizsla Liebhaber: Sonntags um 11 Uhr ist hier ein bekannter Treffpunkt. Zum Glück erfuhren wir darüber und wurden herzlichst empfangen.

Nach entspannten Nachmittagen am Weserstrand konnten wir und die Hunde in unserem abgelegenen Ferienhaus direkt weiter die Seele baumeln lassen. Da wir beide Vollzeit berufstätig sind, bleibt oft abends nicht die Zeit entspannt zu kochen, obwohl wir es so sehr schätzen. Hier allerdings hatte ich die Möglichkeit in den vorhandenen Kochbüchern zu stöbern und raffinerte Rezepte heraus zu suchen. In der Küche des Reethaus-Jadebusen und überhaupt im ganzen Haus fehlte es an nichts. Unseren frischen Fisch kauften wir in Varel in der Mühlenstraße bei https://toellners-edelfisch.de/. Einmal gab es vorzügliche Kabeljaufrikadellen, einen anderen Abend Fischfilets mit einer Kartoffelkruste, z.B. Vom Esstisch aus konnten wir den Blick schweifen lassen. Es war fantastisch.

Eigentlich hätten wir jeden Abend so gemütlich essen können, an meinem Geburtstag aber wollten wir ausgehen. Das Restaurant hat uns ausgesprochen gut gefallen; wir wurden sehr zuvorkommend bedient und das Essen war von hervorragender Qualität. Die Rede ist vom Landhaus Tettens https://www.landhaus-tettens.de/welcome.html. Entzückend war, dass mein Geburtstagstisch im Gegensatz zu allen anderen Tischen Kerzen und Stoffservietten hatte. Eine amüsante Anekdote gibt es auch dazu. Ich fragte, ob wir anstoßen wollen. Als die junge Bedienung mich fragend ansah, ergänzte mein Partner etwas „prickelndes“ vielleicht. Auch dann kam kein Vorschlag. Jetzt fiel ihm noch das Adjektiv „perlig“ ein, worauf sie uns einen Kräuterschnaps anbot. Den dort bevorzugt getrunkenen „Jubi“ Aquavit stellten wir jedoch ans Ende des Abends. Wir hatten Lammrücken für 2 Personen am Tisch tranchiert mit Gemüsevariation und Kartoffellasagne vorbestellt und wurden nicht enttäuscht. Ein paar Tage später sahen sie uns wieder, da sie uns versprachen ein weiteres Lammgericht, diesmal im Wirsingmantel zu servieren. Auch das war himmlisch. Einen dritten Abend entschied ich zu Königsberger Klopsen.

Am Nachmittag fuhr ich manchmal mit dem E-Bike noch zusätzlich die Gegend ab und packte was ging in meine Fahrradtasche. Ganz in unserer Nähe kaufte ich Käse, Eier, Joghurt, Quark und wenig Fleisch im Hof Butendiek https://hof-butendiek.de/mit eigener Hofkäserei. In der Hofkäserei mischen sie auch gerne Knoblauch, Paprika, frisches Basilikum, Bärlauch und Brennnesseln, knackige Walnüsse oder feine Gewürze wie Cumin, Bockshornklee und Schwarzkümmel in den Käseteig. Der Hofbauer lud auch gleich ein seinen Großbetrieb zu bewundern.

Auf einer Tour kam ich auch an einem Melkhus vorbei. Landfrauen laden zu einer Rast in ihr Melkhus ein. Bei einem Glas erfrischender Milch, Milchmixgetränken, Milchcafé, Quarkspeisen und anderen regionalen Köstlichkeiten im Melkhus stärkt man sich für die Weiterfahrt mit dem Fahrrad oder den Inline-Skates. Die Melkhüs sind täglich von Mai bis Oktober geöffnet!

Unbedingt ergänzen möchte ich noch Eindrücke von Schafen die ich bei einem Spaziergang in Butjadingen – Langwarden bekam. Sonst würde auch etwas fehlen. Und dazu auch ein Ausflugsziel, der Langwarder Groden. Der Langwarder Groden zwischen Fedderwardersiel und Langwarden ist der beste Ort zur Vogelbeobachtung in Butjadingen. Ein 4 km langer Rundwanderweg und ein 2 km langer Naturentdeckungspfad bieten Naturerlebnisse der besonderen Art. Von mehreren Beobachtungsständen, Stegen und einer Brücke, die auf den Vordeich führt, lässt sich der ständige Wechsel zwischen Ebbe und Flut besonders gut überblicken. Ein Bohlenweg führt direkt hinein in 70 Hektar Salzwiesenentwicklungsfläche und ermöglicht so faszinierende Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt des Wattenmeeres. Eine ca. 35 m lange Holzbrücke führt über das erweiterte Sieltief.

Wer pure Erholung und ein abgeschiedenes Feriendomizil sucht findet hier sein Glück! Ich hätte es nicht erwartet, aber mit jedem Tag schätzte ich die Gegend und vor allem die freundlichen Menschen mehr. Ich genoss die Ruhe und unendliche Weite. Auch für unseren Junghund August mit 4 Monaten war es herrlich und wir lernten uns besser kennen.

Auch sehr vermissen werde ich die Spaziergänge und das Spielen mit den Hunden am Weserstrand.

„Zum Glücklichsein braucht es nicht viel. Ein wenig Freude am Lebensspiel und Heiterkeit und guten Mut, so scheint die Welt weit, hell und gut.“- Carl Peter Fröhling